Gerichtsmedizin

Totenscheine werden regelmäßig falsch ausgestellt

Susanne Donner

Von Susanne Donner

Fr, 13. Dezember 2019 um 16:14 Uhr

Gesundheit & Ernährung

BZ-Plus Ein Erhängter, der angeblich an einer Lungenembolie gestorben ist? Die Qualität der Leichenschau in Deutschland ist Experten zufolge sehr schlecht – selbst Morde bleiben so häufig unerkannt.

Woran die Menschen sterben, weiß niemand genau. Der Totenschein ist regelmäßig falsch. Durchgerutschte Misshandlungen und sogar Morde sind nicht ungewöhnlich. Dennoch ist die Todesursachenstatistik einer der wichtigsten Maßstäbe der Gesundheitspolitik. Milliardenbeträge werden an den luftigen Zahlen ausgerichtet.
Da liegt er nun, tot und auch ein bisschen malträtiert. Was trag ich bloß ein, in den Totenschein? Herzversagen, das passt immer.
Unter Ärzten ist es kein Geheimnis: Die Leichenschau ist unbeliebt und nur etwas für die ganz Robusten. Selbst den Experten wird hin und wieder übel vom Geruch und Aussehen der Toten. Noch bis Ende 2019 ist die Leichenschau zudem völlig unterbezahlt. Das Bundesland Berlin vergütete sie im schlimmsten Fall mit knapp mehr als 14 Euro. "Das hebt nicht gerade die Motivation für einen Arzt, nachts um drei Uhr aufzustehen, sich ins Auto zu setzen, einen Leichnam zu entkleiden, gründlich zu untersuchen und dann sorgfältig Formulare auszufüllen", sagt Patrick Larscheid, Leiter des Zentralarchivs der Leichenschauscheine in Berlin.
Aufgrund der mangelhaften Leichenschauen gehen Morde als natürliche Todesfälle durch.
Und woher soll der Arzt überhaupt wissen, woran dieser Mensch gestorben ist? Allenfalls der Hausarzt kennt die verschiedenen Krankheiten, die ihn zu Lebzeiten plagten. Aber statt den Kollegen ausfindig zu machen, trägt der Mediziner nicht selten einfach Herzversagen oder Lungenembolie ein. Das sind beliebte Angaben, wenn Ärzte keine anderen Anhaltspunkte haben, weiß Rüdiger Lessig, Direktor ...

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