Corona-Proteste und Ausschreitungen

Ravensburger Polizeipräsident: Anti-Konfliktteams "erreichen die Leute nicht mehr"

dpa

Von dpa

Mi, 29. Dezember 2021 um 12:47 Uhr

Südwest

Der kommunikative Zugang zu vielen Demonstranten sei nicht mehr möglich, sagt Polizeipräsident Uwe Stürmer. Dennoch warnt er vor zu hartem Eingreifen, um nicht noch stärker zu emotionalisieren.

Nach den erneuten Protesten gegen die Corona-Politik und Unmut über unangemeldete Demonstrationen hat der Ravensburger Polizeipräsident Uwe Stürmer um Verständnis für die Beamten gebeten. "Wir agieren im Bereich des Polizeipräsidiums mit einer begrenzten Zahl von Polizeibeamten auf 3500 Quadratkilometern", sagte er der "Schwäbischen Zeitung" vom Mittwoch.

Ravensburg sei deutlicher Hotspot

"Wir können nicht überall gleichzeitig sein. Wer alles schützen will, schützt nichts." Derzeit werde das Recht nicht im gewünschten Umfang auf der Straße durchgesetzt, räumte er ein. Die Polizei könne nicht an 200 Stellen im Land gleichzeitig sein, sondern müsse polizeiliche Schwerpunkte setzen. "Und das tun wir auch."

Ravensburg sei ein deutlicher Hotspot, sagte Stürmer. "Wir zählen relativ viele Teilnehmer und registrieren speziell in Ravensburg einfach ein völliges Ignorieren der Regeln. Und das mehrfach." Es seien zwar Antikonfliktteams unterwegs, um den Dialog mit den Demonstranten zu suchen. Das habe bislang auch noch einigermaßen geklappt. "Die sind aber an den beiden letzten Montagen zurückgekommen: "Wir erreichen die Leute nicht mehr"", erzählt Stürmer.
Härtere Mittel gegen die Demonstranten sollten dennoch nicht eingesetzt werden: "Ich warne davor, jetzt aus bloßer Unzufriedenheit und aus bloßem Unmut den Teilnehmerkreis, der bis jetzt einfach nur seine Meinung äußern will, das leider nicht anmeldet, mit dem Schlagstock von der Straße zu treiben", sagte er der Zeitung. "Das bringt uns, glaube ich, noch eine weitere Emotionalisierung." Es sei aber wichtig, nach Wegen zu suchen, wieder besser Herr der Lage zu werden.

In den vergangenen Wochen hatte die Zahl der Proteste gegen die Corona-Politik in zahlreichen Städten des Landes angezogen. Nach einer Protestaktion am Montagabend in Ravensburg mit 1200 Teilnehmern hatte eine Polizeisprecherin gesagt, ein solches Aggressionspotenzial habe es bislang nicht gegeben. Auch in anderen Städten war es zu Zwischenfällen und Angriffen auf Beamte gekommen.