Turnliga und DTB ringen um Termine

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Von dpa

Mo, 29. Juni 2020

Turnen

Die Planungen gestalten sich schwierig – doch nun zeichnen sich Lösungen ab / DTB entscheidet bald über neuen Cheftrainer.

Verkürzte Bundesliga-Saison, keine Absteiger und eine komplizierte Lage für Athletinnen und Athleten: Auch der deutsche Turnsport steht wegen Corona vor großen Herausforderungen. Die Auswirkungen der Pandemie werden sich bis weit in das Olympia-Jahr 2021 ziehen. Den Sportlern steht durch die Verschiebung der Sommerspiele ein Mammutprogramm bevor. "Man kann noch nicht hundertprozentig planen, bis in das nächste Jahr schon gar nicht", sagt Deutschlands Top-Turner Andreas Toba.

Bundesliga, Weltmeisterschaft, Europameisterschaft, deutsche Meisterschaft inklusive Deutschem Turnfest in Leipzig, dazu das Highlight in Tokio – 2021 ist der Turn-Kalender pickepackevoll. "Wenn man noch Qualifikationen oder Weltcups dazu zählt, kommen die Turner schnell auf 25 Wettkämpfe. Das ist von der Belastung her unmöglich", sagte Mirko Wohlfahrt, Abteilungsleiter Männer in der Deutschen Turnliga (DTL). Das sieht auch Toba so: "Man wird nicht alles turnen können, sondern auf jeden Fall Prioritäten setzen müssen."

Wohlfahrt ist damit betraut, die Liga-Wettkämpfe der Männer bis zur 3. Bundesliga zu koordinieren. Es ist wie ein kniffliges Puzzle, weil internationale Termine, Forderungen der Vereine und Wünsche der Athleten und Sponsoren zu berücksichtigen sind. Ursprünglich sollten sieben Wettkampftage zwischen dem 3. Oktober und 21. November stattfinden, dazu das Bundesliga-Finale am 12. Dezember. Das geht schon deshalb nicht, weil der europäische Verband European Gymnastics die im Frühjahr ausgefallene Männer-EM auf den 9. bis 13. Dezember in Baku verschoben hat. Die Frauen sind vom 17. bis 20. Dezember in Aserbaidschans Hauptstadt dran.

Sicher ist, dass es in der Bundesliga mit ihren derzeit acht Clubs keine Absteiger geben wird. Eine Saisonverkürzung ist unumgänglich, weil sich die Termine im Herbst ballen. So soll in zwei Staffeln mit je vier Teams geturnt werden. Um die Einteilung der Gruppen wird noch gerungen. Statt wie sonst sieben gibt es nur vier Wettkampftage plus Liga-Finale. Jedes Team soll zweimal Heimrecht haben, damit sich die Sponsoren präsentieren können. Ob Zuschauer erlaubt sein werden, weiß derzeit niemand. Da es zwei Aufsteiger geben soll, wird die Bundesliga nächstes Jahr aus zehn Clubs (zwei Staffeln mit je fünf Teams) bestehen. "Das Konzept steht, die Termine sind noch offen. Planungssicherheit gibt es noch nicht", sagte Wohlfahrt, der betont: "Bei allem steht die Gesundheit der Turner, Trainer, Kampfrichter und Fans im Vordergrund. Es ist aber wichtig, den Sportlern und Vereinen jetzt Perspektiven zu geben."

Endlich zeichnet sich auch der Termin für die im Juni ausgefallene deutsche Turn-Meisterschaft ab. Letzter Stand: Sie findet am 7. und 8. November in Düsseldorf statt. "Wir sind mit der Staatskanzlei im Gespräch. Es läuft auf diesen Termin hinaus, aber die Tinte ist noch nicht trocken", sagte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam auf Anfrage. Die Rhythmischen Sportgymnastinnen sollen am selben Wochenende ihre Titelträgerinnen in der NRW-Landeshauptstadt küren.

Turnerinnen und Turner warten sehnsüchtig auf Entscheidungen. Und hängen wie Toba ein wenig im luftleeren Raum. Der 29-Jährige hat bisher nur entschieden, dass er dieses Jahr die DM sowie möglichst viele Liga-Wettkämpfe für seinen Club TK Hannover bestreiten will. Der Fokus gilt Tokio 2021: "Olympia hat absolute Priorität. Alles andere wird drumherum geplant." Ob er zur Europameisterschaft nach Baku reist, hängt von der unsicheren Corona-Lage in Aserbaidschan ab. Und vom neuen DTB-Cheftrainer. Der Nachfolger von Andreas Hirsch wird noch gesucht. Laut Willam gibt es "zwei Handvoll Bewerber". Die Entscheidung will das DTB-Präsidium am 3.oder 4. Juli fällen.