Fußball-WM

USA und England erreichen Achtelfinale – Iran und Wales scheiden aus

Di, 29. November 2022 um 22:11 Uhr

Fußball-WM

Mitfavorit England und die USA sind in das Achtelfinale bei der Fußball-WM. Die Amerikaner setzten sich mit 1:0 gegen den Iran durch. England bezwang Wales mit 3:0 und trifft ungeschlagen auf den Senegal.

Mitfavorit England und die USA sind in das Achtelfinale bei der Fußball-WM in Katar eingezogen. Die Amerikaner setzten sich am Dienstagabend in Doha im politisch brisanten Duell mit dem Iran 1:0 (1:0) durch und zogen in der Gruppe B noch am Kontrahenten vorbei. England bezwang Wales mit 3:0 (0:0) und trifft als ungeschlagener Gruppensieger nun am Sonntag im Achtelfinale auf den Senegal. Die USA bekommen es zum Auftakt der K.o.-Runde am Samstag mit den Niederlanden zu tun.

Doppeltorschütze Marcus Rashford (50. Minute/68.) und Phil Foden (51.) sorgten vor 44 297 Zuschauern für den verdienten Sieg der Engländer. Die Waliser um den zur Halbzeit ausgewechselten Stürmerstar Gareth Bale verabschieden sich nach drei Vorrundenspielen mit einem Punkt und nur einem Tor von ihrer so sehr ersehnten ersten WM seit 1958.

Der frühere Bundesliga-Profi Christian Pulisic führte die USA mit seinem Treffer (38.) ins Achtelfinale, das die Amerikaner zuletzt 2014 erreicht hatten. Der Iran hat hingegen weiter noch nie die WM-Vorrunde überstanden. Politisch stehen sich beide Länder feindlich gegenüber.

USA – Iran

Mit einem Tor der Schmerzen hat Christian Pulisic die USA im brisanten Gruppen-Finale gegen den Iran in das WM-Achtelfinale geführt. Im politisch aufgeladenen und dadurch im Fokus der Weltöffentlichkeit besonders beachteten Duell erzielte der frühere Profi von Borussia Dortmund am Dienstag beim 1:0 (1:0) den umjubelten Siegtreffer (38. Minute). Die USA treffen als Gruppenzweiter am Samstag im Achtelfinale auf die Niederlande, die nach einem 2:0 gegen Turnier-Gastgeber Katar ihre Gruppe gewannen.

24 Jahre nach dem 2:1-Sieg der Iraner bei der WM 1998 bejubelten diesmal die Amerikaner nach einer dramatischen Schlussphase einen prestigeträchtigen Erfolg. Nachdem die US-Auswahl die Weltmeisterschaft vor vier Jahren in Russland verpasst hatte, steht sie nun wie zuletzt beim Turnier in Brasilien 2014 wieder in der K.o.-Runde.

Pulisic warf sich bei der Szene des Tages nach einer schönen Kombination über Weston McKennie und Sergino Dest in den Ball und knallte dabei mit Irans Torhüter Ali Beiranvand zusammen. Fünf Minuten später humpelte der 24-Jährige noch einmal vor 42 127 Zuschauern auf den Rasen des Al-Tuhmama Stadions. Nach der Pause konnte er wegen einer Bauchverletzung aber nicht mehr weitermachen.

