Corona-Pandemie

Tafelladen in Rheinfelden steht gut da – nur an Duschgel mangelt's

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Fr, 24. April 2020 um 12:11 Uhr

Rheinfelden

Bei den Waren sieht es gut, beim Personal eher nicht: Nur noch wenig Ehrenamtliche sind in Rheinfelden im Einsatz. Zudem bereitet der Leitung ein möglicher Abzug der Ein-Euro-Jobber Sorgen.

Mit Ausnahme von Körperpflegeprodukten hat der Tafelladen keinen Mangel an Ware. Da weniger Kunden gleichzeitig in den Laden dürfen, wurden die Öffnungszeiten ausgeweitet. Nur noch wenige ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz, daher bereitet Ladenleitung und Vorstand ein möglicher Abzug der Ein-Euro-Jobber Sorgen.

Von der Deutschen Bahn hat die Tafel mehr als 90 Kisten mit Fertiggerichten bekommen, als die Speisewagen schließen musste, erzählt Vorstandsmitglied Helmut Moser. Auch Fitnessstudios mit Gastrobereich haben gespendet. Zu den Geschäften, die täglich angefahren werden, sind ein Markt in der Schildgasse und zwei Filialen einer lokalen Bäckerei aus Grenzach-Wyhlen hinzugekommen. Die Versorgung der Tafel ist mit über 25 Geschäften sichergestellt. "Das ist auch ein Grund, warum wir nicht schließen mussten", so Ladenleiter Harald Höhn. Nur Körperpflegeprodukte sind knapp.

Viele Spenden

Die Unterstützung für die Tafel hat in der Krise zugenommen. "Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist sehr groß", sagt Moser. Geld- und Sachspenden gehen nicht nur von Privatpersonen ein. "Eine Firma hat uns fünf Wochen lang jede Woche 1000 Euro gespendet." Die Preise für Kunden wurden pauschalisiert und etwa um die Hälfte reduziert. "Mit der breiten Hilfe bekommen wir das so hin. Irgendwann müssen wir das wieder ändern", meint Moser. Der Vorteil einer pauschalen Abrechnung sei, dass die Kunden den Laden schneller wieder verlassen.

Anstelle von bis zu 25 Kunden dürfen nur noch vier oder fünf den Laden gleichzeitig betreten. Markierungen am Boden machen die einzuhaltenden Abstände deutlich. Um den Kunden entgegenzukommen, hat die Tafel an den Öffnungstagen jeweils eine Dreiviertelstunde länger geöffnet.

Für über 80-Jährige, Schwangere und gesundheitlich Angeschlagene gibt es eigene Öffnungszeiten sowie für Leute, die Patenschaften übernommen haben und die Einkäufe für andere Ausweisinhaber übernehmen. Die Zahl der Patenschaften hat zugenommen. Seit der Änderung der Öffnungszeiten kommt es wieder zu Schlangen vor dem Laden, daher will Höhn ab Mai den Kunden wieder Uhrzeiten zuteilen. Rund 350 Ausweisinhaber kaufen wöchentlich ein. Zehn neue Ausweise sind in jüngster Zeit dazu gekommen, da aber vor allem ältere Ausweisinhaber über Paten versorgt werden, kommen sogar weniger Kunden in die Tafel als vor der Corona-Krise.

"Viele Ehrenamtliche haben wir nicht mehr." Helmut Moser

Zum Schutz der Mitarbeiter wurden alle Hygienemaßnahmen gemäß der Verordnungen ergriffen. Im Kassenbereich steht ein Glasschutz und beim Eingang Desinfektionsspray. Die Tafel hat Masken und Desinfektionsmittel besorgt und auch gespendet bekommen. Höhn befürchtet aber, dass die Tafel mit der kommenden Maskenpflicht noch mehr Masken brauchen wird, wenn diese auch an die Kunden ausgegeben werden müssen. Die Ehrenamtlichen über 60 Jahren sind nicht mehr im Einsatz. "Viele Ehrenamtliche haben wir nicht mehr." Ersatz hat die Tafel über jüngere Kräfte gefunden, die Umschulungen oder Praktika machen.

Anstelle von acht Helfern arbeiten im Rüstraum nur noch vier. Im Verkaufsraum werden nur noch zwei statt bis zu fünf Kräfte eingesetzt. "Vor ein paar Tagen haben wir ein Schreiben von der Bundestafel bekommen, dass das Jobcenter die AGH-Maßnahmen abzieht. Das ist ein Punkt, wo wir sehr erstaunt sind", sagt Moser. Offiziell arbeiten vier Ein-Euro-Jobber in der Tafel. Ein Abzug würde die Organisation des Betriebs erschweren.
Öffnungszeiten

Der Tafelladen hat montags, mittwochs und freitags von 12.45 bis 16.15 Uhr geöffnet.