Psychologie

Selbsthass: Wenn der eigene Körper der größte Feind ist

Marco Lauer

Von Marco Lauer

Fr, 10. Februar 2017 um 14:11 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Betroffene einer körperdysmorphen Störung empfinden Ekel vor dem eigenen Körper oder ihrem Gesicht. Die Geschichte zweier Frauen, die krank vor Selbsthass sind.

Die Schlacht eines Tages im Leben von Susanne K. beginnt oft mitten in der Nacht. Zwischen drei und vier Uhr. Dann steht sie auf. Ihr Freund schläft. Schleicht leise ins Badezimmer. Blickt kurz darauf ihren Feind das erste Mal an. Sich selbst. Im Spiegel. Entdeckt darin, was sie immer entdeckt. Ein von furchtbar unreiner Haut entstelltes Gesicht. Ekelhaft. Kaum auszuhalten. Sie holt sich andere Spiegel zu Hilfe. Beleuchtet damit jeden Quadratmillimeter ihres Gesichtes. Beginnt, gegen es anzukämpfen. Waschen, cremen, schminken. Das Ergebnis betrachten. Angewidert sein davon. Waschen, cremen, schminken. Waschen, cremen, schminken.
Es wird nicht besser. Von nun an kämpft sie mit Fingernägeln und Pinzette. Kratzt, kneift. Wieder cremen, schminken. Eine Stunde geht das. Zwei. Immer wieder legt sie ihr Gesicht in die rechte Hand, schüttelt darin den Kopf. Verzweifelt. Mit zitterndem Kinn. Macht weiter. Drei Stunden. Vier. Meist ist es schon heller Morgen, wenn sie damit aufhört. Erschöpft und ausgelaugt, bevor der Tag losgeht. Und immer nur leidlich zufrieden mit dem Ergebnis. Mit der Angst, dass sie sich niemand zumuten kann.
Seit Jahren geht das schon so.
Der Hass auf den eigenen Körper lässt Betroffenen keine Ruhe
"Das ist ein Leben in permanenter Spannung," sagt Susanne K. aus Bremen, norddeutscher Akzent, weiche Stimme, 32 Jahre alt, dunkelblonde Locken, blaue Augen, schwarzes Strickkleid. Nur leicht geschminkt. Als Teil der Therapie. Sie sitzt in einem Besprechungszimmer der Schön-Klinik für psychosomatische Erkrankungen in Bad Bramstedt, einer Kleinstadt knapp fünfzig Kilometer nördlich von Hamburg.
Die Klinik ist ein am Waldrand entlang gestreckter Backsteinkomplex, einen Kilometer außerhalb der Stadt gelegen. Für das Fachgebiet ist die Schön-Klinik zugleich eine der wenigen stationäre Anlaufstelle in ganz Europa. Für Menschen wie Susanne K. Die unter einer Krankheit leiden mit dem Namen "Körperdysmorphe Störung." Menschen, die an sich einen Makel ...

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