Vom Fisch in die Leber

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 10. April 2021

Bildung & Wissen

Freiburger Forschung zur Herkunft von Hepatitis-B-Viren.

Hepatitis-B-Viren vermehren ihr Erbgut über eine komplexe und einzigartige Strategie, deren evolutionärer Ursprung bislang unbekannt war. Eine neue Studie zeigt nun, dass spezielle Fischviren evolutionär mit Hepatitis-B-Viren verwandt sind, wie das Uniklinikum Freiburg mitteilt. Die Studie der Uniklinik und der Uni Heidelberg ist online in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht worden.

Die Freiburger Forscher verglichen die Erbinformationen von Hepatitis-B-Viren mit denen einer erst im Jahr 2017 entdeckten Familie von Fischviren. Diese besitzen keine äußere Hülle und wurden daher von ihren Heidelberger Entdeckern als "nackte" DNA-Viren bezeichnet und in Anspielung auf den schwäbischen Dialekt "Nackednaviren" getauft.

Die evolutionäre Entwicklung der beiden Virusfamilien trennte sich nach Berechnungen von Jürgen Beck aus der Arbeitsgruppe für Molekulare Virologie an der Freiburger Uniklinik und seinen Kollegen vor rund 400 Millionen Jahren. Die Wissenschaftler stellten nun fest, dass Hepatitis-B-Viren und Nackednaviren den gleichen Mechanismus nutzen, damit viruseigenes Erbgut und die Virus-Proteine in den menschlichen Zellen zusammenfinden. Dieser sei ein guter Angriffspunkt für die Entwicklung neuartiger Therapeutika gegen das humane Hepatitis-B-Virus (HBV), so die Uniklinik.

HBV ist ein bedeutender Krankheitserreger: Mehr als 250 Millionen Infizierte leiden an einer chronischen, oft lebenslangen Erkrankung der Leber, die jährlich fast eine Million Todesfälle nach sich ziehe, so die Uniklinik.