Inklusive Gesellschaft

So geht es zwei Ex-Mitarbeitern vom Café Zwischen heute

Tamara Keller

Von Tamara Keller

Sa, 16. Februar 2019 um 15:09 Uhr

Bad Säckingen

Elf Jahre war das Café Zwischen Teil der Bad Säckinger Innenstadt, bevor es im November 2017 geschlossen wurde. 13 ehemalige Mitarbeiter haben jetzt einen neuen Job – wir haben zwei von Ihnen besucht.

Vom Schiebewagen ordnet Michaela Marten die dreckigen Gläser und zurückgebrachten Flaschen ein. Die Flaschen sortiert sie in die Getränkekisten, die Gläser kommen in eine spezielle Vorrichtung für die Spülmaschine. Wenn diese voll ist, hievt Michaela Marten diese auf das Laufband, welches das dreckige Geschirr zu einem großen silbernen Kasten führt: Eine Hightech-Spülmaschine. Am anderen Ende des Laufbandes wartet Adrian Zettl. Er ist dafür zuständig, das saubere Geschirr wieder richtig einzuordnen: Gläser zu Gläser und Tassen zu Tassen. Sieben Stunden am Tag stehen sie hier in der Küche, spülen das Geschirr vor, räumen es in Kisten ein oder um.

"Ich habe mich so dazu entschieden, weil es mir Spaß macht." Michaela Marten
Adrian Zettl arbeitet von Montag bis Freitag im Schmidt-Café. Michaela Marten ist nur zu 80 Prozent beim Brennet-Park: Vier Tage die Woche ist sie im Café und freitags immer in der Werkstatt der Caritas in Wallbach. Dort machen Menschen mit Behinderung vor allem Montage- und Verpackungsarbeiten für andere Firmen. "Ich habe mich so dazu entschieden, weil es mir Spaß macht", sagt sie. "Je nach Neigung und Fähigkeit schauen wir für jede Person, ob wir etwas Passendes finden. Es gibt da unterschiedliche Modelle von der Werkstatt aus", so Werkstättenleiter Bernhard Wuchner.
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Die Caritas begründete damals die Schließung des Café Zwischen damit, seine Mitarbeiter dem ersten Arbeitsmarkt näher bringen zu wollen – also dem, auf dem alle Arbeitnehmer arbeiten. Die Caritaswerkstätte bietet hierfür das Projekt Tandem IV. Ein Jobcoach betreut die Angestellten und steht ihnen rund um die Uhr zur Verfügung. Romina Reinger ist für Michaela Marten und Adrian Zettl im Café Schmidt zuständig.

13 Ehemalige haben jetzt Außenarbeitsplätze

Beide sind durch das Tandem IV-Projekt weiterhin bei der Caritas angestellt, unfall- und sozialversichert. "Diejenigen, die wollen, können sich durch das Projekt auf dem ersten Arbeitsmarkt ausprobieren", so Reinger. Ziel ist es schlussendlich, ein Sozialversicherungsverhältnis bei einem Arbeitgeber zu haben. "Bis dahin ist es aber ein langer Weg", weiß der Jobcoach aus Erfahrung. Insgesamt 13 Ex-Café-Zwischen-Mitarbeiter sind laut Werkstättenleiter Bernhard Wuchner auf Außenarbeitsplätzen untergekommen – zwei davon im Café Zwischen in Tiengen. Ein ehemaliger Mitarbeiter ist in Rente gegangen, ein weiterer umgezogen.

"Wir kooperieren für diese Plätze mit insgesamt 40 Firmen", so Wuchner. Dabei handelt es sich um die unterschiedlichsten Arbeiten von der Gastronomie über die Metzgerei bis hin zu Industriebetrieben. An die 53 Leute arbeiten so über den gesamten Landkreis Waldshut verteilt. Drei Jobcoaches sind für sie zuständig. "Wir haben ein Diensthandy und ein Dienstauto. Wenn etwas nicht stimmt, werden wir angerufen und machen uns auf den Weg", sagt Romina Reinger. Michaela Marten weiß, wann Sie die Hilfe von ihrem Jobcoach benötigt: "Erst gestern habe ich sie angerufen wegen der Urlaubsplanung."

Mitarbeiter sind zufrieden mit ihrem Mentor und den Jobcoaches

Sechs weitere Ehemalige des Café Zwischen arbeiten nun wieder in der Werkstatt. "Zum Teil haben sich die Personen bewusst dafür entschieden, zum Teil haben sie es auf dem Arbeitsmarkt probiert und sind zurückgekommen. Manche von ihnen wollen es demnächst noch auf dem Arbeitsmarkt ausprobieren", so Wuchner. Von den 21 ehemaligen Mitarbeitern, die im Café Zwischen in Teilzeit gearbeitet haben, sind laut Wuchner mehr als die Hälfte in einem Vollzeitjob untergekommen.

Zudem gibt es neben den Jobcoaches auch noch immer einen Mentor vor Ort. Beim Café des Schmidts-Markts im Brennet-Areal ist das der Küchenchef Sascha Jüngst. "Er gibt sich große Mühe und ist ein guter Chef", sagt Marten. Auch mit ihren Jobcoaches ist sie sehr zufrieden: "Die machen einen ganz tollen Job und kümmern sich prima um mich."

"Ich vermisse es, mich um den Waffel- und Crêpeteig zu kümmern und die Waffeln zu machen." Adrian Zettl
Sowohl Michaela Marten als auch Adrian Zettl vermissen das Café Zwischen natürlich auch: "Es war halt etwas Tolles", sagt Marten. "Ich vermisse es, mich um den Waffel- und Crêpeteig zu kümmern und die Waffeln zu machen", sagt Adrian Zettl. Trotzdem sind beide glücklich mit ihrem Arbeitsplatz. Adrian Zettl kommt in das Café am Schmidts-Markt, sogar, wenn er nicht arbeitet: Jeden Samstag frühstückt er dort mit seinen Eltern. "Ich möchte erstmal hier bleiben", sagt Michaela Marten. "Wenn es mir nicht mehr hier gefällt, rufe ich einfach meinen Jobcoach Romina Reinger an und sage ihr, sie soll mir einen neuen Job suchen."