Nahverkehr

Senioren im Kreis Lörrach sollen zum Umstieg auf Bus und Bahn motiviert werden

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Mi, 24. November 2021 um 08:00 Uhr

Kreis Lörrach

Kreis und RVL beteiligen sich an der Landesaktion für Senioren: Wer seinen Führerschein abgibt, bekommt eine Jahreskarte für den ÖPNV. Zudem werden Verbesserungen im Busverkehr umgesetzt.

Der Landkreis beteiligt sich gemeinsam mit dem Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL) an der Landesaktion, die Senioren dazu bewegen will, ihren Führerschein gegen ein kostenloses Jahresticket für Busse und Bahnen einzutauschen. Zudem sollen 2022 mehrere Projekte aus dem Nahverkehrsplan zur Verbesserung des Busverkehrs geprüft oder umgesetzt werden.

Das Land Baden-Württemberg bekennt sich seit längerem zur Vision Zero, einem Straßenverkehr ohne Getötete und Schwerverletzte. Bis 2030 soll die Zahl der Verkehrstoten gegenüber 2010 um 30 Prozent verringert werden. Mehr als ein Drittel der Menschen, die im Verkehr tödlich verunglücken, sind 65 Jahre und älter. Sind Senioren an Unfällen beteiligt, sind sie in etwa 60 Prozent der Fälle die Verursacher. Dort setzt das Landesprojekt an, das Rentner und Pensionäre zum Umsteigen auf den ÖPNV bewegen möchte: Wer seinen Führerschein bei der Führerscheinstelle des Landratsamtes abgibt, kann mit einem entsprechenden Nachweis beim RVL kostenlos ein Jahresticket für Busse und Bahnen im Kreis beziehen.

Land übernimmt Hälfte des Verkaufspreises

Träger des Projektes, das vom 1. Dezember 2021 bis 31. August 2022 läuft, sind die jeweiligen Verkehrsverbünde, im Kreis Lörrach der RVL. Das Land beteiligt sich an den Ticketkosten landesweit mit insgesamt bis zu drei Millionen Euro. Es übernimmt die Hälfte des Verkaufspreises der Jahreskarte oder des Jahresabos. Die andere Hälfte von bis zu 200 Senioren-Jahreskarten im Kreis Lörrach teilen sich der RVL und Landkreis. In dessen Haushalt 2022 werden daher bis zu 35.000 Euro zu Verfügung gestellt. "Bei der Vergabe gilt das Windhundprinzip", sagte der Erste Landesbeamte und Verkehrsdezernent Ulrich Hoehler im Umweltausschuss des Kreistags. Will heißen: Die ersten 200 Seniorinnen und Senioren, die ihren Führerschein abgeben, kommen zum Zug.

Mit der Teil-Fortschreibung des Nahverkehrsplans 2020 hat der Kreistag vorgegeben, wie die Busangebote im Kreis nach und nach verbessert werden sollen. 2022 soll der Wanderbus Kleines Wiesental, dessen Fahrgastzahlen seit Jahren sinken, von Schopfheim über Tegernau und Haldenhof bis Schönau und zurück verlängert werden, um ihn attraktiver zu machen.

Schülerbeförderung ist ein bedeutender Faktor im ÖPNV

Weiter soll die Verwaltung sicherstellen, dass die Buslinie 7321.2 von Todtnau nach Todtmoos weiterbetrieben wird. Bisher war dort der Kreis Waldshut federführend, obwohl der größte Teil der Strecke durch den Kreis Lörrach führt.

Noch nicht umgesetzt ist der Prüfauftrag für eine Verbindung zwischen Inzlingen, Rührberg und Grenzach-Wyhlen. Um eine Umsetzung im Laufe des kommenden Jahres nicht auszuschließen, wird der seit Jahren bestehende Ansatz von 36.000 Euro im Budget 2022 beibehalten. Insgesamt umfasst das Budget für Maßnahmen aus dem Nahverkehrsplan im Kreishaushalt 2022 gut zwei Millionen Euro, einschließlich Einnahmen von knapp 200.000 Euro. Weitere 100.000 Euro sind vorgesehen für Prüfaufträge, die womöglich schon zur Jahresmitte beziehungsweise zum Schuljahresbeginn im September in konkret umzusetzende Maßnahmen münden könnten. Dabei geht es um ein Anrufsammeltaxi im Kleinen Wiesental und Umgebung sowie um das Integrieren der Schulbusse im Wiesental in den Linienverkehr.

Fast sechs Millionen Euro für Schülerbeförderung

Die Kosten für die Schülerbeförderung, ein bedeutender Faktor im ÖPNV, steigen kontinuierlich. Die Kreisverwaltung rechnet 2022 im freigestellten Schülerverkehr mit Mehrkosten von fast 300.000 Euro gegenüber 2021. Daher sind im Haushaltsplan 5,76 Millionen Euro vorgesehen. Freigestellter Schülerverkehr sind Schulbusse, die von den Schulträgern finanziert werden, und für die Schüler und Eltern keine Fahrkarten kaufen müssen.