Archäologie

Suche nach antiken Spuren im Baugebiet Kapellenbach in Grenzach-Wyhlen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 14. Januar 2021 um 14:02 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Bevor im Mai die Erschließung des Baugebiets Kapellenbach in Grenzach-Wyhlen beginnen kann, wird das Gelände von Fachleuten auf antike Spuren untersucht. Außerdem werden Eidechsen vergrämt.

Nachdem der Gemeinderat den Satzungsbeschluss des Bebauungsplans "Kapellenbach-Ost" gefasst hat, werden nun die ersten baulichen und für die Öffentlichkeit wahrnehmbaren Maßnahmen umgesetzt – dazu zählen Rodungen, Baumfällungen und die Vergrämung von Eidechsen ab Februar. Früher, nämlich bereits am Montag, startet das Landesamt für Denkmalpflege mit der archäologischen Untersuchung des Gebiets.

Das Baugebiet Kapellenbach-Ost wird in insgesamt drei Bauabschnitten umgesetzt. Der erste beginnt im Osten, entlang der Straße Am Wasserkraftwerk. Neben der Erschließung des Gebietes sind vorab weitere Maßnahmen erforderlich, um die anstehenden Arbeiten zu gewährleisten. Insbesondere zu erwähnen sind die archäologischen Untersuchungen, so die Gemeinde am Mittwoch.

Einblick in den Bodenaufbau

Das Plangebiet liegt auf dem siedlungsgünstigen Hochgestade des Rheins gegenüber der römischen Kolonie Augusta Raurica. Östlich des Plangebiets befindet sich eine römische Villa, südlich des Plangebiets gehören das Steinfundament eines Gebäudes und Brandgräber sicherlich zu einem weiteren römischen Gutshof. Zwischen dem Augstberg im Norden und dem Rhein im Süden verlief eine römische Ost-West-Fernstraße, von der aus Stichstraßen zu den römischen Anwesen führen mussten. Das Vorkommen vorgeschichtlicher oder frühmittelalterlicher Siedlungsspuren kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

Um eine Planungssicherheit für das Neubaugebiet zu gewährleisten, wird der erste Bauabschnitt im Vorfeld der Erschließung durch Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart untersucht. Hierfür wird ein systematisches Sondierungsraster angelegt. Zum Einsatz kommt ein 24-Tonnen-Raupenbagger mit dessen 2,5 Meter breiter Schaufel die langen Sondierungsschnitte gezogen werden. Die angelegten Grabungsschnitte ermöglichen einen Einblick in den Bodenaufbau und die Verbreitung archäologischer Befunde, wie beispielsweise Steinfundamente, Gruben oder Gräben. Diese werden dokumentiert, über das Fundmaterial beziehungsweise Gefäßscherben datiert und auf ihren Erhaltungszustand überprüft. Anhand der Verteilung archäologischer Befunde lassen sich vorgeschichtliche und römische Siedlungsbereiche festlegen, die einer Ausgrabung bedürfen. In Teilbereichen des Untersuchungsgebietes muss damit gerechnet werden, dass eine mögliche archäologische Denkmalsubstanz durch neuzeitliche Kiesentnahmegruben bereits zerstört wurde.

Die Eidechsen werden umgesiedelt

Ab Montag, 18. Januar, wird ein Team des Landesamts die archäologische Voruntersuchung durchführen. Für den neun Hektar großen ersten Bauabschnitt sind etwa zehn Wochen eingeplant. Die Voruntersuchung beginnt zeitlich vor den Erschließungsmaßnahmen, um Bauverzögerungen zu vermeiden.

Parallel dazu werden ab Anfang Februar 2021 Baumfäll- und Rodungsmaßnahmen auf dem Baufeld vorgenommen. Diese Maßnahmen müssen bis zum 28. Februar abgeschlossen sein. In einem zweiten Schritt werden auf der Fläche Folien ausgelegt und Reptilienzäune aufgestellt, um die Eidechsen zu vergrämen – also zu vertreiben. "Die Eidechsen werden im Nachgang fachgerecht eingefangen und in die schon vorhandenen Ersatzhabitate umgesiedelt", heißt es weiter. Der Zeitpunkt für diese Aktion sei ebenfalls beschränkt, bis Ende April 2021 wird die Vergrämung der Eidechsen abgeschlossen sein. Die Erschließung für den ersten Bauabschnitt – Bau der Straßen, Kanäle, Wasserleitung und Lärmschutz – sollen im Mai beginnen, die geplante Bauzeit beträgt rund 20 Monate.

In einer vergangenen Gemeinderatssitzung hatte ein Einwohner angeregt, vor den beginnenden Rodungen den Bürgern die Möglichkeit zu geben, Pflanzen zu retten. Laut Bürgermeister Tobias Benz sei dies für den genannten Abschnitt eher nicht relevant. Er werde sich jedoch bei der entsprechenden Fachstelle erkundigen.