Gesicht der Woche

Stadtrat Sergio Pax und der Skandal um einen Fahrschein

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Sa, 17. Oktober 2020 um 23:08 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Eine abgelaufene Monatskarte hat den Freiburger Stadtrat Sergio Pax seinen Posten im Aufsichtsrat der Stadtwerke gekostet.

Pax war Ende vergangener Woche in der Straßenbahn kontrolliert worden, seine Monatsmarke war seit einem Tag abgelaufen. Wütend über das Bußgeld, das ihm aufgebrummt worden war, schrieb er auf Facebook, Fahrkartenkontrolleure seien "miese Hurensöhne". Das war am Freitag. Auch wenn Pax den Post kurz nach Veröffentlichung löschte, war die Beleidigung nicht mehr aus der Welt zu schaffen.

Der Post war sofort als Screenshot geteilt worden und hatte in den Sozialen Netzwerken für heftige Diskussionen gesorgt. Übers Wochenende folgten dann auch Reaktionen von offizieller Seite. Der Freiburger Finanzbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Freiburger Verkehrs-AG (VAG) Stefan Breiter verurteilte den Post auf Facebook, die Fraktion der Freien Wähler forderten gar den Rücktritt Pax’ als Stadtrat.

Auch die Freiburger AfD sprang auf den Zug auf. "Unfassbar was die Linken sich alles leisten können", schrieben sie auf Facebook. Der Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn lud die Kontrolleure, die Pax kontrolliert hatten, am Montag ins Rathaus ein und versicherte ihnen "volle Rückendeckung". Außerdem kündigte er an, dass die VAG wegen der Beleidigung Strafanzeige gegen Pax stellen werde.

Im Haupt- und Finanzausschuss am Montag rief Horn die Räte zu einem respektvollen Umgang miteinander auf und Pax’ Fraktionskollege Simon Sumbert verlas eine Erklärung der Fraktion, in der diese sich für den Post ihres Fraktionsmitglieds entschuldigte. Zuvor schon hatte sich Pax persönlich für den Post entschuldigt und angekündigt, von seinem Aufsichtsratsposten bei den Stadtwerken zurückzutreten, zu denen die VAG gehört. Er hoffe, schrieb er, "das wird als Zeichen der Entschuldigung verstanden".

Nachdem die Aufregung sich etwas gelegt hatte, schob seine Fraktion eine Erklärung nach. Es werde der Person Pax nicht gerecht, "wenn man zur Bewertung seiner politischen Arbeit ausschließlich die Fehler der letzten Tage heranzieht". Die Kritik an dem Post könnten sie zwar nachvollziehen, fänden jedoch die "Art und Weise, wie unser Stadtrat Sergio Pax angegangen wurde" ebenfalls nicht mehr akzeptabel.