Künstler regen zum Nachdenken an

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 02. Juli 2019

Schopfheim

Die Ausstellung "DNArt" in der Kulturfabrik zeigt Facetten des aktuellen Schaffens von vier unterschiedlichen Künstlern.

SCHOPFHEIM. Rockstars in Pop-Art-Porträts, flirrende Linienbilder, Großstadtimpressionen und zeitkritische Installationen: Die Ausstellung "DNArt" in der Kulturfabrik zeigt Facetten des aktuellen Kunstschaffens. Oliver Fauser, der seit mehr als 20 Jahren in der Markgrafenstadt lebt, hat für die zweite Auflage dieses Formats drei Künstlerinnen zusammengebracht und zeigt auch eigene Arbeiten.

Die vier Ausstellenden kommen aus allen Richtungen, nicht nur geografisch, sondern auch bezogen auf Stile, Techniken und Motive. Blickfänge in der Schau sind Fausers farbkräftig leuchtende Porträts im Pop-Art-Stil. Der Gründer, Kurator und Organisator der "DNArt" porträtiert Musiker-Ikonen und Rocklegenden wie John Lennon, Gitarrenhexer Jimi Hendrix, Nirvana-Sänger Kurt Cobain und Reggae-Idol Bob Marley. Auch Prominente aus Politik und Film finden sich in seiner beeindruckenden Gesichter-Galerie: Von Ex-US-Präsident Barack Obama bis zu Schauspieler Jack Nicholson mit diabolischem Lächeln. Eine ganze Wand zieren Bildnisse von Hollywoodstars und Filmdiven wie Audrey Hepburn, Marilyn Monroe und Brigitte Bardot.

Einige der ausdrucksstarken Rockstar-Konterfeis und die Skulpturen wie der weibliche Torso und die anmutige Frauenbüste "Grace" sind in einer besonderen Technik mit Styrodur, Spachtelmasse und Öl- und Acrylfarben gestaltetet, mit reliefhaften Strukturen und krustigen Oberflächen. In den neuesten Musiker- und Frauenbildern hat Fauser mit digitalen Drucken und Art-Prints auf Leinwand experimentiert, die er mit Strukturen aus Paste verfremdet hat. Dieser Kunstgriff verleiht den Gesichtern eine raffinierte Optik. Fauser hat auch ein "Touch Book" aufgelegt, in dem man die Strukturen ertasten kann. Mit Fotoarbeiten und Objekten, die zum Nachdenken anregen, bespielt Tanja Bürgelin-Arslan aus Eimeldingen die städtische Galerie. Sie verwendet verschiedenartige Materialien. Aus Stahl ist das Modell des Entenportal-Kreisels, den sie für ihren Wohnort gestaltet hat. Symbolkraft haben die Hände von Kindern und Erwachsenen, die als Schale in Edelstahl und als spiegelpoliertes Wandobjekt Gemeinschaft und Geborgenheit versinnbildlichen – was im Titel "In guten Händen" anklingt. Zeit- und Gesellschaftskritisches verarbeitet die Künstlerin in einer Installation, in der sie den gläsernen Menschen in einem durchsichtigen "Buch des Lebens" durchleuchtet. In der engelhaften Figur "Mammon", die aus lauter Centstücken besteht, symbolisiert sie die Macht des Geldes, das wie ein Gott angebetet wird. Aus 3200 Nägeln und schimmerndem hauchfeinem Messingdraht gestaltet ist das filigrane Objekt "Aura", das bei Lichteinfall golden aufleuchtet. Sehenswert sind auch Bürgelin-Arslans fotografische Seerosenimpressionen in Schwarzweiß und farbig bearbeitete Variationen eines Rückenakts. Die weiteste Anreise hatte Annette Mewes-Thoms aus Hamburg, die bei der Vernissage einführende Worte sprach.

Kunstwerke zeugen von feiner Wahrnehmung

Die Malerin und Zeichnerin zeigt Linienbilder in Acryl auf Leinwand aus ihrer Serie "Lines", die von der Bewegung, Energie und Dynamik des Wassers inspiriert sind. Intuitiv lässt sie sich von der Linie leiten, die sich auf der Bildfläche ihren Lauf sucht. Mal wirken die Linien streng und konzentriert, mal erzeugen sie einen flimmernden Effekt oder sehen aus wie die Oberfläche des sich kräuselnden Wassers. Von großer Anziehungskraft sind die Bilder, in denen die farbigen, gewundenen Linien auf schwarzem Grund mit filigranen Rosetten verbunden werden. Es ist faszinierend, was Annette Mewes-Thoms an subtilem Spiel mit der Wahrnehmung aus dem Thema Linie herausholt. Die aus Japan stammende Miki Buckland, die 15 Jahre lang in Tokio gelebt hat und seit fünf Jahren in Basel wohnt, setzt als künstlerisches Medium vorzugsweise die klassische Schwarz-Weiß-Fotografie ein. Ihre Aufnahmen aus Tokio, Basel und anderen Orten zeigen eine differenzierte Sicht auf Menschen, Architektur und die Großstadtatmosphäre. Sie zeigt in ungewöhnlichen Perspektiven und Ausschnitten die Untergrundbahn, den hoch aufragenden Tokio Tower, Brücken, Fahrradständer, Passanten, die hektisch über die Straßen laufen, zwischen Häuserschluchten. Die Einsamkeit der Menschen in der Millionenmetropole fängt sie in Momentaufnahmen ein. Aus raffiniertem Blickwinkel aufgenommen sind das Innere und das Treppenhaus eines alten Leuchtturms auf Mauritius. Aber auch Bucklands Naturfotografien von Bäumen, Blätterdickicht und Wasser zeugen von feiner Wahrnehmung.

Die Ausstellung "DNArt" ist bis 21. Juli in der Kulturfabrik zu sehen, mittwochs, samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr.