Millioneninvestition

Badeparadies vs. Europa-Park: Wer gräbt wem das Wasser ab?

Nadine Zeller

Von Nadine Zeller

Mi, 17. Dezember 2014 um 20:17 Uhr

Südwest

Eine der größten Einzelinvestitionen in Südbaden: 34 Millionen Euro fließen in den Ausbau des Badeparadieses in Titisee. Darauf reagiert der Konkurrent Europa-Park betont gelassen.

Thermen, Saunas und Wasserparks – der Trend der Spaßbäder in der Region setzt sich fort. Aus Sicht der Betreiber ist der Markt nicht übersättigt. So kündigt das Badeparadies in Titisee-Neustadt nun an, für den Ausbau des Freizeitbades weitere zehn Millionen Euro in die Hand zu nehmen. Rund 34 Millionen will Betreiber Josef Wund investieren. Der Europa-Park reagiert betont gelassen. Alles nur Show zwischen den Konkurrenten?

"Unsere Investition war keine direkte Reaktion auf die Wasserpark-Pläne des Europa-Parks, aber natürlich wollen wir das Badeparadies stärken", sagt Geschäftsleiter Jochen Brugger. Und räumt gleich ein, dass er selbst zwei Jahre im Europa-Park gearbeitet habe, bevor man im Guten auseinandergegangen sei. Die Investition von 34 Millionen sei aber in erster Linie eine Reaktion auf die Wünsche der Kunden, und der Wellnessbereich sei nun mal am Kommen. Das mit den Rutschen sei allerdings neu. "Ich glaube jetzt auch nicht, dass die vom Europa-Park rückwärts vom Stuhl gefallen sind, als sie gehört haben, dass wir Rutschen bauen", so Brugger.

Drei Neuerungen sollen finanziert werden

34 Millionen sind eine Ansage. Drei Neuerungen will das Badeparadies in Titisee-Neustadt damit finanzieren: Eine Riesenrutsche von 85 Meter Länge, ein weitläufiger Entspannungsbereich mit 300 Liegeplätzen und die Hauptattraktion: eine mehrstöckige Saunalandschaft mit eigenem Pool. Ursprünglich war geplant, 24 Millionen in die Erweiterung zu investieren. Nachdem allerdings bekannt wurde, dass der Europa-Park in Rust viel Geld in die Hand nimmt für einen Wasserpark, stockte die Wund-Gruppe in Titisee auf.

Vonseiten des Europa-Parks reagieren sie betont gelassen – das Badeparadies investiert zehn Millionen mehr? Keine Überraschung: "Der Schritt war lange geplant", sagt Michael Kreft von Byern, Beauftragter der Geschäftsführer des Europa-Parks. Man stünde in offenem Austausch mit der Wund-Gruppe. Erstaunlich entspannte Stimmung zwischen den Konkurrenten.

Europa-Park speckte ursprüngliche Pläne ab

Noch im Sommer hatte Parkchef Roland Mack auf einer Pressekonferenz verkündet, dass der Wasserpark die anspruchsvollste Investition des Europa-Parks werde. Im Oktober ruderte man vonseiten des Europa-Parks etwas zurück. Der Entwicklungsschritt sei zu groß, die Kosten zu hoch. Geplant sei nun eine kleinere Halle mit einer Fläche von 19.000 Quadratmetern. Diese Entscheidung habe jedoch nichts mit der Konkurrenz zu tun. "Wenn sich unsere Konzeption ändert, ist dies das Ergebnis unserer Planungen und nicht anderen Entwicklungen geschuldet", sagt Kreft von Byern. Komplett ignorieren werden sich die beiden Wettbewerber jedoch sicher nicht.

Es war lange bekannt, dass das Badeparadies plant, den Wellnessbereich zu vergrößern. Im Sommer verkündete der Europa-Park, dass man sich bewusst gegen einen Wellnessbereich entschieden habe. Zufall? "Wellness und Saunaangebot stehen bei uns nicht im Vordergrund", sagt von Byern. Man setze eher auf das Familienpublikum des Europa-Parks. Der Freizeitpark rechnet mit 400.000 bis 600.000 Besuchern pro Jahr, das Badeparadies mit 700.000 Besuchern. Zahlen, von denen Wettbewerber wie der Geschäftsführer des Laguna in Weil am Rhein nur träumt. Furcht vor dem Konkurrenten zeigt er trotzdem nicht: "Der Konkurrent vor Ort ist nicht das Badeparadies, sondern das heimische Sofa." Sicher würden einige Besucher auch ans Badeparadies verlorengehen, doch die kämen auch wieder. "Glücklich ist der, der so viel Geld hat und ausgeben kann. Bei uns kommt es einfach weniger auf die Hardware, sondern mehr auf die Software an." Die Auswahl des Personals sei das A und O. Matti kann sich künftig auch gut vorstellen, den Fokus stärker auf Familien mit Kleinkindern zu legen. "Viele Eltern haben keine Lust, mit ihrem dreijährigen Kindern in drei Meter Höhe eine Harakiri-Rutsche runterzusausen."

Klaus Batz, Geschäftsführer der European Water Association sieht das anders: "Wasserparks sind ein Trend aus den USA und Kanada. Jetzt schwappt er auch nach Europa." In der Schweiz und Österreich sei die Tendenz zum Kurzzeiturlaub schon stärker verinnerlicht. Deutschland ziehe jetzt nach. Batz glaubt nicht, dass sich der Wasserpark des Europa-Parks und das Badeparadies in die Quere kommen. Sie bedienen unterschiedliche Marktsegmente und das bereichere nur das Angebot im Schwarzwald.

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