Unterm Strich

Forscher haben Kühen beigebracht, die Toilette zu benutzen

René Zipperlen

Von René Zipperlen

Fr, 24. Juli 2020 um 12:32 Uhr

Umwelt & Natur

Nach einem speziellen Latrinentraining trabten 11 von 16 Kälbern in Mecklenburg-Vorpommern recht verlässlich zu einer speziellen Rindertoilette, um dort ihr Geschäft zu verrichten.

Dass es die Kuh faustdick zwischen den Hörern hat und mehr drauf hat als einen lässigen Instagram-Hintergrund abzugeben, hätte man sich schon lange denken können. Sie braucht kein Smartphone, um zu wissen, wann es Zeit ist, nach Hause zu gehen und reinigt selbst Körperteile, von denen sie gar nichts wissen kann – ihre Nasenlöcher –, gewissenhaft und raffiniert.

Ohne Grips geht das nicht. Nur: Warum sind Rinder dann so ruchlos, wenn es um, naja, Groß und Klein samt Hintenrumhygiene geht? Weil wir sie damit allein gelassen haben. Denn von ihrer "Intelligenz und den neurophysiologischen Grundlagen" her könnten sie weit mehr, sagen nun Forscher aus – und das ist jetzt wirklich Zufall – Dummerstorf bei Rostock. Dort hat man Kühen beigebracht, die Toilette zu benutzen.

Das dortige Leibniz-Institut für Nutztierbiologie hat mit Experten aus Neuseeland und Celle bei ausgewählten Rindviechern offenbar erfolgreich Latrinentraining betrieben. Ergebnis: Nach zehn Trainingstagen trabten 11 von 16 Kälbern recht verlässlich zu einer speziellen Rindertoilette, um dort ihr Geschäft zu verrichten. Sollte das über die Stallgrenzen hinaus Schule machen, erspart das nicht nur dem Bauern viel Arbeit im Stall, die Kühe bleiben gesünder, die Milch weißer, und die Umwelt freut sich. Wie haben die das in Dummerstorf nur angestellt?

Mit "assoziativen Lernmethoden". Weil Pädagogen ihre eigene Sprache haben, muss man da genauer hinsehen. Bei erfolgreichem Toilettengang gab es für die Testkälber Gerstenleckerli. Ging der "sehr komplexe Ausscheidungsvorgang" (Schwanz hoch!) daneben, gab es Strafe: eine kurze Dusche. Das ist zwar schwarze Pädagogik, tut aber nicht weh.

Noch ist die Kuhtoilette nicht praxisreif, aber die Rettung des Planeten schon mehr als einen Fliegenschiss nähergerückt: Zunächst jubeln wir dem lieben Vieh ganz assoziativ unter, sich nach dem Geschäft die Klauen zu waschen, und dann – Klimakiller Methan! – beim Wiederkäuen fein den Mund zuzulassen.


In einer früheren Version dieser Kolumne empfahlen wir den Kühen fälschlich, die Pobacken zusammenzukneifen. Sie geben Methan aber durch das Maul ab.