Abluft nervt Anwohner

Streit um Freiburger Restaurant: Den einen schmeckt’s, den anderen stinkt’s

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 05. November 2020 um 06:58 Uhr

Freiburg

Anwohner des anatolischen Grill-Restaurants Sevgin im Freiburger Stadtteil Stühlinger klagen über Belästigungen durch den Holzkohlegrill. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Der Holzkohlegrill sei das Markenzeichen des Restaurants im Sommer 2019 eröffneten Restaurants an der Lehener Straße – und bei den Gästen sehr beliebt, sagt der Geschäftsführer Ahmet Sevgin. Trotz technischer Nachbesserungen kamen seit Mai mehr als 90 Beschwerden bei der Stadtverwaltung an, die aber sieht keine Möglichkeit mehr, einzugreifen.

Zurzeit ist das Restaurant wegen Corona geschlossen. Doch ansonsten muss Bernd Pflüger, wenn er in seiner Wohnung lüften will, oft schnell das Fenster wieder schließen: Je nach Wind- und Wetterlage empfindet er den Grillgeruch von draußen als unerträglich. Der Balkon könne dann ebenfalls nicht genutzt werden. Er kennt als Vorstandsmitglied des Bürgervereins Stühlinger auch die Klagen der vielen anderen, denen es geht wie ihm: Lüften sei "ein Kunststück geworden", steht in einer der Mails, in denen sie die Lage beschreiben, nur mit viel Geschick und Aufwand gelinge es, den Geruch nach Fett und Grill wieder aus der Wohnung zu bekommen.

Auch Bürgerverein fordert Verbot des Holzkohlegrills

Seit der Wiedereröffnung des Restaurants im Frühling habe sich trotz der Nachbesserungen nichts wesentlich gebessert, im Gegenteil: Der Rauch und der Gestank würden sich nun sogar noch über ein weiteres Gebiet verteilen, kritisieren Anwohner aus der Klarastraße und der Lehener Straße. Dazu komme der Lärm unter anderem durch Geschirrgeklapper und Stimmen, weil sich ein Teil des Restaurantbetriebs im Innenhof unter einer Pergola, die nicht vor Lärm schütze, abspiele.

Gleichzeitig betonen Bernd Pflüger für die Anwohner und Daniela Ulrich als Vorsitzende des Bürgervereins: Sie seien nicht gegen das Restaurant, das ihnen gut gefalle, und erst recht nicht gegen die Sevgins, die in der Nähe auch noch eine beliebte türkische Bäckerei betreiben.

Das Problem seien ausschließlich der Holzkohlegrill und die Nutzung des Hinterhofs. Beides müsse verboten werden, fordert Daniela Ulrich. Sie kritisiert, dass der Stadtverwaltung keine andere Lösung einfalle, als den Bewohnern privatrechtliche Klagen zu empfehlen, die sich über Jahre hinziehen würden: "Das ist eine Bankrotterklärung für ein Gemeinwesen." Stattdessen hätte die Stadtverwaltung den Holzkohlegrill nie genehmigen dürfen.

Laut Stadtverwaltung sind alle Anforderungen erfüllt

Doch für Holzkohlegrills sei gar keine besondere Genehmigung nötig, entgegnet der städtische Pressesprecher Sebastian Wolfrum. Nachdem das Restaurant bis zum Frühling nachträglich einen Rauchgaswäscher, einen Ventilator zur Erhöhung der Abluftgeschwindigkeit und eine Abluftführung rund drei Meter über dem Dachfirst eingebaut habe, seien alle nötigen Voraussetzungen für den Betrieb von Holzkohlegrills erfüllt.

Nun seien keine weiteren Forderungen mehr möglich. Außerdem handle es sich nicht, wie die Bewohner argumentieren, um ein "reines", sondern um ein "allgemeines Wohngebiet", womit laut einer Bebauungsplanänderung Gebiete gekennzeichnet seien, auf denen Schank- und Speisewirtschaften zulässig seien.

Restaurants mit solchen Grills auch in Rieselfeld und Mooswald

Der Stadtverwaltung seien in Freiburg nur zwei weitere Holzkohlegrills bekannt: Beim Restaurant Damaskos im Stadtteil Rieselfeld hätten sich die Probleme lösen lassen, weil sie Folge eines Reinigungsfehlers gewesen seien. Davor habe es auch dort Beschwerden gegeben, ebenso gebe es auch an "Samis Restaurant" in Mooswald Kritik, allerdings deutlich weniger als beim Grill-Restaurant Sevgin. Die Situation belastet auch Ahmet Sevgin: "Wir haben das Gefühl, dass uns manche nicht hier haben wollen", sagt er.

Mit einzelnen Anwohnern habe es unschöne Szenen gegeben. Er und seine Familie hätten viel in die teuren technischen Verbesserungen wie die Filterwaschanlage und die Erhöhung der Lüftungsschächte investiert: "Wir wollen, dass sich niemand gestört fühlt." Deshalb sind die Sevgins nun am Überlegen, ob noch weitere Erhöhungen und Filter möglich sind. Doch niemand weiß, ob sich dadurch viel verbessern würde.