Schlachtplatte kam spät, aber deftig

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Di, 21. September 2021

Lahr

Am Ende des Kabaretts verabschiedete das Publikum das Quartett mit frenetischem Applaus.

Zu einem Open-Air-Kabarett-Quartett "Schlachtplatte Wahlspezial" hat das Kulturamt am Freitagabend in den Stadtpark eingeladen. Auf der Bühne im Musikpavillon standen Robert Griess, Marius Jung, Sebastian Rüger und Henning Schmidtke. Sie ist coronabedingt etwas später im Jahr serviert worden als gewöhnlich, aber die eingefleischten Fans der "Schlachtplatte" kamen trotzdem zahlreich. "Letztes Mal haben wir zu spät reagiert und keine Karten mehr bekommen" erzählte eine Besucherin aus Hausach, die in Vorfreude auf deftigen Kabarettgenuss mit ihrem Mann über den Schönberg kam.

Dass Robert Griess nach gut der Hälfte der Veranstaltung dennoch den Satz "Ich sehe schon, der Groschen ist hier kein Sturzbomber" durchs Mikro schicken muss, mag man dem Publikum nachsehen. Die Hände sind es nach der langen Zeit der Kultur-Enthaltsamkeit einfach nicht mehr gewohnt, sich zu kräftigem Klatschen zusammenzufinden, und auch die Gehirnwindungen müssen sich erst an das schnelle Hin- und Herspringen der Gedanken von Kabarettist zu Kabarettist gewöhnen.

Zum Aufwärmen gab es ein paar Stücke mit Klavierbegleitung: Zuerst "Nur durch sieben Lockdowns musst du geh’n", gefolgt von einem Boogie-Woogie "für den Querdenker" und einer neuen Version des Hits "Dschingis Khan" – "Pan-Pan-Pan-Demie", dargebracht von den "Vier crazy Boys von der Schlachtplatte". Danach ging es im Galopp durch den Bundestag: Dobrindt, Scholz, Altmaier – keiner kam ungerupft davon, ein Blick in die Glaskugel sah die Wahlergebnisse vorher: Trump, Bohlen und Woelki geisterten da ebenso herum wie Calmund, Wagenknecht und Lauterbach. Und dann plötzlich erwachte die Kicherlust im Publikum: Köstlich der selbstironische Blick auf die Obrigkeitshörigkeit der Deutschen, auf unglaubliche Fakten aus dem Buch von Henning Schmidtke: "Es ist nicht alles so scheiße, wie du denkst." Auch Marius Jung hatte im Handumdrehen die Lacher bei sich mit seiner Auslegung des Begriffs vorauseilender Gehorsam. Griess stellte vor allem Fragen zur sozialen Gerechtigkeit, Fazit: "Das Leben ist kein Boni-Hof." Sebastian Rüger lieferte als Donald Trump mit Simultan-Dolmetscher die Kirsche auf der Schlachtplatte: Traf in Wortwahl und sprachlicher Ausgestaltung das Original zu hundert Prozent und löste Lachsalven aus. "A strawberry is not a berry" leitete über zur "Allegorie gegen Nüsse" und den Ausführungen zu "Fake Nuss". Mit vier Politiker-Zitaten und dem Versprechen, im Januar die nächste Schlachtplatte nach Lahr zu bringen, verabschiedete sich das Quartett doch noch unter frenetischem Applaus.