Konzert in Riegel

Singer-Songwriter Julian Dawson begeisterte in der Kumedi

Christiane Franz

Von Christiane Franz

Do, 05. Dezember 2019 um 00:00 Uhr

Riegel

Eigene Songs, eigene Geschichten, britischer Post-Brexit-Humor:"Ich suche jemanden in Deutschland, der mich adoptiert. Ich bin pflegeleicht: ein Mann, 15 Gitarren, zwei Enkelkinder, 3200 LPs."

Der Engländer Julian Dawson ist in der Region kein Unbekannter, auch wenn er zum ersten Mal in der Kumedi gastierte. Er trat in früheren Jahren mit seiner Band im Freiburger Jazzhaus oder beim Zeltmusikfestival auf. Und so verwunderte es nicht, dass auf die Frage des Musikers, wer ihn kenne, ein paar Hände in die Höhe gingen. Ebenso gestaltete sich dann auch das Konzert: als Interaktion mit den Zuhörern.

"Keine Ahnung, welcher Songs als nächster kommt. Noch weniger als Sie", meint Julian Dawson schmunzelnd, der 23 CDs mit rund 250 zumeist eigenen Songs aufgenommen hat. Der Musiker lässt sich treiben, wählt die Songs nach Assoziationen zum vorherigen oder schlägt einen ganz anderen Kurs ein. "Jede Show ein Unikat" heißt sein Programm aus eben diesem Grund. Der Engländer spricht sehr gut deutsch. Seine englisch verfassten Songs sind dank einer klaren, prononcierten Aussprache inhaltlich leicht zu verfolgen.

Es geht in den Texten um das Leben, manchmal auch sein Leben. Die Inhalte sind ihm sehr wichtig, betont er immer wieder. Zum Thema Älterwerden etwa zieht er in "Rusty old car" ein altes Auto und seine Verfallserscheinungen als anschauliche Metapher heran. Oder er beschreibt die Gefühle, die er als Vater hegte, als die 16-jährige Tochter die Familie für zwei Schuljahre in Dänemark verließ. Sie führten zum Abschiedslied "I’m gonna miss you when you go". Charmant plaudert Dawson zwischen den Songs und sorgt mit feinem britischen Humor für manchen Lacher.

Da bleibt natürlich auch der Brexit nicht unerwähnt. "Ich suche jemanden in Deutschland, der mich adoptiert. Ich bin pflegeleicht: ein Mann, 15 Gitarren, zwei Enkelkinder, 3200 LPs", macht Dawson in typisch trockener Manier für sich Werbung. Um sogleich in den Song "We‘ ve been through fire" zu starten. Ein Lied, das er, wie er sagt, während der Thatcher-Ära geschrieben hat, das aber in die heutige Situation genauso passt.

Zur musikalischen Begleitung braucht der Profimusiker nicht viel: eine akustische Gitarre, eine Mundharmonika oder öfter auch gar nichts. Seine Stimme allein trägt. Meist sind seine Songs stimmungsvolle Balladen. Die weich untermalende Musik dient dabei als Matrix für die Botschaft des Songwriters. Bei manchen Programmpunkten sind die Besucher aufgefordert mitzusingen und kommen dem Wunsch mit Begeisterung nach.

Er sei Rocksänger, versichert er jedoch auch und setzt entsprechend temporeich etwa bei "How can i sleep without you?" ein. Es ist einer seiner Songs, der in den Charts gelistet war. Man erfährt während des Konzerts viel über sein musikalisches Leben. Sowohl in der Pause als auch nach dem Konzert ist Dawson gerne zu Gesprächen im Foyer bereit.

Mit seinem Freund Wolfgang Niedecken von BAP hat er zwei akustische Alben produziert oder mit Größen wie Little Feat, Lucinda Williams oder Richard Thompson gearbeitet. Über den englischen Pianisten und Organisten Nicky Hopkins, der mit den Rolling Stones, The Kinks oder The Who arbeitete, verfasste Dawson eine Biografie.

Nicht allzu zahlreich war das Publikum am Freitagabend in der Riegeler Kumedi, doch davon ließ sich Julian Dawson nicht beeindrucken. Über zwei wie im Flug verstreichende Stunden hinweg musizierte und erzählte der vielseitige Künstler. Die Zuhörer dankten es mit jubelndem Applaus und wurden von Dawson mit zwei Zugaben belohnt.