Nachruf

Trauer um Klaus Poppen, den langjährigen Präsidenten der Muettersproch-Gsellschaft

Holger Knöferl

Von Holger Knöferl

Sa, 16. Januar 2021 um 12:16 Uhr

Südwest

Im Himmel cha mer jetz au Alemannisch schwätze: 30 Jahre war Klaus Poppen Präsident der Muettersproch-Gsellschaft, jetzt ist er im Alter von 89 Jahren verstorben.

Wer in der Online-Enzyklopädie Wikipedia etwas über Klaus Poppen erfahren will, der muss des Alemannischen mächtig sein. "Im Merz 1972 isch er zum Bresidänt vu dr Muettersproch-Gsellschaft gwehlt wore", steht da zu lesen. "Weil sie keinen Dümmerem gefunden haben", hat Klaus Poppen einmal einem BZ-Redakteur in den Block diktiert. Was Unsinn ist: Die Muettersproch-Gsellschaft hätte sich wohl keinen Besseren wünschen können als Klaus Poppen, der das Amt 30 Jahre innehatte. Jetzt ist er im Alter von 89 Jahren verstorben.

"Schwätz anständig", hieß es in der Familie

Geboren im Jahr 1931, wuchs Klaus Poppen als eines von vier Kindern als Spross der Freiburger Verlegerfamilie Poppen auf. Sein Bruder Edi besetzte den Chef-Posten bei Poppen und Ortmann, also studierte Klaus Poppen auf Lehramt in Freiburg und Grenoble, brach das Studium aber ab. Es folgten ein Volontariat und die Arbeit für ein Jahr als Redakteur beim Kölner Stadtanzeiger. 5000 Mark hatte er auf die Seite gelegt und machte sich mit dem Ersparten auf den Weg nach Südamerika. Dort verdiente er sich mit Vorträgen über Deutschland noch etwas dazu und so war die eineinhalbjährige Reise in die Ferne finanziert. Denn: "Ich wollte immer was erleben – nicht nur in der Wiehre und im Sternwald." Seine lesenswerten Aufzeichnungen überlies er dem Deutschen Tagebucharchiv in Emmendingen. Zurück in der Heimat, führte ihn sein Berufsweg zur Rhodia in Freiburg, er machte für das Unternehmen fast 30 Jahre Öffentlichkeitsarbeit.

Alemannisch stand in Klaus Poppens Elternhaus nicht hoch im Kurs: "Schwätz anständig", hatte die Devise gelautet. Der Muettersproch-Gsellschaft war es 1972 einerlei, dass Poppen kein Hochalemannisch, sondern nur ein Freiburger Bächle-Badisch in die Wiege gelegt worden war. Der Verein – Poppen selbst war nicht mal Mitglied – drohte in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, zum "Debattierklub einiger alemannischer Dichter über richtige Schreibweisen" zu werden, wie sein Nachfolger Walter Möll einmal sagte. 30 Jahre später sollte das ganz anders aussehen: Die Mitgliederzahl hatte sich mehr als verzehnfacht, 20 Regionalgruppen wurden gegründet. Und die Muettersproch-Gsellschaft war in Südbaden teilweise allgegenwärtig – dem vom "Präsi" kreierten "Bäpperli" sei Dank. Denn der kleine Aufkleber mit der Aufschrift "Bi uns cha mer au Alemannisch schwätze" war – und ist bis heute – überall zu finden. Auf Haustüren, auf den Kofferraumdeckeln von Autos, an der Bürotür des damaligen Regierungspräsidenten Hermann Person.

Poppen wurde mit Bundesverdienstkreuz und Heimatmedaille geehrt

Alemannisch wurde wieder gesellschaftsfähig, durch Aktionen wie die Freiburger Bächle-Regatta, aber auch durch literarische Wettbewerbe. Klaus Poppen war einer, der geradeheraus war. Also zog er mit 37,000 Unterschriften im Gepäck und unterstützt von Blasmusik in den 80ern zum damaligen Südwestfunk nach Baden-Baden und forderte: "Mehr Mundart bi Funk und Fernseh". Der Intendant empfing ihn – die Badische Zeitung übrigens auch und führte ihre Mundartkolumne wieder ein, die bis heute mit dem Lueginsland Bestand hat. Er stemmte ein unglaubliches Arbeitspensum und wurde für seinen Einsatz neben vielen anderen Auszeichnungen auch mit dem Bundesverdienstkreuz bedacht. Klaus Poppen war zeitlebens auch den Pfadfindern verbunden, er war im Freiburger Elferrat aktiv und im Lions-Club. "Viel Arbeit, aber froh über den Erfolg", hat er in seinen persönlichen, für die Familie verfassten Erinnerungen kurz und knapp geschrieben.

Klaus Poppen lebte mit seiner Frau in Buchenbach. Neben ihr hinterlässt er auch zwei Söhne, Enkel und Urenkel.