Kreiseigenes Freilichtmuseum in Gutach

"Vogtsbauernhof" rechnet mit 1,21 Millionen-Minus

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Di, 30. Juni 2020 um 19:00 Uhr

Offenburg

Das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof hatte wegen Corona weniger Besucher. Eigentlich war 2020 mit 70 000 Euro Gewinn gerechnet worden.

Die Saison 2020 dürfte für das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof die schwierigste der vergangenen Jahrzehnte sein, vielleicht sogar in der Geschichte des 1964 eröffneten Museums überhaupt. Wegen Corona hat sie erst verspätet begonnen, derzeit sind nur begrenzt Tagesgäste zugelassen. Die Besucherzahlen vergangener Jahre sind 2020 mit Sicherheit nicht zu erreichen. Die Museumsleitung geht von einem Jahresverlust von 1,21 Millionen Euro aus.

Infolge der Corona-Pandemie konnte das Freilichtmuseum die Saison erst mit siebenwöchiger Verzögerung eröffnen, unter Einhaltung strenger Schutz- und Hygieneauflagen. Die Auflagen besagen zudem, dass zunächst keine Veranstaltungen, Programme, Führungen oder Handwerkspräsentationen angeboten werden durften. Die Zahl der Besucher, die sich gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten können, ist bis auf Weiteres auf 1000 Personen beschränkt. Die Spieltenne im Falkenhof, der Dachboden der Kindheit, die Museumswerkstatt und das Waldlabyrinth – populäre "interaktive" Bereiche – müssen vorerst geschlossen bleiben.

An die Zahl von 210 000 Besuchern, die sich 2019 auf dem Gelände aufhielten, ist nicht zu denken. Das Areal rund um den namensgebenden Vogtsbauernhof war damit erneut das besucherstärkste Freilichtmuseum in Baden-Württemberg. "Angesichts des erneuten Hitzesommers während unserer Hauptsaison sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden", bewertete Geschäftsführerin Margit Langer zum Saisonende die Jahreszahlen 2019.

Mit Ursache für nicht noch bessere Zahlen seien Streckensperrungen der Bahn aufgrund von Gleisarbeiten und die mehrwöchige Sperrung der Ortsdurchfahrt in Gutach gewesen.

Und 2020 nun Corona. Im Dezember 2018 hatte der Kreistag den aktuellen Wirtschaftsplan beschlossen. Dieser sah für 2020 einen Jahresgewinn von 70 000 Euro vor. Doch daraus wird nichts, auch wenn durch die vom Land ausgesprochenen Lockerungen ab dem 1. Juni wieder Kleinveranstaltungen wieder möglich sind, etwa Präsentation von altem Handwerk im Außenbereich oder Präsentationen von Trachten. Zudem können museumspädagogische Programme mit Voranmeldung durchgeführt werden, und auch Führungen für Gruppen bis maximal 20 Personen sind unter freiem Himmel möglich. Die historischen Gebäude sind geöffnet. Mühlen- und Sägevorführungen, Koch- und Backvorführungen, Handwerkspräsentationen im Innenbereich sowie Großveranstaltungen sind bis auf Weiteres aber nicht möglich. Programm-Alternativen sind ausgearbeitet worden.

Infolge der Reisebeschränkungen und Kontaktsperren haben bereits vor Saisonbeginn zahlreiche in- und ausländische Kunden sowie Reisegesellschaften ihre Gruppenreisen bis in die zweite Saisonhälfte storniert. Auch Schulklassen haben bis zu den Sommerferien Buchungen abgesagt. Museumsleiterin Margit Langer rechnet mit einem Besucherrückganggegenüber 2019 von 60 bis 70 Prozent, was einem Jahresverlust von 1,21 Millionen Euro entspreche. Der Vermögensplan weise trotz Einsparungen durch Investitionen, die verschoben werden, für das laufende Jahr eine Deckungslücke von rund 620 000 Euro aus.