Diskriminierung beim Arzt

Unwissen und Vorurteile machen Übergewichtige oft zu Patienten zweiter Klasse

Michael Brendler

Von Michael Brendler

Do, 30. Januar 2020 um 11:51 Uhr

Gesundheit & Ernährung

BZ-Plus Etwa jeder dritte Patient beim Hausarzt ist nach medizinischen Maßstäben zu dick. Trotzdem treten viele Ärzte ihnen mit einer befremdlichen Einstellung entgegen. Sprechstunden fallen im Schnitt kürzer aus.

Die Krönung war der letzte Orthopäde. "Wenn Sie ein neues Gelenk haben wollen, dann müssen Sie erst mal abnehmen", sagte er zu seiner Patientin, kaum dass diese den Raum betreten hatte. Ohne sie vorher mit einem "Guten Tag" zu begrüßen, ohne sich vorher nach ihren Problemen zu erkundigen. Ganz verdattert sei sie gewesen, erzählt Anke Moltin (Name von der Redaktion geändert): "Aber Sie haben mein Knie doch noch gar nicht gesehen?" Als Antwort schickte der Arzt sie ohne Erklärung mit ihrem schmerzenden Gelenk zum Röntgen. Geschätzte 120 Kilogramm bringt Moltin bei 1,72 Meter Körpergröße auf die Waage, mit genauem Messen verdirbt sie sich schon lange nicht mehr die Laune.

Geschichten wie die mit dem Orthopäden kann die 68-Jährige viele erzählen. Geschichten von Ärzten, die Übergewichtige als hoffnungslose Fälle und Patienten zweiter Klasse behandeln. Und sie immer wieder mit denselben platten Abnehm-Ratschlägen triezen. "Tipps wie ,weniger Limonade’ und ,mehr Treppensteigen’ kann ich auch in meiner Frauenzeitschrift lesen", sagt die ehemalige Erzieherin.

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