Vertreterinnen von Zarok besuchen den Nordirak

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 29. Oktober 2019

Kenzingen

Angespannte Situation durch türkische Militäroffensive.

KENZINGEN (BZ). Die Freude über die erfolgreiche Entwicklung der eigenen Projekte vor Ort wurde überlagert von der Sorge der kurdischen Bevölkerung über die türkische Militäroffensive in Syrien. Das berichteten die beiden Vorsitzenden des Kenzinger Vereins Zarok, Susanne Dorer und Sigrid Leder-Zuther, in einer Pressemitteilung. In der vorvergangenen Woche sind sie aus dem Nordirak zurückgekehrt. Der Kenzinger Verein setzt sich für die Belange jesidischer Frauen und Mädchen in nordirakischen Flüchtlingslagern ein.

Ein erster Besuch der Pop-Up-Schule in Kharshaniya, die vom Kooperationspartner Panaga Organization for Education nahe Sharya betrieben wird, zeigte, wie beliebt das Angebot bei den jesidischen Kindern sei. Beide Vertreterinnen von Zarok überzeugten sich während eines Schulnachmittages von der Qualität der pädagogischen Angebote. Im Wechsel standen Sportangebote, Englisch, Hygiene und Sprachentwicklungsprogramme auf dem Programm.

Noch kann die leerstehende Schule spätnachmittags genutzt werden. Die Bauruine wird derzeit saniert und umgebaut, 63 Familien, die Unterschlupf gefunden hatten, mussten das Gebäude verlassen und leben jetzt in selbstgebauten Hütten ohne Strom und fließendem Wasser rund um das Gelände. Für zwei Monate Schulbetrieb in der mobilen Schule setzt Zarok 2000 Dollar ein.

Im Flüchtlingslager Domiz freuten sich die Teilnehmerinnen der Nähgruppe, ihre Ausbildungszertifikate von den beiden Vertreterinnen des Kenzinger Vereins entgegen zu nehmen. Computerkurse, Englischunterricht und Alphabetisierung gehören auch zum Angebot der Frauenorganisation The Lotus Flower, die das Girls and Women Empowerment Center im Lager betreibt. Zarok fördert die Arbeit im Center seit mehr als einem Jahr dauerhaft, diesmal für einen Zeitraum bis März 2020 mit 3000 Dollar.

Umweltschutz und Müllvermeidung wurden sowohl im Flüchtlingslager Domiz als auch in Sharya in verschiedenen Frauengruppen thematisiert. Susanne Dorer und Sigrid Leder-Zuther hatten dazu mehr als einhundert wiederverwendbare bunte Einkaufstaschen mitgebracht. Die Beutelchen sollen die Menge der Plastiktüten reduzieren.

Im Lager Rwanga nahe Qadya stellten die beiden Vertreterinnen von Zarok fest, dass das Selbsthilfeprojekt Bäckerei und Café "Hope" inzwischen wirtschaftlich arbeitet und den Frauen ein gutes Auskommen ermöglicht.

Schließlich erkundeten Leder-Zuther und Dorer Hilfsmöglichkeiten für ankommende Flüchtlinge aus den umkämpften syrischen Gebieten direkt an der Grenze im Gespräch mit den zuständigen Peschmerga. Für dringend benötigte Hygieneartikel wurden spontan 1500 Dollar eingesetzt. Realisiert wird die Hilfe für Frauen und Kinder von The Lotus Flower im Erstaufnahmecamp Bardarash, nordöstlich von Erbil. Bis Ende der vergangenen Woche waren rund eintausend Flüchtlinge über die syrisch-irakische Grenze gekommen, insgesamt drei Flüchtlingslager wurden von der Autonomen Region Kurdistan im Irak für die Ankommenden vorbereitet. Die Stimmung in der Region ist angespannt, die Kurden verfolgen die militärische und politische Entwicklung im nahen Nordostsyrien sehr aufmerksam, heißt es.

Mehr Informationen zum Verein im Internet unter: http://www.zarok.de