Zeitgeschichte

Starb Leo Wohleb im Frankfurter Rotlichtmilieu?

Bettina Wieselmann

Von Bettina Wieselmann

Mi, 20. August 2014 um 08:02 Uhr

Südwest

Wie starb der ehemalige badische Staatspräsident Leo Wohleb? Jahrzehntelang unter Verschluss gehaltene Dokumente, die die BZ in Stuttgart eingesehen hat, legen einen Herztod im Rotlichtmilieu nahe.

"Wollte Gott, das alles wäre erlogen und nicht wahr!" Selten dürfte sich ein baden-württembergischer Regierungschef so eins mit einem Chefredakteur gefühlt haben, wie Gebhard Müller mit Johannes Schmid von der Schwäbischen Zeitung, als er am 24. April 1955 dessen Brief liest. Was der "getreue" Absender, der die Staatsraison offenkundig über jegliches öffentliche Interesse stellt, auf ausdrückliche Bitte Müllers auf 19 Zeilen in Sütterlinschrift ausbreitet, droht genau der Skandal zu sein, dessen bloße Andeutung den Christdemokraten Müller schon "auf das tiefste erschüttert" hatte. Vier Tage zuvor hatte Schmid nämlich Müller zum 55. Geburtstag gratuliert und lapidar angefügt: "Unterdessen haben wir von Wohlebs Tod Näheres erfahren. Es wird Ihnen auch nicht unbekannt sein."

Kretschmann macht die Akte Wohleb zugänglich
Da ist es gerade fünf Wochen her, dass Gebhard Müller, seit anderthalb Jahren zweiter Ministerpräsident Baden-Württembergs, Leo Wohleb (66) mit einem Staatsbegräbnis in Freiburg die letzte Ehre erwiesen hatte. Der siegreiche Vorkämpfer für den Südweststaat, der Müller schon als Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern gewesen war, zollte dem einstigen Staatspräsidenten in Südbaden und gescheiterten Kämpfer für ein Land Baden in den Grenzen von 1933 Respekt und Anerkennung. Zehntausende Badener hatten Wohleb ebenfalls die letzte Ehre erwiesen.

"Der Umschlag ...

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