Interview mit Freiburger Ökonomen

Reagiert die Politik angemessen auf die Corona-Krise in der Wirtschaft?

Bernd Kramer, Jörg Buteweg

Von Bernd Kramer & Jörg Buteweg

Mo, 03. August 2020 um 17:18 Uhr

Wirtschaft

BZ-Plus Die Corona-Pandemie lässt die Weltwirtschaft in nie gekannten Maß einbrechen. Was tun? Die Freiburger Ökonomen Lars Feld und Oliver Landmann antworten.

Oliver Landmann ist entspannt: Auch mit einer Staatsschuldenquote von 80 Prozent gemessen am Bruttoinlandprodukt könnten die Deutschen ruhig schlafen. Lars Feld sieht das anders. Geringe Schuldenquoten eröffneten finanzpolitische Spielräume, was gerade in Krisen wichtig sei. Um den Staatshaushalt nach Corona wieder in den Griff zu bekommen, fordert er eine Begrenzung der Ausgaben.

BZ: Sind alle zu Keynesianern geworden? Der Ökonom hat gefordert, dass der Staat die Wirtschaft stützen soll, wenn das Vertrauen in eine positive ökonomische Entwicklung verlorengeht. Regierungen pumpen Milliarden in ihre Volkswirtschaften.
Landmann: Wir sollten hier nicht das Klischee bedienen, dass ein Keynesianer stets mit Milliarden um sich schmeißt und für ungebremste Staatsverschuldung eintritt. In der Wissenschaft sind wir heute in einem Punkt alle Keynesianer: Es gibt Situationen, in denen wir nicht alles den Marktkräften allein überlassen können. Die Corona-Krise ist solch ein Fall.
Feld: Ich nenne das vernünftige Wirtschaftspolitik, die durchaus keynesianische Elemente beinhaltet. Dass der Staat bei solch einem konjunkturellen Einbruch versucht aufzufangen, was aufzufangen ist, und nicht alles dem Markt überlässt, ist unter Ökonomen weltweit unumstritten. Wie in der Finanzkrise 2008/2009 ist auch heute der Staat wieder gefordert.
"Die Finanzkrise war ein Finanzschock, Corona ist ein Produktivitätsschock." Lars Feld BZ: Was unterscheidet die Corona-Krise 2020 von der Finanzkrise 2008/2009?
Feld: Damals waren viele Banken in Schieflage, was die Finanzierung der Wirtschaft erheblich beeinträchtigte. Aufgabe des Staates war es damals, mit Geld- und Fiskalpolitik sowie einer massiven Stützung des Bankensystems diese Störungen zu beseitigen. Heute haben wir es mit einem exogenen Schock zu tun, der nicht aus dem Wirtschaftssystem heraus kommt, sondern von außen. Das globale Wirtschaftssystem hat die Corona-Pandemie nicht verursacht, wie mitunter behauptet wird. Der Corona-Schock trifft die Realwirtschaft vor allem dort, wo es zu geringe Reserven gibt, um mit den Problemen umzugehen – zum Beispiel im Einzelhandel. Die Finanzkrise war ein Finanzschock, Corona ist ein Produktivitätsschock. Wer nicht produktiv genug war, um in der Vergangenheit ein finanzielles Polster zu schaffen, ist in der Existenz gefährdet.
Landmann: 2008/2009 ging es vor allem darum, durch eine expansive Konjunkturpolitik die ...

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