Brauchtum

Der Umgang in Rheinfelden-Eichsel ist auch ein Volksfest

Petra Wunderle

Von Petra Wunderle

Mo, 22. Juli 2019 um 08:00 Uhr

Rheinfelden

Hunderte begeisterte Festbesucher zählte am Sonntag der Eichsler Umgang. Punkt sieben Uhr kündigten Bollerschüsse das Traditionsfest in Eichsel an, das im Landkreis Lörrach einzigartig ist.

Hunderte begeisterte Festbesucher zählte am Sonntag der Eichsler Umgang. Punkt sieben Uhr kündigten Bollerschüsse, die weit ins Tal zu hören waren, das Eichsler Traditionsfest an. Nach dem Gottesdienst durfte auf dem Hallenplatz gefeiert werden. Der Eichsler Umgang ist eine Mischung aus kirchlichem und weltlichem Fest.

Der Gottesdienst
Die Kirchengemeinde St. Gallus lud zum Festgottesdienst zu Ehren der Heiligen drei Jungfrauen Kunigundis, Mechtundis und Wibranda in die Pfarrkirche ein. Vikar Cerff zelebrierte die Festmesse feierlich, zauberhaft begleitet vom örtlichen Kirchenchor zusammen mit Sängerinnen und Sängern aus der Nachbargemeinde Karsau. Der Gesang und die Musik – an der Orgel begleitete Tobias Voegele – waren sehr einfühlsam, es war ein besonderes Hörerlebnis. Dirigentin Jlúcia Julbe sang das "Laudate Dominium" aus den "Vesperae solennes de Confessore" von Wolfgang Amadeus Mozart und "Herr, dein Wort ist Licht und Wahrheit" aus "Praise the Lord, o my soul" von Samuel Wesley. Es war eine Ode an die Freude, die Gesang und Musik den Besuchern gaben. Ein paar Meter weiter, nämlich in der Pfarrscheune, feierten die ganz jungen Festbesucher einen separaten Kindergottesdienst und alle gemeinsam begaben sich anschließend auf den Prozessionsweg durch Ober-Eichsel. Die Straße um die St. Gallus-Kirche herum war farbenfroh mit Blumen- und Sägemehlteppichen geschmückt. Es war ein schönes Bild, welches Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den frühen Morgenstunden unter der Leitung von Susanne Grauf kunstvoll auf die Straße gezaubert hatten. Der Prozessionsweg führte zu zwei Stationen, begleitet vom Musikverein Adelhausen. Andächtig pilgerten die Gläubigen, Mädchen – und auch Buben – streuten aus Körbchen die tags zuvor im Garten gesammelten Blumenblüten.

Ein Fest mit buntem Programm
Zwischenzeitlich war alles gerichtet auf dem Hallenplatz. Die IG Eichsler Umgang hatte alles vorbereitet. In der Küche lief es heiß, denn ganz viele Besucher nutzen die Gelegenheit, beim Eichsler Umgang zu Mittag zu essen. Für viele Menschen vom Dinkelberg und Umgebung ist es obligatorisch, beim Eichsler Umgang kirchlich und weltlich zu feiern. Das hat eine lange Tradition in Eichsel. Es wurde unterm großen Festzelt bewirtet, schnell stellte sich Feststimmung ein, gerne hielten die Menschen ein Schwätzchen, zur Unterhaltung spielten die Adelhausener Musikerinnen und Musiker und keiner wollte so schnell wieder nach Hause gehen. Und wer noch Lust auf einen Nachtisch hatte, der war im Garten der Pfarrscheune genau richtig, denn hier verwöhnte der Kirchenchor mit einem tollen Aufgebot an selbstgebackenen Kuchen und Torten. Auch Kinderunterhaltung, das Konzert am Mittag mit der Blaskapelle Eichsel, eine Führung durch die Kirche und die Schatzausstellung, das Nachmittagskonzert der Blaskapelle Eichsel sowie ein kleiner, ausgewählter Landmarkt und ein Stand der Tourismus Rheinfelden gehörten zu dem eintägigen Wallfahrtsfest, das nicht mehr wegzudenken ist aus dem Veranstaltungskalender.
Eichsler Umgang

Die Traditionsveranstaltung wird zu Ehren der drei heiligen Jungfrauen Mechtundis, Wibranda und Kunigundis abgehalten. Dann wird die St. Gallus-Kirche in Eichsel, in der die Reliquienschreine der heiligen Jungfrauen aufbewahrt werden, zum Mittelpunkt. Nach einem feierlichen Gottesdienst werden diese in einer Prozession durchs Dorf getragen. Im Anschluss beginnt ein Dorffest. Nach der Legende gehörten die drei Jungfrauen zur Gefolgschaft der Heiligen Ursula, die im 5. Jahrhundert von England aus nach Deutschland reisten, um die heiligen Missionare Fridolin von Säckingen und Gallus bei der Christianisierung zu unterstützen. Die Jungfrauen begleiteten die Heilige auf ihrer Fahrt nach Köln. Kunigundis, Mechtundis und Wibranda mussten die Reise aber wegen Erkrankung noch vor Basel unterbrechen und sind bei Rapperswyhr nahe Eichsel gestorben. An ihren Grabstätten bei der Eichsler Kirche sollen sich unzählige Wunder zugetragen haben und es entwickelte sich ein Heiligenkult, dessen Rechtmäßigkeit 1504 von der katholischen Kirche bestätigt wurde. Die Gebeine der heiligen drei Jungfrauen wurden im selben Jahr in Reliquiaren in der Eichsler Kirche St. Gallus neu bestattet. Mehr als 5000 Gläubige kamen damals nach Eichsel, um die offizielle Erhebung zu Heiligen mitzuerleben. In der Folgezeit entwickelte sich daraus eine regional bedeutende Wallfahrt. Die vielen jährlich zum Fest der Heiligen Jungfrauen zusammenströmenden Menschen prägten mit den Jahrhunderten einen Volksfestcharakter heraus – mit Markt, Buden, Musik und Tanz.