Unterwegs sein und heimkommen

Georg Voß

Von Georg Voß

Do, 18. April 2019

Teningen

BZ-Porträt über Michael Adams aus Teningen-Heimbach über Reisen, Schreiben und Filmen.

EMMENDINGEN. "Zum Unterwegssein gehört immer das Heimkommen." Dieser Satz charakterisiert vielleicht Michael Adams am ehesten und ist in seinem jüngsten Werk "Das Land dort draußen in mir" im Epilog zu lesen. Es ist 576 Seiten stark, im Eigenverlag erschienen und mit 79 Farblichtbildern versehen. Auch optisch ansprechend, ist es ein Reisedokument, ein Zeugnis seiner Reisen nach Portugal, Slawonien, zu den Navajo in den USA, nach New York und über Kreta heimwärts, mit einer Wanderung durch die Zeit von Bretten nach Heimbach. Er begibt sich zum zweiten Mal auf diese Reisen, nach 30, 40 Jahren Abstand. Das Schreiben und Reisen ist auch ein Loslassen. Loslassen von der Trauer um den Tod seiner Mutter. Ein Gefühl des Verlustes, das ihn reisen – und irgendwann ankommen lässt.

Michael Adams beobachtet und beschreibt Menschen und Gegenden lebensnah. Seine eigene Biographie fließt in das Schreiben ein, ohne dominant zu werden. Hört man ihn lesen, wie bei der Buchpremiere im Restaurant Punjab, kann man sich auf seine Spuren begeben und die Reisen nacherleben. Für ihn ist das Schreiben auch Erinnerungsarbeit, die versucht, aus dem Strom der Zeit das Fließende herauszuarbeiten und festzuhalten, wohl wissend, dass auch diese Sätze lediglich Momentaufnahmen sind.

Er driftet nicht ins Exotische ab. Es sind Erinnerungen an Menschen, denen er im Verlauf seiner Reisen zum Teil zum zweiten Mal begegnet. Andere sind bereits gestorben sind. Aber es geht ihm auch um das Älterwerden an sich. Er findet eine klare und gelassene Sprache, ähnlich wie in "On the Road" des US-amerikanischen Schriftstellers Jack Kerouac, dessen Buch aus den späteren 50er-Jahren das Gefühl des Unterwegssein der Heranwachsenden assoziativ beschreibt.

Wenn es in Adams’ Buch Wiederholungen gibt – auch im Leben selbst wie beim täglichen Grüßen des Murmeltiers gib es Wiederholungen –, erklärt Michael Adams sie zum Stilmittel. "Dass ich mich gern auf immer neue Weise wiederhole, ist wie die Jahreszeiten, sie sind immer gleich und doch in jedem Jahr anders und neu. Das Landbuch ist längst zu Ende, aber ich schreibe immer noch weiter, für mich selbst und um das Zurückkehren wollen besser zu verstehen."

Michael Adams wohnt im Teninger Ortsteil Heimbach und hat drei erwachsene Kinder. Er ist 1956 in Bretten geboren, studierte Soziologie, Psychologie und Pädagogik an der Universität Tübingen und arbeitete als Psychotherapeut. Doch seine Liebe gilt dem Film. So war er Mitarbeiter im Kommunalen Kino Freiburg (1984 bis 1996), hat sich weitergebildet in Fotografie und Video am Konservatorium in Bern und einen Kamerakurs am Kölner Filmhaus absolviert. Herausgekommen sind Kurz- und Dokumentarfilme wie "L’Amour Fou" (1991), "Weg ins Freie" (1994/95) oder "Timeline-Landscapes" (2008). Über das Filmen kam Adams zum Schreiben, da er die Texte zu seinen Filmen schrieb. So veröffentlichte er 2011 "India Revi – Erinnerungen an eine Reise über Land", ein Jahr später "Ich denk an Dich – in der Stille unter den Bäumen". Bilder seiner Reisen stellte er 2017 im Fotomuseum Hirsmüller aus.

Zu beziehen sind die Bücher bei ihm selbst: Tel. 07641/9543139 oder 0160-4332864.