Lernbrücken

Schopfheimer Schüler sollen mit gutem Gefühl ins neue Schuljahr starten

Susanne Filz und Sarah Trinler

Von Susanne Filz & Sarah Trinler

Sa, 11. September 2021 um 20:00 Uhr

Schopfheim

Die Lernbrücken an Schopfheimer Schulen sind gut verlaufen – auch wenn das Angebot in Summe nur von wenigen angenommen wurde. Die BZ hat indes auch bei Nachhilfeinstituten nachgefragt.

Am Montag ist Schulbeginn, die Lücken im Lernstoff sind bei einigen Schülerinnen und Schülern groß nach den Phasen des Fern- und Wechselunterrichts der Corona-Lockdowns. Daher setzte die Landesregierung auch in diesem Jahr wieder auf die sogenannten Lernbrücken in den letzten beiden Wochen vor Schulbeginn. Die BZ fragte an Schopfheimer Schulen nach, wie das Angebot angenommen wurde, und sprach auch mit örtlichen Nachhilfeinstituten über die Auswirkungen von Corona.

Theodor-Heuss-Gymnasium

Zunächst einmal wurde am Schopfheimer Gymnasium eruiert, ob es Lehrer gibt, die sich vorstellen können, zwei Wochen vor dem regulären Schulstart die Lernbrücken zu übernehmen, sagt Schulleiterin Claudia Tatsch. Schlussendlich hätten sich drei Kollegen gemeldet, eine neue Lehrerin, die nun zum Schuljahr 2021/22 ans THG kommt, ein Referendar und eine Abiturientin. Der Fokus sollte dieses Mal laut Kultusministerium auf den Kernfächern Mathematik und Deutsch sowie auf den Fremdsprachen liegen. Entsprechend hätten die Lehrer Vorschläge gemacht, welche Schüler in diesen Fächern Schwierigkeiten haben und Unterstützung gebrauchen könnten. Dann wurden die Eltern angeschrieben. 19 Schüler, größtenteils aus der Unterstufe, seien die vergangenen zwei Wochen am THG gewesen. Man habe allerdings "deutlich mehr" Eltern angeschrieben, sagt Tatsch. Einige Eltern wollten wohl in den Ferien flexibel bleiben, anderen sei vielleicht auch der Aufwand zu groß, würden die Schüler doch nur in einem Fach und somit nur eine bis anderthalb Stunden pro Tag unterrichtet werden.

Grundsätzlich bewertet Claudia Tatsch die Lernbrücken als ein gutes Angebot. "Die Kinder, die hier sind, sind motiviert und machen es gerne. Es herrscht eine gute Stimmung." Freilich könne man in zwei Wochen nicht alle Defizite aufarbeiten, allerdings sei es gut für die Kinder, um mit einer gewissen Sicherheit in das neue Schuljahr zu starten, so Tatsch. Für die Lehrer sei es durchaus eine Herausforderung, da sie die Kinder größtenteils nicht kennen und versuchen müssen, Aufgaben zu finden, von denen alle etwas haben. Vor diesem Hintergrund sei die Schulleiterin froh, dass sich überhaupt Kollegen für die Lernbrücken gefunden haben. "Um ehrlich zu sein: Das vergangene Schuljahr hat uns alle an unsere Grenzen gebracht. Mit war daher schon klar, dass die meisten Kollegen die Ferien lieber zur Erholung oder zur Unterrichtsvorbereitung nutzen wollen."

Dr.-Max-Metzger-Schule

An der größten Grundschule Schopfheims wurden in den vergangenen zwei Wochen ebenfalls Kinder vor dem regulären Schulstart unterrichtet. Das Kollegium habe im Vorfeld überlegt, bei welchen Schülern es Bedarf für Lernbrücken gebe, und dann mit den jeweiligen Eltern gesprochen. Schulleiter Christoph Faller spricht von einem "guten Dialog" mit den Eltern. Von den angemeldeten zwölf Kindern seien in den vergangenen zwei Wochen zehn an der Schule gewesen. Ein Lehrer habe sie unterrichtet, um die aufgrund der Schulschließungen entstandenen Nachholbedarfe auszugleichen und den Schülern einen guten Start ins neue Schuljahr zu ermöglichen. "Es klappte gut. Die Kinder waren im Großen und Ganzen sehr lernwillig", so Fallers Fazit.

