Launiger Start in den Sommer

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 24. Juni 2019

Rheinfelden

Open-Air-Konzert des Musikvereins Karsau lockt rund 250 Zuhörer auf den Spielplatz am Chrotteweiher – und die bleiben trocken.

KARSAU. "Starten Sie mit uns in den Sommer", gab Vorsitzende Edith Brodbeck das Motto aus für das Freilichtkonzert des Musikvereins Karsau. Zwar hingen graue Regenwolken über dem Spielplatz Chrotteweiher, aber es blieb trocken und so konnten die gut 250 wetterfesten Besucher einen unbeschwerten Gute-Laune-Abend in lockerer Atmosphäre genießen.

Zur Mittsommernacht hatte das von Markus Tannenholz dirigierte Blasorchester flotte und fetzige Stücke aufgelegt, die bestens geeignet waren für einen Open-Air-Auftritt mitten im Ort, umgeben von Wohnhäusern, Bäumen, Gärten.

Die Zuhörer saßen leger auf Bierbänken, viele standen an kleinen Stehtischchen, stärkten sich mit Bratwurst, Brezeln und Cocktails, Kinder spielten auf dem Gras. Es war ein familientaugliches Blasmusik-Vergnügen, an dem alle Generationen ihren Spaß hatten.

Durchs Programm geführt wurden die Besucher charmant und pfiffig von Patrizia Schmidt. Das Aktivorchester auf der überdachten Bühne legte mit "Strike Up The Band" aus dem gleichnamigen Broadwaymusical von George Gershwin munter, spritzig und rhythmisch akzentuiert los. Zum Klatschen, Schnipsen und Mitwippen animierten vier Sätze aus der Suite "Pop & Swing", in denen das Blasorchester mit Klängen voller Vitalität, Spielfreude und differenzierten Bläserfarben aufwartete.

In "Welcome to The Jungle" der Band Guns and Roses spiegelt sich das Leben in einem Großstadtdschungel wider. Entsprechend turbulent, dynamisch, temporeich, kontrastreich und heiß ging es in dem Stück her. Sehr farbig und voller Verve, abwechselnd mit ruhigeren Passagen, beschrieben die Bläser und Perkussionisten diese Schlaglichter aus der City.

Mit "Sway" des Sängers Michael Bublé hatten die Karsauer einen internationalen Hit im Repertoire, der in der Blasorchesterversion wunderbar ins Ohr ging. Eine Überraschung hatte Dirigent Markus Tannenholz ins Programm eingebaut. Seine Eltern waren zum Familienbesuch aus den USA, genauer aus Oregon, angereist und waren beim Konzert dabei. Da sein Vater kürzlich 80 geworden ist und Märsche mag, widmete Dirigent Tannenholz seinem "Dad" den Geburtstagsmarsch. Gut 500 Kilometer angereist war eine ebenfalls 80-jährige Dame aus Regensburg, deren Enkelin Alina im Jugendorchester Klarinette spielt.

Die Gäste aus Amerika, aber auch die hiesigen Blasmusikfreunde, hatten großes Hörvergnügen an dem rhythmisch zündenden Titel "America" aus dem Musical West Side Story von Leonard Bernstein, das die Bläser und Perkussionisten sprühend vor Energie, Elan, Verve und Schwung spielten. Auch die leidenschaftlichen Polka-Fans kamen auf ihre Kosten: Bei der Polka "Auf der Vogelwiese" durfte kräftig mitgesungen werden und beim "Böhmischen Traum", der laut Moderatorin Patrizia Schmidt "bei jedem Frühschoppen rauf und runter läuft", klatschten viele Zuhörer freudig mit. Da kam pure Polkaseligkeit auf.

Für drei Stücke nach der Pause wurde das Aktivorchester durch Talente aus dem Jugendorchester verstärkt. In "Dembeza" und dem rhythmisch vitalen "9 I Samba" zeigte sich, wie blendend sich das Zusammenspiel der erfahrenen Blasmusiker mit den Nachwuchsbläsern gestaltet. Einen lateinamerikanischen Einschlag und viel Schwung hatte das gemeinsame Spiel mit dem Jugendorchester in "Evil Ways" der Band Santana.

In dem dynamisch bewegten Stück "Gospel John" von Jeff Steinberg beschworen die Musiker gekonnt die Stimmung von afroamerikanischen Spirituals voller Emotion und Enthusiasmus. In "Un Poco Loco" kam im fröhlichen, farbenreichen, rhythmisch temperamentvollen Spiel ein Hauch von Karneval von Rio auf. Auch den Filmsong "Shine" und den ultimativen Sommerhit "Despacito", ein spanisches Lied und Stimmungsmacher mit absoluten Ohrwurmqualitäten, spielte das Blasorchester sehr geschmeidig im Klang. Mitreißend war die Schlussnummer, in der André Krebs auf seinem Lieblingsinstrument, der Kuhglocke, ein tolles perkussives Solo hinlegte.

Vorsitzende Edith Brodbeck dankte Dirigent Tannenholz, der dieses abwechslungsreiche Sommerprogramm mit den Musikerinnen und Musikern einstudiert hat, dem Team in Küche und an der Theke, und den verständnisvollen Anwohnern rund um den Chrotteweiher. Mit dem "Badnerlied" als Zugabe klang der stimmungsvolle Blasmusik-Abend auf dem Platz im Grünen aus.