Jean-Christophe Grangé

THRILLER: Böse Adlige am Titisee

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Sa, 17. Oktober 2020

Literatur & Vorträge

"Er lag ein Stück unterhalb wie ein gigantischer, in der Sonne funkelnder Spiegel, dessen Konturen sich in einem Saum aus schwarzen Tannen verloren." So sieht er aus, der Titisee – im neuen Krimi von Jean-Christoph Grangé. Berühmt geworden ist der Franzose 1998 mit "Die purpurnen Flüsse", einem blutigen Thriller um den impulsiven Kommissar Pierre Niémans. Er wurde verfilmt und zu einer TV-Serie ausgebaut. Aus deren Folge 7 und 8 hat Grange nun das neue Buch gemacht, die Fortsetzung der "Flüsse".
Eine alte Adelsfamilie hat im Schwarzwald und im Elsass großen Waldbesitz. Er dient der Jagd. Diesmal aber ist das Opfer Jürgen von Geyersberg, einer der Erben. Ausgeweidet wird er aufgefunden. Niémans und seine Kollegin Ivana beginnen mit den Ermittlungen bei Jürgens Schwester in deren Villa am Titisee. Bald merken sie, dass die Familie ein Geheimnis hat. Es hat, weil Grangé gerne mal Klischees bedient, mit den Nazis zu tun, mit einer grausamen SS-Einheit.
In den Plot der Serienfolgen hat Grangé – er hat Südbaden wohl einen Besuch abgestattet – noch Lokalkolorit aus Freiburg eingefügt ("Die ganze Stadt war wie von einem Kinderbuchillustrator gestaltet") und aus Bad Krozingen. Vor allem aber ist die Atmosphäre düster, der Schwarzwald so dunkel wie die Seele einiger Figuren. Es gibt weitere Morde, am Ende werden auch Niémans und Ivana gejagt. Und auch der Titisee glitzert nicht lange, schon drei Absätze weiter sieht er "aus wie die Schürfstelle eines besonderen Erzes, aus dem die Bomben der Luftwaffe hergestellt werden könnten".

Jean-Christophe Grangé: Die letzte Jagd. Aus dem Französischen von Ulrike Werner. Lübbe Verlag, Köln 2020. 400 Seiten, 22 Euro.