Der energische Torschuss des Profis des FC Chelsea stand sinnbildlich für die Leidenschaft, mit der die beiden Rivalen in einem temporeichen K.o.-Spiel zur Sache gingen. Bereits in den Tagen vor dem bedeutsamen und von Beginn an sehr intensiv geführten Gruppenduell hatte es reichlich Ärger gegeben. Auf der einen Seite sorgten die nicht komplette Flaggendarstellung des Irans durch den US-Verband oder missverständliche Aussagen des früheren US-Nationaltrainers Jürgen Klinsmann für Verstimmung. Auf der anderen Seite mussten sich Nationalcoach Gregg Berhalter und sein Kapitän Tyler Adams provokante Fragen auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gefallen lassen.
Statistik: Iran - USA 0:1 (0:1)
Iran: Beiranvand - Rezaeian, M. Hosseini, Pouraliganji, Mohammadi (45.+3 Karimi) - Gholizadeh (77. Ansarifard), Nourollahi (71. Torabi), Ezatolahi, Hajsafi (71. Jalali) - Azmoun (46. Ghoddos), Taremi USA: Turner - Dest (82. Moore), Carter-Vickers, Ream, Robinson - Adams - Musah, McKennie (65. Acosta) - Weah (82. Zimmerman), Sargent (77. Wright), Pulisic (46. Aaronson)
Schiedsrichter: Antonio Mateu Lahoz (Spanien) - Zuschauer: 42127 Tore: 0:1 Pulisic (38.) Gelbe Karten: M. Hosseini (1), Kanaanizadegan (1), Jalali (1) / Adams (1) Beste Spieler: Ezatolahi, Ghoddos / Adams, Pulisic

Auf dem Platz stand trotz der überstrahlenden Bedeutung des Spiels wegen der schweren politischen Differenzen zwischen den USA und dem Iran - wie von Berhalter und seinem iranischen Amtskollegen Carlos Queiroz gewünscht - der Sport im Fokus. Dessen Auswahl um den zweimaligen Turnier-Torschützen Mehdi Taremi tat sich trotz der frenetischen Anfeuerung durch Rufe, Trommeln und Tröten der großen Mehrheit an iranischen Fans lange schwer gegen die strukturierter und abgeklärter agierenden Amerikaner - drehte aber nach der Pause mehr auf.

Inmitten der schwersten Proteste im Iran seit Jahrzehnten war die große Bedeutung des Spiels aber stets präsent; das ging schon bei der Hymne los. Nachdem die Nationalspieler vor dem 2:6 zum WM-Auftakt gegen England nicht mitgesungen hatten, stimmten sie nun wie schon beim Spiel gegen Wales mit ein - in der Summe aber recht leidenschaftslos. Iranische Aktivisten hatten das Schweigen vor dem England-Spiel als eine Geste der Unterstützung für die landesweiten Proteste im Land gewertet. In der Folge war über drohende Sanktionen vonseiten der Regierung berichtet worden.

Die Mannschaft um Mittelfeldspieler Saeid Ezatolahi, der mit ausgebreiteten Armen gen Himmel auf das Spielfeld lief und die Hände danach vor das Gesicht schlug, stemmte sich mit viel Hingabe gegen das WM-Aus. Viel fehlte nicht, und der für den wirkungslosen Leverkusener Sardar Azmoun eingewechselte Saman Ghoddos hätte zum Ausgleich eingeköpft (52.). Ezatolahi schnupperte bei seinem Schuss (70.) ebenfalls am 1:1.

Die vielen iranischen Fans in Grün, Weiß und Rot gaben nicht auf mit ihrer lautstarken Unterstützung von den Rängen - wie auch das Team auf dem Platz nicht. Das fußballverrückte Land, in dem am Dienstag nach der Freilassung von Nationalspieler Voria Ghafouri auch die von Parvis Borumand bekannt wurde, fieberte am Ende aber vergeblich mit.

England – Wales

Mitfavorit England hat seine Titelambitionen bei der WM in Katar unterstrichen und mit einem Sieg im britischen Duell souverän das Achtelfinale erreicht. Das Team um den noch immer torlosen Kapitän Harry Kane besiegte Wales am Dienstagabend in Al-Rajjan mit 3:0 (0:0) und beendete die Vorrunde so mit sieben Punkten als Gruppensieger. Marcus Rashford (50. Minute/68.) und Phil Foden (51.) sorgten mit einem Doppelschlag in kürzester Zeit für den verdienten Sieg der Three Lions vor 44 297 Zuschauern. England trifft nun am Sonntag (20.00 Uhr) in der ersten K.o.-Runde auf Senegal.

