Viren-Schnipsel im Erbgut?

dpa

Von dpa

Do, 24. Dezember 2020

Gesundheit & Ernährung

Vorab veröffentlichte Studie.

Eine mögliche Erklärung für wiederholt positive PCR-Tests auch nach überstandener Corona-Infektion liefert eine Untersuchung von US-Forschern: Demnach könnten in sehr seltenen Fällen kleine Schnipsel des Coronavirus-Erbguts in das menschliche Erbgut eingebaut werden.

Dies könnte im PCR-Test eine Infektion vortäuschen – obwohl die Viren längst aus dem Körper verschwunden sind, berichten die Wissenschaftler in ihrer Vorabveröffentlichung, die noch nicht von unabhängigen Forschern geprüft wurde. Ganze Viren, die eine neuerliche Erkrankung auslösen oder andere Menschen anstecken, könnten infolge der Erbgut-Übernahme aber nicht gebildet werden, so die Wissenschaftler um Rudolf Jaenisch vom Massachusetts Institute of Technology.

Fachkollegen beurteilen die Arbeit als spannend und die dargelegten Prozesse als prinzipiell glaubhaft, sehen aber überwiegend keine biologische Bedeutung der gezeigten Abläufe. Gemeinhin heißt es, dass eine Integration von Coronavirus-Erbgut in das menschliche Erbgut aus biologischen Gründen nicht möglich ist, weil die Erbinformationen in unterschiedlicher Form vorliegen: beim Virus in Form von RNA, beim Menschen in Form von DNA. Mit Blick auf die neuen mRNA-Impfstoffe war diese Befürchtung gelegentlich geäußert worden. Als Antwort darauf betonte etwa Joachim Denner vom Robert-Koch-Institut: "Völlig ausgeschlossen wird jedoch sein, dass der RNA-Impfstoff in DNA umgeschrieben und integriert wird." Dass es unter extremen Umständen womöglich doch möglich ist, dass RNA-Schnipsel integriert werden, zeigt nun die neue Arbeit.