Zuschuss

Rheinfelder Familienzentrum sorgt sich um Finanzierung

Leony Stabla

Von Leony Stabla

So, 09. Mai 2021 um 08:07 Uhr

Rheinfelden

Das Familienzentrum setzt auch in der Pandemie mit viel Kreativität Ideen um; allerdings ist der Verein besorgt, weil die Stadt die finanzielle Förderung kürzen will.

Auch wenn viele Angebote des Familienzentrums derzeit brach liegen, schmälert die Corona-Krise nicht den Ideenreichtum des Vereins. Bald aber vielleicht den Geldbeutel, so das Resümee der Hauptversammlung, die am Donnerstagabend teils als Präsenz-, teils als Online-Veranstaltung stattfand. Die Stadt Rheinfelden möchte den Fördervertrag um zehn Prozent kürzen, was große Auswirkungen auf die Arbeit des Vereins hätte.

Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen brächten sich derzeit kreativ ein, um möglich zu machen, was unter den derzeitigen Umständen möglich ist, sagte Geschäftsleiterin Birgitt Kiefer. Deshalb habe man auch vergangenes Jahr viele Ziele verwirklichen und neue, an die Krise angepasste Angebote schaffen können. So wurde beispielsweise die Rikscha Charly für das Projekt Radeln ohne Alter angeschafft und die Idee der Familienküche in Kooperation mit dem Café Metamorphose umgesetzt. Besonders erfreulich war die Eröffnung des neuen Standorts "Alte Apotheke" in Grenzach, der den Treff in Wyhlen nun deutlich entlastet.

Online macht viel Arbeit

Stark angestiegen sei allerdings "die Arbeit hinter der Arbeit", besonders für Vorstandsmitglied und Schatzmeister Stefan Heinzel, der sich zudem um die IT des Vereins kümmert. Durch die Verlagerung vieler Angebote, zum Beispiel dem Babycafé oder auch der Qualifizierung zur Kindertagepflegeperson in den Online-Bereich, sei das Arbeitspensum derart gestiegen, dass Heinzel seinen Posten als Schatzmeister nach der Entlastung an Wibke Rombach übergab.

Die finanzielle Situation des Familienzentrums sei geordnet, für das nächste Jahr müsse man aber mit Einbußen rechnen. Denn die Stadt Rheinfelden plant, den Fördervertrag für den Treff um zehn Prozent zu kürzen, was ein starker finanzieller Einschnitt für den Verein wäre. "Es ist immer schwer, den Wert sozialer Arbeit in Zahlen auszudrücken", so Kiefer. "Konkret müsste aber bei einer derartigen Kürzung ein komplettes Nachmittagsangebot wegfallen."

Arbeit ist Investition in die Zukunft

Gerade in der jetzigen unsicheren Situation sei die Arbeit des Vereins aber enorm wichtig. "Unsere Arbeit ist eine Investition in die Zukunft", betont sie und ergänzt, dass dies auch die aktuelle Sozialraumanalyse ergeben hätte. Kiefer erinnert sich an ein Treffen mit einer Besucherin und ihrem neun Monate alten Baby, das noch nie einem anderen gleichaltrigen Kind begegnet sei. Jetzt sei es wichtig, mehr statt weniger Orte der Begegnung zu schaffen. Besonders in Zeiten, in denen Familien jede Form der Unterstützung bräuchten und manche Gesellschaftsgruppen, wie zum Beispiel die Alleinerziehenden, stark litten, plane der Verein eher mehr als weniger.

Viele Pläne fürs laufende Jahr

So habe man sich für 2021 auch einiges vorgenommen, wie zum Beispiel den ersten Qualifikationskurs zur Kindertagespflegeperson mit 300 Unterrichtseinheiten statt bisher 160, den Start eines Alleinerziehendencafés, die Erweiterung des Projektes "Radeln ohne Alter" nach Grenzach-Wyhlen oder das Kreieren eines Kochbuchs. Allgemein möchte man sich noch mehr mit den Themen Kinder- und Familienarmut, Kinderrechte und Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzen und auch unter Pandemiebedingungen nach kreativen Lösungen und Möglichkeiten suchen. Und hoffen, dass die Stadt ihre Pläne der Kürzung nicht umsetzt.
Wahlen: Die Vorstandsmitglieder Wibke Rombach, Stefan Heinzel und Fritz Grässlin wurden wiedergewählt. Leonie Donner wurde 2020 für zwei Jahre gewählt.
Mitglieder: 192