Lars Feld

GESICHT DER WOCHE: Ein Ratgeber in der Krise

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

So, 22. März 2020

Südwest

Guter Rat ist in der Not besonders wertvoll. Um solchen wird Lars Feld (53) nun noch öfter gefragt werden als ohnehin – in Zeiten des Coronavirus, der wegbrechenden Umsätze in den meisten Branchen, der Kurzarbeit, der Turbulenzen am Finanzmarkt, der riesigen Rettungsschirme, die Staaten und Notenbanken aufspannen. Und so wird man Lars Feld in nächster Zeit wohl öfter im Fernsehen sehen in den einschlägigen Talk-Formaten, wegen Corona, und weil der Direktor des Freiburger Walter-Eucken-Instituts diese Woche zum Chef der Wirtschaftsweisen gewählt wurde. Dieses Gremium berät die Bundesregierung seit 1963 in wirtschaftspolitischen Fragen. Der Ökonomenzirkel hat in Deutschland mehr zu sagen als vergleichbare Gruppen anderswo. So dürfen Feld und seine vier Kolleginnen und Kollegen Bundesminister vorladen und die Arbeit der Regierung in Bausch und Bogen rügen, worauf diese in ihrem Jahreswirtschaftsbericht antworten muss. In den USA unter Präsident Donald Trump wäre das unvorstellbar, dort haben nur die Ja-Sager das Wort. Auch deshalb sagte der gebürtige Saarländer nach seiner Wahl: "Ich freue mich sehr, ich mache das gern." Feld ist ein offener Typ, der sich auf vielen Podien in der Region gezeigt hat, etwa zur Debatte über die Energiewende. Dabei scheut er die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Bürger nicht. Er lehrt und forscht seit 2010 als Volkswirtschaftsprofessor in Freiburg und gehört seit 2011 dem Klub der Wirtschaftsweisen an. Sein Aufstieg zu dessen Chef gefällt nicht allen in der Bundesregierung. Mit der Nach-Schröder-SPD liegt der Ordoliberale inhaltlich traditionell über Kreuz. Sozialdemokraten sehen in ihm einen neoliberalen Hardliner. Er hält nichts von der Forderung der SPD, der Bund solle hochverschuldeten Kommunen einen Teil ihrer Verbindlichkeiten erlassen. Der Freiburger Ökonom lehnt das schon allein deshalb ab, weil der Bund dafür nicht zuständig sei, sondern es die Länder wären. Auch die von den der SPD geforderte Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns von 9,35 auf 12 Euro lehnt Feld ab, da dies Arbeitsplätze vernichten würde, sagt er. So könnte es sein, dass Feld weniger als ein Jahr Zeit hat, um seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen ein derartiges Gehör zu verschaffen. Seine Amtszeit als Wirtschaftsweiser endet nächsten Februar. Die Wirtschaftsweisen machen zwar unter sich aus, wer ihr Chef ist. Doch wer zum Klub gehört, das entscheidet das Bundeskabinett. bür