Straßen- statt Saalfasnet

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Fr, 14. Februar 2020

Freiburg

Bei den Narren ist ein klarer Trend zu sehen / Wunsch nach großer Halle mit späterer Sperrstunde.

FREIBURG. 8888 Minuten sind es ab Freitagmittag bis zu dem Zeitpunkt, da Freiburgs Narren das Rathaus stürmen: Die Fasnet kommt. Blickt man auf die Zahl der Veranstaltungen im närrischen Kalender, gibt es in den Narrennestern viel weniger als früher. Der Trend geht zur Party und weg vom Bühnenprogramm. Die Breisgauer Narrenzunft BNZ sieht darin kein großes Problem. Was fehle, sei ein großer Veranstaltungsraum mit späterer Sperrstunde.

Kaum noch ein Lumpenball bei den 34 Zünften, wenig Zunftabende wie jener der Herdermer Lalli am Samstag, und eine Fasnetseröffnung, zu der sich fünf Gruppen verbinden: Die Liste der Abende schnurrt zusammen. Früher seien auch viele kleine angekündigt worden, sagt der Dachverband BNZ. Die Zünfte machen noch Programm, aber kleiner und mehr für sich, so Sprecher Uwe Stasch. Bühnenshows gebe es tatsächlich weniger: "Das Interesse daran ist nicht mehr so groß." Dagegen gewinne die Straßen- und Beizenfasnet an Format – "und wird immer mehr angenommen". Große, zentrale Events organisiere die BNZ. Der Verband ist ganz zufrieden und setzt auf Neuerungen: Beim Rathaussturm verschwinden die Narren nicht mehr im Haus, sondern holen den OB heraus.

Gestorben seien mittelgroße Veranstaltungen in Bürgerhäusern: Sobald ein Abend beginne, wirtschaftlich zu werden, müsse er beendet werden aus Rücksicht auf Nachbarn, für die man Verständnis habe. "Freiburg fehlt eine Veranstaltungsstätte für 1000 Leute und mehr, die man auch mal länger nutzen kann – über Mitternacht wär’ schon gut", nennt er einen großen Wunsch der Narren. Das Konzerthaus ist zu groß und zu teuer. Er vermutet, sie seien damit nicht allein.

Das Thema werde ab und an erwähnt, "ist aber nicht das dringendste", sagt Hanna Böhme, Geschäftsführerin der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe. Die FWTM habe es im Hinterkopf. Aber Freiburg fehle einer Analyse zufolge vielmehr ein Multifunktionsraum für 500 bis 700 Menschen. Die Stadt müsse sehen, wie sie eine weitere Lokation füllen würde, auch wenn keine Kongresse und Fasnet stattfinden: "Es knüppelt sich nicht übers ganze Jahr", erklärt die FWTM-Chefin. In der Messe könne man alles veranstalten, müsse aber investieren, um sie gemütlich zu machen. Doch auch eine neue Halle wäre nicht sehr günstig zu mieten, bedauert Hanna Böhme: "Da gingen Wunsch und Wirklichkeit auseinander."