Die Waliser um den zur Halbzeit ausgewechselten Stürmerstar Gareth Bale verabschieden sich nach drei Vorrundenspielen mit einem Punkt und nur einem Elfmetertor beim 1:1 gegen die USA von der so sehr ersehnten ersten WM seit 1958. Gegen den britischen Rivalen ist Wales seit 1984 sieglos. Auch eine Überraschung wie bei der EM 2016, als Bale und Co. sensationell das Halbfinale erreichten, gelang diesmal nicht.

Angesichts der komfortablen Ausgangslage hatte Englands Trainer Gareth Southgate versucht, eine "Mischung aus Stabilität und Frische" auf den Rasen des Ahmad bin Ali Stadions zu bringen. Dieser Ankündigung folgten vier Wechsel, darunter die Hereinnahme des von britischen Medien und Experten lautstark geforderten Foden. Dortmunds Jude Bellingham, der seit August im Drei-Tages-Rhythmus durchspielt, bekam entgegen anderslautender Spekulationen keine Pause, sondern wurde als Spielmacher offensiv aufgeboten.
Statistik: Wales - England 0:3 (0:0)
Wales: Ward - N. Williams (36. Roberts), Mepham, Rodon, B. Davies - Ampadu, Allen (81. Colwill) - Bale (46. Johnson), Ramsey, D. James (77. Wilson) - Moore England: Pickford - Walker (57. Alexander-Arnold), Stones, Maguire, Shaw (65. Trippier) - J. Henderson, Rice (57. Phillips) - Foden, Bellingham, Rashford (75. Grealish) - Kane (57. Wilson)
Schiedsrichter: Slavko Vincic (Slowenien) - Zuschauer: 44297 Tore: 0:1 Rashford (50.), 0:2 Foden (52.), 0:3 Rashford (68.) Gelbe Karten: D. James (1), Ramsey (1) / - Beste Spieler: Ramsey, D. James / Foden, Rashford, Kane

Auf dem Flügel durfte Rashford erstmals bei dieser WM von Beginn an ran - und hatte nach zehn Minuten direkt die erste Chance. Kapitän Kane setzte den Angreifer von Manchester United exzellent in Szene, doch Rashford scheiterte am heraus eilenden Danny Ward. Dieser vertrat den nach einer Roten Karte gesperrten Stammkeeper Wayne Hennessey. Ward war im ersten Durchgang der auffälligste Waliser, denn die Feldspieler waren mit Zweikämpfen und angesichts von zeitweise 70 Prozent Ballbesitz der Engländer mit der Arbeit gegen den Ball beschäftigt.

Obwohl Wales dringend auf einen Sieg angewiesen war, agierte das Team von Chefcoach Rob Page extrem abwartend. "Wir müssen eine Vorstellung zeigen, auf die unsere Anhänger stolz sind - egal, ob wir weiterkommen oder nicht", hatte Page gefordert, doch die Drachen hatten spielerisch nur wenig zu bieten.

Stattdessen übernahm der EM-Zweite früh die Kontrolle und erspielte sich immer wieder gefährliche Aktionen über den auffälligen Manchester-City-Profi Foden: Erst zielte der 22-Jährige bei einem Flachschuss zu ungenau (15.), später schoss er nach sehenswerter Kombination über BVB-Star Bellingham drüber. Auch die Versuche von Abwehrchef Harry Maguire, der nach entschlossenem Solo ins Seitenaus schoss, und von Rashford per Seitfallzieher waren keine echte Gefahr.

Nach der Pause ging es ohne Bale weiter - dafür mit einem Traumtor. Eine weitere tolle Einzelaktion von Foden brachte einen Freistoß, den Rashford aus gut 20 Metern ins rechte obere Toreck verwandelte. Die Waliser waren kurzzeitig unsortiert und fingen sich innerhalb von 96 Sekunden direkt ein zweites Tor: Der bei der WM als verkappter Spielmacher agierende Kane brach über rechts durch und spielte scharf in die Mitte, wo Foden einschob und damit vorzeitig seine Leistung krönte. Zur Melodie von "Jingle Bells" sangen Englands Fans und feierten damit den Einzug in die Runde der letzten 16. Rashford legte noch einmal den Turbo ein und besorgte das 3:0.

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