Lernstudio Schopfheim

Zwischen 80 und 100 Schülerinnen und Schüler hat das Nachhilfestudio Schopfheim. Wie die Lernbrücken der öffentlichen Schulen begann auch im Nachhilfestudio am Montag vorherige Woche der Unterricht. Außer Religion, Sport und Bildende Kunst kann man dort alle Schulfächer buchen, berichtet Lernstudio-Chef Wolfgang Rohn. Dass Corona im Nachhilfestudio für erhöhte Nachfrage sorgt, kann Rohn nicht behaupten, denn: "Wir laufen immer auf hohem Niveau", sagt er.
Hintergrund: Bei den "Lernbrücken" sollen Schüler in der Pandemie entstandene Lernlücken füllen können. Der Aufwand für Schulen ist hoch – und nicht alle Schüler werden erreicht. Wer mitmacht, profitiert aber.

Dennoch gebe es deutliche Unterschiede zu der Zeit vor der Pandemie: "Die, die sich jetzt anmelden, haben Bedarf in gleich zwei oder mehr Fächern." Und eine auffällige und nie da gewesene Häufung der Nachfrage gebe es derzeit in den Fächern Chemie und Physik. Viele Schüler habe der Onlineunterricht während der Lockdowns nicht erreicht, berichtet Rohn. Zu bedenken sei auch, dass die Schüler im Schuljahr 2020/2021 praktisch ohne Klassenarbeiten versetzt wurden, so dass es am Bedarf gefehlt habe, nicht verstandenen Lehrstoff wieder aufzuholen.

Die Schüler des Nachhilfestudios kommen aus Schopfheim und der direkten Umgebung. Die meisten sind Gymnasiasten, gefolgt von Realschülern. Nur ein kleiner Teil komme von anderen Schultypen. Stark vertreten seien Jugendliche in der Pubertät.

Kumon-Lerncenter

Anders als das Nachhilfestudio Schopfheim besuchen das Kumon-Lerncenter von Esther Müller in Schopfheim viele Grundschüler. Ihre rund 100 Schülerinnen und Schüler aus allen Schularten kommen aus dem gesamten Wiesental. Manche sind erst im Vorschulalter und kommen zur Vorbereitung auf ihre Schulzeit. Etliche Kinder haben Legasthenie, Dyskalkulie oder ADHS. Das Kumon-Lerncenter sei weniger eine Nachhilfeschule als eine Zusatzförderung, erläutert Esther Müller. "Wir bieten eine Methode zur Konzentrationsverbesserung, die für alle Kinder geeignet ist."

Nach den coronabedingten Schulschließungen seien mehr Schüler als sonst ins Lerncenter gekommen, berichtet Müller. "Die Kinder haben Lernlücken. Da hat die schulische Übung gefehlt", sagt sie. Teils seien die Lücken sogar dramatisch: "Manche Zweitklässler, die zu mir kommen, sind auf dem Niveau von Erstklässlern."

Die Vermittlung von selbstständigem Lernen sei nach der Kumon-Methode zentral. "Kinder sollen das Selbstvertrauen und die Kompetenz entwickeln, sich Lernstoff selbst anzueignen", so Müller. Am Anfang der Nachhilfe steht ein Test. Da gerade in Mathematik alles aufeinander aufbaue und Verständnislücken zu weiteren Verständnisschwierigkeiten führen, gehe es zunächst darum, die Lücken zu schließen. Dabei würden die Anforderungen erstmal unterhalb des aktuellen Klassenniveaus bleiben. "So können die Kinder wieder Freude am Lernen entwickeln", sagt Esther Müller.