Leserbriefe

Andreas Scheibe (Freiburg/Todtnauberg)

Von Andreas Scheibe (Freiburg/Todtnauberg)

Mi, 22. Mai 2019

Todtnau

FERIENRESORT TODTNAUBERG
Antworten auf Fachfragen erhofft
Zum BZ-Bericht "Ruhe oder Wiederbelebung" am Samstag, 18. Mai, und dem Kommentar von Stefan Hupka:
Der Bürgerinitiative Todtnauberg wird angekreidet, sie habe keine Bereitschaft zum Kompromiss gezeigt, habe kein Gespräch angeboten, das sei weder sportlich noch demokratisch. Dieser Vorwurf ist nicht richtig, denn ein runder Tisch mit Austausch der Argumente hatte bereits am 17. Januar mit unabhängiger Moderation unter Teilnahme der Bürgerinitiative Todtnauberg stattgefunden. Ein weiteres Gespräch zwischen der Bürgerinitiative Todtnauberg, Bürgermeister Wießner und den Fraktionsvorsitzenden des Todtnauer Gemeinderates war für den 28. Januar vereinbart. Im Rahmen der Zusage zum Gespräch ließ Bürgermeister Wießner schriftlich erklären, er werde kommen, um den Weg für eine Mediation zu ebnen, aber von städtischer Seite keine Fachfragen beantworten. Da die Bürgerinitiative sich von diesem Treffen klare Aussagen zu den vielen offenen Fachfragen und Gutachten erhofft hatte, die erdrückend gegen das Hotelprojekt sprechen, hatte sie diesen Termin abgesagt.

Manche Probleme sind, wie auch sonst im Leben, schwerlich vorstellbar durch Mediation zu lösen; ein bisschen schwanger ist halt auch schwanger.
Andreas Scheibe, Freiburg/TodtnaubergEs gibt genug Beispiele der Verschlimmbesserung
Zu den vieldiskutierten Plänen für die Ferienanlage in Todtnauberg:

In dieser Debatte geht es längst nicht mehr darum, ob man selbst "Todtnauberger" ist und den Ferienkomplex, der aus elf Häusern mit über 60 Suiten bestehen soll, jeden Tag vor Augen haben wird. Es geht darum, wofür wir in dieser Region stehen und ob wir – mit dem Blick nach vorn, aber verwurzelt in unserer Heimat – ein solches Projekt unterstützen können. Ein Blick auf aktuelle Anzeigen Todtnauberger Unterkünfte zeigt, welches Touristenklientel bisher nach Todtnauberg kommt: "kleines gemütliches Hotel", "persönlicher Service im Familienbetrieb", "direkt in der Natur", "schwarzwaldtypische Pension", "heimelige Atmosphäre". Die geplante Ferienanlage wird aber wohl ganz andere Touristen ansprechen. Natürlich hoffen einige, mit wachsendem Tourismus den Einzelhandel zu beleben. Doch wir sind mit unserem Kaufverhalten selbst daran schuld, wenn Metzger, Schuhhandel, Uhrengeschäft und Gaststätte immer weniger Zulauf haben; glauben wir nun ernsthaft, dass die theoretisch bis zu 300 neuen Gäste abhelfen und wirklich "im Städtle" einkaufen gehen? In unserer Gastronomie zum Essen gehen? Und nicht selbst kochen, denn darauf sind die Appartements wohl ausgelegt? Zumal eigene Geschäfte im Komplex entstehen sollen. Es ist sicherlich richtig, mit dem Lauf der Zeit zu gehen. Modernisieren, Überdenken eingefahrener Strukturen, Neuausrichten. Aber es gibt genügend Beispiele der "Verschlimmbesserung" – denn der Grat, auf dem man sich hier bewegt, ist schmal. Ist eine Ferienanlage, gerade in einer Zeit des Individualismus, von Landlust und "back to nature"-Bewegungen wirklich zeitgemäß und das Richtige für Todtnauberg, für uns? Noch dazu von einem holländischen Investor, der eigenes Personal mitbringt. Die mit diesem Großprojekt einhergehende Flächenversiegelung ist ein irreversibler Eingriff, der Pflanzen, Insekten, Vögel und weitere Kleinlebewesen unwiederbringlich vertreibt. Ein "Naturresort" – wie irreführend dieser Name doch ist. Die Folgen in der Natur zeigen sich erst nach vielen Jahren – dann, wenn es zu spät ist. Es braucht viele engagierte Mitbürger, um eine Umgebung zu schaffen, in der wir uns alle wohl fühlen. Und es reichen wenige aus, um diese zu zerstören. Wir alleine haben die Entscheidungsfreiheit, was hier passiert. Die Entscheidungsträger, das sind und bleiben wir.Teresa Zahoransky, Todtnau


WINDKRAFT AM ZELLER BLAUEN
Windkraftanlagen zerstören die Landschaft
Zum BZ-Bericht "Zweifel sind nicht vom Tisch" vom 2. Mai über eine Veranstaltung zur Windkraft am Zeller Blauen:
Windkraftanlagen haben im Bundesdurschnitt eine extrem niedrige Effizienz von 14 bis 18 Prozent der installierten Nennleistung, in Baden-Württemberg sogar nur 5 bis 13 Prozent der installierten Leistung, veröffentlicht von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) im Auftrag des Wirtschaftsministeriums. Wegen miserabler Windverhältnisse, so die Investoren noch heute, scheiterte bereits der sogenannte Windpark Fröhnd unweit des Zeller Blauen. Ich erinnere: Eine von zwei Windkraftanlagen wurde wieder abgebaut. Und jetzt, 14 Jahre später, will die EWS doch einen ganzen Industrie-Windpark bauen, nur eben in ganz anderen Dimensionen.

In einem BZ-Bericht vom 25. Juni 2014 bemängelte Alexander Sladek von der EWS die "sehr komplexen Windverhältnisse" im Südschwarzwald, die viel zu geringe Windstärke und unbefriedigenden Messergebnisse in über 200 Metern auf dem Höhenrücken des Zeller Blauen. Warum also jetzt dieser Wandel? Nach dem neuen EEG-Referenzertragsmodell von 2014 erhält ein schlechter Standort einen Irrationalitätszuschlag von zurzeit bis zu 50 Prozent. Heißt: Je windärmer der Standort, desto höher die Subvention pro Kilowattstunde. Der ökologische Wahnsinn, Windkraftanlagen in ein intaktes Waldgebiet zu bauen, wo faktisch viel zu wenig Wind weht, spielt dabei keine Rolle. Ebenso wenig, dass uns die Nachbarländer bei Windflaute wegen fehlender Speichermöglichkeit mit Atom- und Kohlestrom aushelfen müssen.

Für Ausbau und die Zubringung der Anlagen auf den Höhenrücken werden zig Hektar Wald gerodet, der danach aussieht wie eine Mondlandschaft. 70 000 Tonnen Stahlbeton werden verbaut und mit tausenden Lkw-Ladungen auf den Berg gefahren. Windkraftanlagen zerstören mit über 232 Metern das Landschaftsbild der gewachsenen Kultur- und Naturlandschaft des Schwarzwaldes. Ihr Abstand zu einzelnen Wohngebäuden wird nach der jetzigen Planung 700 Meter betragen. Das ist bei derart hohen Anlagen unverantwortlich, verbunden mit Stress hervorrufendem und stark gesundheitsbeeinträchtigendem Infraschall, einer immensen optischen Bedrängung sowie Schlagschatten. Rainer Strohmeier, Böllen