Waldshut-Tiengen kämpft gegen die Tauben-Plage

Juliane Schlichter

Von Juliane Schlichter

Do, 12. Mai 2022

Kreis Waldshut

Verunreinigungen sorgen vermehrt für Beschwerden / Ortspolizeibehörde plant eine Kampagne / Fütterungsverbot soll ins Bewusstsein rücken / Basel als Vorbild.

. Tauben gehören zum gewohnten Stadtbild von Waldshut-Tiengen. Doch seit einigen Jahren gehen beim Ordnungsamt vermehrt Beschwerden über die graugefiederten Vögel und ihre Hinterlassenschaften ein. Denn Taubenkot verschmutzt inzwischen weite Teile der Innenstädte. Mit einer Kampagne will die Stadtverwaltung die Population nun eindämmen.

Die Ursache für die starke Vermehrung der Tauben sieht Jürgen Wiener, Leiter der Ortspolizeibehörde, unter anderem in den baulichen Gegebenheiten, wie er in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats erläuterte. "Die Gebäude mit ihren Innenhöfen laden Tauben geradezu zum Nisten ein", sagte er über die Häuserzeilen in der Waldshuter Kaiserstraße, Wallstraße und Rheinstraße. Wie Wiener berichtete, brüten in manchen Innenhöfen bis zu 30 Taubenpaare. "Zum Teil liegt dort eine mehrere Zentimeter hohe Kotschicht", fügte er hinzu. Einen weiteren Taubenschlag einzurichten, sieht Wiener nicht als geeignetes Mittel, um das Problem in den Griff zu bekommen. Laut Experten suchen sich Tauben nach ein bis zwei Fehlversuchen einen neuen Brutplatz, wenn im bestehenden Nest kein Nachwuchs schlüpft.

2012 hatte die Stadt einen Taubenschlag in der früheren öffentlichen Toilettenanlage unterhalb der Waldshuter Seltenbachbrücke eingerichtet. Dort kümmert sich Marianne Baumgartner ehrenamtlich um die Tiere. "Sie füttert sie artgerecht und ersetzt die Eier durch Nachbildungen aus Ton", berichtete der Leiter der Ortspolizeibehörde. Etwa 200 falsche Eier würden jährlich im Nest der Tauben landen, sagte Baumgartner auf Nachfrage in der Sitzung. Die echten Eier werden vernichtet.

Um die Taubenpopulation einzudämmen, hat sich die Ortspolizeibehörde laut Jürgen Wiener unter anderem Rat vom Veterinäramt, von einem Falkner und dem Naturschutzbund geholt und anschließend mehrere Lösungsansätze ausgearbeitet. "Völlig unwirksam ist die Anti-Baby-Pille", nannte er eines der Mittel. Als ebenfalls nicht zielführend sieht er den Abschuss von Tauben und den Einsatz von Gift. Die Tiere einzufangen und auszusetzen erweise sich als zu aufwendig, da der neue Standort 300 Kilometer entfernt liegen müsste.

Stattdessen will die Stadt mit einer Kampagne für das Taubenproblem sensibilisieren. Vorbild dafür sei Basel, das mit einer breit angelegten Öffentlichkeitskampagne für das Taubenfütterungsverbot geworben habe. Die Population sei als Folge nachweislich dezimiert worden. Den gleichen Effekt erhofft sich Wiener für Waldshut-Tiengen. Über Flyer und Plakate sowie über das städtische Mitteilungsblatt und digitale Medien soll auf das Fütterungsverbot hingewiesen werden, das laut Wiener zwar schon lange besteht, aber vereinzelt missachtet wird. Erst wenn die Maßnahme nicht zum erhofften Erfolg führen sollte, erwägt die Ortspolizeibehörde die Einführung einer Allgemeinverfügung für Hauseigentümer. Diese würden dann dazu verpflichtet werden, ihre Gebäude mit Hilfsmitteln wie Spikes und Netzen zu schützen.

Der Gemeinderat begrüßte die Kampagne. Grünen-Fraktionssprecherin Petra Thyen bezeichnete den Flyer als "gelungen", bemerkte aber, dass er nach ihrem Geschmack zu viel Text enthalte. FDP-Stadtrat Raimund Walde kritisierte, dass das Fütterungsverbot in der Vergangenheit zu wenig kontrolliert worden sei. Tauben sind für Harald Würtenberger, Fraktionssprecher der Freien Wähler, "nichts anderes als Flugratten", wie er in der Sitzung erklärte. "Weg mit dem Zeug – die Methode ist mir egal", drückte er sich unverblümt aus. Anette Klaas sprach sich vehement gegen den Einsatz von Gift aus, da nicht ausgeschlossen werden könne, dass Katzen und Hunde in Kontakt mit den verendeten Tauben kommen. Obwohl die Ortspolizeibehörde das Jagen von Tauben durch Raubvögel ausgeschlossen hatte, stellte Armin Arzner von der CDU-Fraktion den Antrag, probeweise einen Falkner einzusetzen. Eine große Mehrheit befürwortete den Vorschlag.