Wetteinsatz

Vier Pfarrer nehmen ein Bad im eiskalten Fluss Wiese

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Di, 03. Dezember 2019 um 17:04 Uhr

Lörrach

Bei der Wette ging es um die Beteiligung an der Kirchenwahl in Lörrach. Trocken blieb nur, wer am meisten Gläubige an die Urne locken konnte: Luca Ghiretti.

Eine mutige Aktion hatten sich die Lörracher Pfarrerinnen und Pfarrer in diesem Jahr für die Ältesten-Wahlen der Evangelischen Landeskirche überlegt. Um die Beteiligung zu erhöhen, hatten sie versprochen, dass jene trotz eisiger Temperaturen in der Wiese baden gehen, die nicht die höchste Wahlbeteiligung in Lörrach erzielten. Am Dienstag um 12 Uhr lösten sie ihr Versprechen an der Tumringer Brücke ein. Nur Luca Ghiretti von der Kirchengemeinde Tüllingen durfte auf dem Trockenen bleiben.

Sportlich zeigten sich Markus Schulz von der Christusgemeinde und Juliane Rupp von der Friedens- und Salzertgemeinde. Hochmotiviert joggten sie zum Treffpunkt. Ganz entspannt hingegen kam Tobias Walkling von der Lucasgemeinde Inzlingen bereits in Badehose gemeinsam mit seinem Hund. Gut vorbereitet mit Bademantel und Mütze war auch Gudrun Mauvais von der Matthäusgemeinde. Sie alle hatten in ihren Gemeinden eine geringere Wahlbeteiligung als Luca Ghiretti, in dessen Gemeinde 26 Prozent vom Wahlrecht Gebrauch gemacht hatten. In den übrigen Gemeinden lag die Beteiligung darunter. Ghiretti blieb trocken, hatte aber fürsorglich warmen Tee für die anderen dabei.



Bei den Kirchenwahlen werden die ehrenamtlichen Kirchenältesten für sechs Jahre gewählt. Abstimmen durften Gemeindemitglieder ab 14 Jahre. Erstmals durften bereits 16-Jährige gewählt werden. Mit den Pfarrern und Gemeindediakonen bilden die Gewählten den Ältestenkreis, der unter anderem über die Gemeindefinanzen und Personalfragen entscheidet. Die offiziellen Ergebnisse werden erst in der kommenden Woche bekannt gegeben, da zunächst das Ergebnis noch rechtlich angefochten werden könne, erklärte Mauvais.

Den Ehrenamtlichen den Rücken stärken

Umringt von Kameras und Mikrofonen gingen Tobias Walkling, Markus Schulz, Gudrun Mauvais und Juliane Rupp baden. Während sich Tobias Walkling in Badehose, Markus Schulz im Neoprenanzug und Gudrun Mauvais im Badeanzug eher zögerlich ins Wasser wagten, sprang Juliane Rupp beherzt voran. Auch eine gelbe Ente war mit von der Partie. Nach dem kurzen Bad wärmte sich das Quartett mit Handtüchern, Bademänteln und einer Tasse heißem Tee an Land wieder auf und gab Interviews.

Es sei nicht schlimm gewesen, bilanzierte Walkling. Es sei bei der Aktion nicht um die Gewinner und Verlierer gegangen, sondern darum, den Ehrenamtlichen den Rücken zu stärken. "Wir leben in einer Zeit, in der Partizipation und Beteiligung wieder in Frage gestellt werden", sagte er. Hier wolle er einen Akzent setzen. Viele hätten in der Vergangenheit bereits große Opfer für die Demokratie und die große Freiheit des Einzelnen und der Gemeinschaft gebracht. Hier wolle er im Kleinen seinen Einsatz geben. "Um das ging es mir", erklärte er.

Deutlicher Unterschied zwischen Stadt und Land

Deutlich gezeigt habe sich der Unterschied zwischen den Dorf- und Stadtgemeinden. In den städtischen Gemeinden sei es schwerer, die Menschen zur Wahl zu bewegen, da man nicht so fest in eine Gemeinschaft integriert sei. Dies sei in den dörflicheren Gemeinden anders, was sich auch in der Wahlbeteiligung in Lörrach widergespiegelt habe. Dem schloss sich Gudrun Mauvais an. "Das wussten wir bereits vorher", erklärte sie.

Auch wenn die Aktion am Ende zu keiner deutlich höheren Wahlbeteiligung geführt habe, hätten sie einige Gemeindemitglieder darauf angesprochen. So sagte sie: "Wichtig war uns, den Blick ganz auf die Ehrenamtlichen und deren Unterstützung zu richten."