"Thema in den Kliniken angekommen"

Rahel Schneider

Von Rahel Schneider

Mi, 04. März 2020

Freiburg

DREI FRAGEN AN Markus Loh von der Stiftung Viamedica zum Aktionstag für den Klimaschutz im Gesundheitswesen am 2. April.

FREIBURG. Engagement für das Klima zeigen – das können Einrichtungen und Unternehmen am 2. April beim bundesweiten Aktionstag für den Klimaschutz im Gesundheitswesen. Initiator ist die Freiburger Stiftung Viamedica. Rahel Schneider sprach mit Markus Loh, Projektleiter der Stiftung, über Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen und die Verleihung des Klimaretter-Awards.

BZ: Am 2. April verleihen Sie den Klimaretter-Award am Universitätsklinikum Freiburg. Wie wird ein Unternehmen konkret zum "besten Klimaretter Deutschlands"?

Loh: Es haben sich schon mehr als 75 Unternehmen im Projekt angemeldet, etwa 4000 Beschäftigte sind eigenständig aktiv geworden. Gemeinsam haben die Klimaretter des Gesundheitswesens schon mehr als 400 000 Kilogramm CO2 vermieden, mit ganz einfach umsetzbaren Aktionen im Arbeitsumfeld. Zum Beispiel Leitungswasser trinken statt Flaschenwasser, Stand-by vermeiden oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Im Online-Klimaretter-Tool der Stiftung gibt es 23 Aktionen, die von den Teilnehmenden ausgewählt werden können. Dabei können sie direkt sehen, wie viel CO2 sie durch ihre Aktionen vermeiden. Sie stehen dort im Ranking mit den anderen Unternehmen und Einrichtungen. Hier bilden sich Teams, die sich gegenseitig herausfordern, ihr Engagement zur CO2-Vermeidung zu zeigen. Wichtig ist: jeder Beitrag zählt. Am Klimaretter-Tag gewinnen alle, die sich für den Klimaschutz einsetzen.

BZ: Seit der Gründung 2002 fordert Ihre Stiftung Viamedica andere Unternehmen im Gesundheitswesen zu mehr Nachhaltigkeit im Arbeitsalltag auf. Was hat sich seitdem in der Branche verändert?

Loh: Die Branche ist, mit ihren sehr speziellen Aufgaben und den Ansprüchen, die alle an die Medizin richten, nicht prädestiniert dafür, das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit voranzutreiben. Wenn man zum Beispiel den gesamten Energieverbrauch eines Krankenhauses auf die Bettenanzahl umlegen würde, verbraucht ein Klinikbett im Durchschnitt so viel Energie wie vier neuere Einfamilienhäuser. Ähnlich ist es beim Wasserverbrauch und beim Erzeugen von Abfällen. Doch das Thema Umweltschutz und Energieeffizienz ist in den Kliniken und Einrichtungen angekommen. Die Krankenhäuser versuchen Energie zu sparen, weniger Müll zu produzieren und Projekte zur Nachhaltigkeit zu initiieren. Es ist ein zartes Pflänzchen, das man hegen muss.

BZ: Was steht als nächstes großes Projekt auf der Agenda von Viamedica?

Loh: Es gibt aktuell ein Projekt, das keinen spielerischen Ansatz hat. Es geht um die konkreten Folgen des Klimawandels in den Einrichtungen des Gesundheitswesens. Während der stetig zunehmenden Perioden mit extrem hohen Temperaturen leiden die Patientinnen und Patienten in den Einrichtungen ebenso wie die Beschäftigten massiv unter der Hitze. Im Rahmen des von der Stadt Freiburg geförderten Klimaschutznetzwerks Freiburger Kliniken ist dieses Thema und dessen Auswirkungen wirklich dramatisch geschildert worden. Hier wird über ein Projekt nachgedacht, mit dem Analysen durchgeführt werden sollen, um daraus Leitfäden und Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Aktuell sind wir auf der Suche nach der Finanzierung für ein solches Pilotprojekt. Als operative Stiftung suchen wir immer Partner, um Projekte gemeinsam zu entwickeln und qualitativ hochwertig umsetzen zu können.