Messtechnikspezialist

Skepsis statt Zuversicht: Gastro-Flaute bremst auch Testo aus

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Di, 31. März 2020 um 19:10 Uhr

Wirtschaft

Das Jahr hat für den südbadischen Messtechnikspezialisten gut begonnen – bis Corona kam. Jetzt arbeitet Testo-Chef Burkart Knospe mit unterschiedlichen Szenarien für die weitere Entwicklung.

Der südbadische Messtechnikspezialist Testo hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 7,6 Prozent gesteigert, blickt aber wegen der Corona-Krise skeptisch in die Zukunft. Testo-Chef Burkart Knospe hat mit seinen Mitarbeitern unterschiedliche Szenarien für die Entwicklung 2020 erarbeitet. Sie reichen von einem leichten Umsatzzuwachs im besten Fall bis zu einem Umsatzrückgang von 20 Prozent bei einer lang anhaltenden Pandemie.

Durchbruch für den Geschäftsbereich Lösungen

Zu Jahresbeginn war Burkart Knospe noch ziemlich zuversichtlich. Das erste Quartal hatte mit kräftigen Umsatzzuwächsen begonnen. Beim Geschäftsfeld Solutions (Lösungen) war der Durchbruch gelungen. Hier bietet Testo nicht nur Messtechnik an, sondern löst für Kunden wie Fast-Food-Ketten ein Problem. Testo-Sensoren liefern Messwerte, die für die Qualitätssicherung in der Lebensmittelproduktion notwendig sind. Aus Südbaden stammt die Software, mit der sich Fehler rasch erkennen und mit welcher sich die Dokumentationspflichten für die Behörden leicht erledigen lassen. Dazu kommt die Inbetriebnahme und Installation der Technik. Um 54 Prozent stieg der Umsatz in diesem Geschäftsbereich an, der mittlerweile rund sieben Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Unternehmen unter anderem aus Belgien, Japan und Ländergesellschaften der Fast-Food-Kette McDonald’s hatten die Pakete geordert.

"Das Unternehmen ist unterschiedlich stark von der Krise betroffen." Burkart Knospe
Dann kam Corona. Knospe ist überzeugt, dass der Gastrobereich angesichts geschlossener Restaurants seine Investitionen drastisch herunterfährt. Auch die Industrie wird angesichts vielerorts ruhender Betriebe weniger Geld für neue Geräte ausgeben, sagt der Testo-Chef. Andererseits geht er davon aus, dass die Nachfrage nach Testo-Messtechnik seitens der Handwerker stabil bleiben werde. Auch beim Geschäft mit der Pharmaindustrie werde sich nicht viel ändern. "Das Unternehmen ist unterschiedlich stark von der Krise betroffen", lautet Knospes Fazit.

Bau des Business-Hotels wird vorübergehend eingestellt

Derzeit wappnet sich Testo für die Auswirkungen der Krise. Um die eigene Liquidität zu schonen, wird der elf Millionen Euro teure Bau des Business-Hotels in Titisee vorübergehend eingestellt. Kreditlinien wurden erhöht. Über Kurzarbeit wird nachgedacht. Die Testo-Aktionäre müssen verzichten. Für 2019 gibt es keine Dividende. Knospe rechnet aber nicht damit, staatliche Hilfskredite in Anspruch nehmen zu müssen – selbst im schlimmsten angenommenen Fall.

Testo hat vier Covid-19-Fälle verzeichnet. Zwei der Mitarbeiter arbeiten mittlerweile schon wieder für das Unternehmen. Bei den anderen habe die Krankheit keinen schwierigen Verlauf, sagte Knospe. Wegen der Ansteckungsgefahr wurden mehrere Dutzend Mitarbeiter ins Homeoffice in Quarantäne geschickt. Es habe aber bislang keine weiteren Ansteckungen gegeben.

Testo-Tochter TIS entwickelt sich gut

Knapp die Hälfte des Umsatzzuwachses von 24 Millionen Euro geht auf die in Kirchzarten beheimateten Testo Industrial Services (TIS) zurück. Die Tochter ist Spezialistin für die Kalibrierung von Messgeräten. Der im Oktober begonnene TIS-Neubau werde trotz der Krise fortgesetzt, machte Knospe deutlich. Rund 20 Millionen Euro investiert das Unternehmen im Dreisamtal.

Mit dem Geschäftsverlauf im vergangenen Jahr ist Burkart Knospe weitgehend zufrieden. Die Erwartungen für 2019 lagen bei einem Umsatzzuwachs zwischen fünf und zehn Prozent. Schwierigkeiten bereiteten dem südbadischen Unternehmen die US-Strafzölle. Produkte, die von Testo in China produziert werden, unterlagen in vollem Umfang den von US-Präsident Trump eingeführten Handelshemmnissen. Dies beeinträchtigte das Geschäft in den USA erheblich, sagte Knospe. Am stärksten legte der Umsatz in Europa mit 11,3 Prozent zu, gefolgt von Asien mit neun Prozent. In Amerika gab es ein Minus von 9,2 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs 2019 weltweit von 3035 auf 3117, davon entfallen 1307 auf die Standorte Lenzkirch, Titisee-Neustadt und Kirchzarten.

Die staatlichen Hilfsprogramme hält Knospe für einen richtigen Schritt. Er zweifelt aber daran, dass die Unterstützung wegen des bürokratischen Aufwandes rasch zu den Unternehmen kommt.

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