Corona-Schutz

Schulen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald müssen zwei Monate auf Luftfilter warten

Max Schuler

Von Max Schuler

Fr, 30. Oktober 2020 um 10:57 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

An den Schulen des Landkreises werden bisher keine Luftfilter eingesetzt. 20 wurden jetzt bestellt für Räume, die nur schwer zu lüften sind. Viel zu wenig aus Sicht der Kreis-FDP. Sie fordert Filter für alle.

Die FDP-Fraktion im Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald fordert angesichts der Ausbreitung des Coronavirus und des nahenden Winters Luftfilter für alle Klassenzimmer an den Kreis-Schulen. Dieser Vorstoß geht den anderen Fraktionen auch angesichts der hohen Kosten zu weit. Eine kurze BZ-Umfrage zeigt aber, dass eine Mehrheit der Räte Lüftungsanlagen für Räume befürwortet, in denen Stoßlüften nicht möglich ist.

2 Monate warten für 20 Luftfilter
"Alle Schulgebäude verfügen über intakte Fensteranlagen. Deshalb sind aktuell noch keine Luftreiniger im Einsatz", sagt der Pressesprecher des Landratsamts, Matthias Fetterer. Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist Schulträger für acht Gymnasien sowie fünf berufliche Schulen und fünf sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren. Die Hygienerichtlinien sehen den Einsatz von Luftreinigern in Ausnahmefällen vor, wenn beispielsweise nicht ausreichend gelüftet werden kann. "Für diese Räume ist der Einsatz von Luftreinigern geplant", sagt Fetterer. 20 Luftreiniger seien bestellt worden, wobei von einer Lieferzeit von bis zu zwei Monaten auszugehen sei. Beim Thema Lüften orientieren sich die Schulen an den Vorgaben des Landes: Alle 20 Minuten für drei bis fünf Minuten Stoßlüften.

FDP will Luftfilter für alle
Die FDP-Fraktion im Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald fordert Luftfilter für alle Klassenzimmer an den Kreis-Schulen. "Luftfilter sind eine sinnvolle Ergänzung zum Stoßlüften in den Klassenräumen", sagt Rudolf Gwinner (FDP). Gwinner blickt bei der Finanzierung auch Richtung Stuttgart: "Ich erwarte, dass das Land Baden-Württemberg die Schulträger nicht im Stich lässt. Wer es ernst damit meint, dass auch Unterricht in Pandemiezeiten stattfindet, darf aus Kostengründen nicht kneifen."

Freie Wähler: Filtern, wo es nötig ist
Luftfilter für alle Klassenräume will die Fraktion der Freien Wähler nicht anschaffen. "Überall da, wo regelmäßiges Lüften nicht sinnvoll ist oder nicht umgesetzt werden kann, sind sie aber zu befürworten", sagt Fraktionsvorsitzender Franz-Josef Winterhalter. Rund 4000 Euro müsste man pro Klassenzimmer für gute und wartungsarme Filteranlagen investieren, schätzt er.

Grüne und SPD für CO2-Ampel
Die Fraktionen der Grünen und der SPD halten den Einsatz von Luftfiltern auch nur für sinnvoll in Räumen, in denen eine ordentliche Querlüftung nicht möglich ist. "Lüften ist der effektivste Schutz", sagt Grünen-Fraktionsvorsitzender Leopold Winterhalder. Alle Räume sollten aus Sicht der Grünen und der SPD aber mit einer "CO2-Ampel" ausgestattet werden. "Diese sehr günstigen CO2-Messgeräte haben sich bewährt", teilt SPD-Fraktionschef Martin Löffler mit. Diese Geräte könnten die Raumluft überwachen und rechtzeitig signalisieren, wann die Fenster geöffnet werden müssen.

Alternativ sei für die SPD-Fraktion denkbar, den Unterricht aufzusplitten in 50 Prozent Präsenz- und 50 Prozent Digitalunterricht. Dadurch könnte die Sicherheit erhöht werden, solange keine Luftfilter vorhanden sind, so die SPD. "Die Kosten der Luftfilter können kaum in den kommunalen Haushalten der Schulträger abgebildet werden, wir fordern daher Landeszuschüsse", sagt Löffler.

CDU noch nicht entschieden
Zwar sehe die CDU-Fraktion in Luftfiltern eine Möglichkeit, um Schulschließungen zu vermeiden. Festlegen, ob diese auch angeschafft werden sollen, wollte sich die Fraktion allerdings nicht. "Wir verfolgen mit Sorge die Entwicklung der Corona-Zahlen und bitten den Landkreis, als Träger der Kreisgymnasien, Sonderschulen und beruflichen Schulen den Einsatz und die Beschaffung von Luftfiltern zu prüfen", sagte Natascha Thoma-Widmann.

Schulchef: Alle 20 Minuten lüften
"Die Forderung, an allen Schulen Lüftungsanlagen zu installieren, ist aus meiner Sicht nicht zu stemmen für die Schulträger", sagte der Schulleiter des Markgräfler Gymnasiums, Andreas Gorgas, in einem BZ-Interview nach den Sommerferien. Bei dieser Haltung bleibt er auch. Gorgas ist als geschäftsführender Schulleiter ein Bindeglied zwischen den Schulen und dem Landkreis. "Ich bin kein Experte für Luftreiniger", sagt Gorgas. Daher könne er auch nicht abschätzen, wie groß der Bedarf an den Schulen sei. An seinem Gymnasium, das mit 966 Schülern das größte im Landkreis ist, gebe es einen einzigen Raum, der nicht ausreichend gelüftet werden könne – und wo ein Luftfilter aus seiner Sicht Sinn machen könnte. Dies sage aber nichts über den Bedarf an anderen Schulen aus.

Gorgas weiß, dass die Debatte über die Luftfilter emotional geführt werde. Viele Eltern meldeten sich auch deswegen bei ihm. Doch trotz der nun kälteren Temperaturen findet er die aktuelle Handhabung am praktikabelsten: Alle 20 Minuten die Fenster öffnen.