Geschichte

Vor 100 Jahren starb Caritas-Gründer Lorenz Werthmann

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 11. April 2021 um 12:46 Uhr

Südwest

BZ-Plus Caritas-Gründer Lorenz Werthmann, der heute vor 100 Jahren starb, verschrieb sich der sozialen Fürsorge – und befürwortete den Kolonialismus. Erinnerungen an eine ambivalente Persönlichkeit.

Das 19. Jahrhundert war für die katholische Kirche in Deutschland mit tiefen Einschnitten, mit Bedeutungs- und Machtverlust verbunden. Am Anfang des Jahrhunderts enteigneten die rechtsrheinischen Länder in Folge der napoleonischen Expansion Klöster und Ländereien der Kirche. Dann riss die allmählich voranschreitende Industrialisierung dörfliche Milieus auseinander, zerstörte traditionelle Familienverbände, verursachte Arbeitslosigkeit und Unsicherheit für Millionen Menschen und entfremdete sie damit auch von ihrer Kirche.
Armut wurde jetzt nicht mehr bloß als Teil der göttlichen Ordnung verstanden, sondern sie war auch Folge vielfältiger Störungen. Darauf musste der industriekritische Katholizismus Antworten finden.
Politik und Kirchenpolitik lernt Werthmann im Elternhaus
In diese neue, komplizierte Welt wurde 1858 im katholischen Städtchen Geisenheim im Rheingau Lorenz Werthmann als Sohn eines Gutsverwalters hineingeboren. Politik und Kirchenpolitik lernte Werthmann im Elternhaus von seinem Vater Johann kennen, der Mitglied im Gemeinderat und Kirchenvorstand war. Schon als Kind soll Werthmann sehr lernbegierig gewesen sein. Nach der Volks- und Realschule besuchte der Knabe das Gymnasium in Hadamar bei Limburg, wo er 1873 im bischöflichen Konvikt Aufnahme fand und den seit der Reichsgründung tobenden Kulturkampf zwischen Staat und katholischer Kirche aus nächster Nähe erleben konnte.
Reichskanzler Otto von Bismarck hatte 1871 den Machtkampf mit der katholischen Kirche aufgenommen und mit harten Schlägen versucht, deren Einfluss zurückzudrängen. Insbesondere der 1870 im Ersten Vatikanischen Konzil erhobene Unfehlbarkeitsanspruch des Papstes in der Glaubens- und Sittenlehre weckte Bismarcks Argwohn. Fortan war es Geistlichen im Deutschen Reich verboten, sich öffentlich in staatliche Angelegenheiten einzumischen; der ...

Jetzt diesen Artikel lesen!

Entscheiden Sie sich zwischen kostenloser Registrierung und unbegrenztem Zugang, um sofort weiterzulesen.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel/Monat lesen - inkl. BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel
  • Redaktioneller Newsletter mit den wichtigsten Nachrichten aus Südbaden
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten. Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.

Registrieren

kostenlos

  • 5 Artikel pro Monat lesen

  • Redaktioneller Newsletter

  • Nutzung der Kommentarfunktion

Die eingegebene E-Mail Adresse ist bereits registriert.
Hier können Sie sich anmelden
Diese E-Mail-Adresse ist bereits registriert aber nicht aktiv.
Aktivierungslink erneut zuschicken

BZ-Digital Basis

10,90 € / Monat

  • Lesen Sie alle Artikel auf badische-zeitung.de
  • Unbegrenzter Zugang zur News-App mit optionalen Push-Benachrichtigungen
  • Entdecken Sie Südbadens kulinarische Welt mit dem BZ-Straußenführer, BZ-Restaurantführer und BZ-Vesper
  • Abonnenten der gedruckten Zeitung erhalten BZ-Digital Basis zum exklusiven Vorteilspreis

Anmeldung