Demo auf zwei Rädern

Tausende Biker protestieren am Bodensee gegen mögliche Lärm-Fahrverbote

dpa und Konstantin Görlich

Von dpa & Konstantin Görlich

Sa, 04. Juli 2020 um 13:36 Uhr

Südwest

Wegen der Lärmbelastung werden Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen diskutiert. Dagegen regt sich bundesweit Protest. 5000 Biker kamen an den Bodensee. In München rollte die Demo trotz Verbot.

Deutlich mehr Teilnehmer als erwartet sind am Samstag zu einer Demonstration von Motorradfahrern gegen mögliche Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen an den Bodensee gekommen. Die Veranstalter zählten nach eigenen Angaben schon vor dem Start der gemeinsamen Demo-Fahrt in Friedrichshafen rund 5000 Mitfahrer, erwartet hatten sie bis zu 1000. Die Biker wollten mit dem Korso gegen eine Initiative des Bundesrats zur Reduzierung von Motorradlärm Flagge zeigen.

Aufgrund ihrer hohen Zahl mussten die Biker auf Anweisung der Polizei auch von der geplanten Route abweichen: Eigentlich wollten sie am Bodensee entlang nach Engen (Kreis Konstanz) fahren, wo eine kurze Kundgebung geplant war. Ein Teil der Strecke sollte nun aber etwas abseits vom Bodensee über die Autobahn führen.

Langer Streit über Motorradlärm

Organisiert wurde die Aktion unter anderem von der Gruppe "Biker for Freedom", die auch an zahlreichen weiteren Orten bundesweit zu Demonstrationen eingeladen hatte. In Stuttgart wollten ebenfalls zahlreiche Motorradfahrer zusammenkommen.

Hintergrund der Proteste ist ein langer Streit über Motorradlärm. Die Bundesländer hatten sich Mitte Mai dafür eingesetzt, dass die Fahrzeuge weniger Lärm verursachen. So sollen die zulässigen Geräusch-Emissionen auf einen Wert begrenzt werden, der in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkw oder eines Rasenmähers entspricht. Der Bundesrat will zudem beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen.

Die Frage, ob und was gegen Motorradlärm getan werden kann, ist kein neues Thema auf kommunaler Ebene. Und doch beschäftigt es in letzter Zeit wieder viele Kommunen in Südbaden und insbesondere im bei den Bikern besonders beliebten weil kurvenreichen Schwarzwald.

Mehr als 100 Städte, Gemeinden und Landkreise und etwa auch die Hochschwarzwald-Tourismusgesellschaft haben den Beitritt zur Initiative Motorradlärm des Landes Baden-Württemberg beschlossen. Ihr Forderungskatalog umfasst geänderte Zulassungsregelungen für Motorräder und drastischere Strafen für Manipulationen an Motoren, Verkehrsverbote und stärkere Kontrollen. Mancherorts wird die Anschaffung spezieller elektronischer Tafeln diskutiert, die Motorradfahrer automatisch auf eine zu laute Fahrweise aufmerksam machen.

Doch die Debatte hat mehrere Ebenen. Was für die einen ein lautes Ärgernis ist, ist für die anderen eine wichtige Einnahmequelle – denn die Motorradfahrer bringen als Touristen auch Kaufkraft in den Schwarzwald.

Motorrad-Demo trotz Verbot in München

Trotz Verbot in München waren am Samstag mehrere Tausend Biker in der Stadt unterwegs. Sie rollten in Gruppen über den Mittleren Ring, sagte ein Polizeisprecher in München. Es komme deshalb bereits zu Verkehrsstörungen. Polizisten versuchten, auf die Biker einzuwirken.

Schon am Morgen hatten sich Biker-Gruppen mit 50 bis 100 Teilnehmern getroffen. Sie waren mit Hupkonzerten, Jubelrufen und lauter Musik unterwegs. "Fahren dürfen wir auf dem Mittleren Ring, das kann uns keiner verbieten", sagte einer der Motorradfahrer, der aus dem Raum Erding kam.