"Wanderer durch die Vorstellungskraft"

Helmut Rothermel

Von Helmut Rothermel

Fr, 10. Januar 2020

Waldkirch

Ausstellung des Druckgrafikers Patrick Fauck im Kunstforum / Eine Besonderheit sind seine Lichtdrucke.

WALDKIRCH. Beim GeorgScholzHaus-Kunstforum ist ab Sonntag eine Ausstellung mit Werken des Leipziger Graphikers Patrick Fauck zu sehen. Der Künstler sagt von sich selbst, dass Druckgrafik für ihn kein "schmückendes Beiwerk" als Erweiterung des Repertoires wie bei einem Maler oder Bildhauer sei, sondern künstlerischer Hauptweg und Passion. Die unterschiedlichen und unverwechselbaren Charakteristika von drucktechnischen Disziplinen wie Radierung, Holz- und Linolschnitt, Lithographie und Siebdrucken seien ihm Anreiz und Mittel für die Freisetzung von Kreativität.

Eine besondere Rolle im Schaffen von Patrick Fauck nimmt der heute schon fast in Vergessenheit geratene Lichtdruck ein. Dabei wird eine mit einer lichtempfindlichen Chromatgelatineschicht bedeckte Glasplatte unter einem Fotonegativ des Originals belichtet und dann als Druckform verwendet. Die Gelatineschicht wird bei der Belichtung teils gegerbt und es entsteht ein Positiv. Im Druckprozess nimmt die Schicht an den gegerbten Stellen die nun aufgetragene Farbe an und stößt sie an den nicht gegerbten Stellen ab. Die Farbe wird dann direkt unter dem Druck eines Druckzylinders an den Bedruckstoff abgegeben.

Mit diesem Verfahren ist es möglich, auf Druckträgern wie Papier, Karton oder Naturpergament feine Linien und Verläufe in allen Tonwerten herzustellen. Sogar Experten haben Schwierigkeiten, die Reproduktion vom Original zu unterscheiden. Entwickelt wurde das Verfahren Mitte des 19. Jahrhunderts von den Pionieren der Fotografie. Heute gibt es Lichtdruckereien nur noch in Kyoto (Japan), Peking (China) und eben in Leipzig. Dies war auch ein Grund für den gebürtigen Saarländer Fauck, sich in Sachsen niederzulassen.

In seinen Arbeiten vermischt Patrick Fauck mit ironischem Unterton bildende Kunst und Sprache. Anknüpfend an Karikaturen und Collagen, an Dadaismus und Surrealismus, zeigt er auf treffende und humorvolle Art Widersprüche auf und hinterfragt festgefügte Strukturen. Geflügelte Worte und bekannte Sätze werden von ihm in teilweise überraschenden und dabei erhellenden Deutungen neu interpretiert. So wird er zu einem "Wanderer durch die Vorstellungskraft" , wie die Kulturwissenschaftlerin Dorothea List formulierte.

Eine in der Waldkircher Ausstellung zu sehende Ätzung trägt den Titel "Veni, vidi, vici" ("Ich kam, sah und siegte"). Mit diesen prahlerischen Worten beschrieb der römische Feldherr und Staatsmann Julius Cäsar einen seiner glorreichen Siege auf dem Schlachtfeld – und zwar aus der Perspektive des gefeierten Siegers. Fauck dreht die Perspektive um und zeigt das Ergebnis der Schlacht für die Opfer: Mit Boxhandschuhen schreitet der als todbringendes Skelett dargestellte Feldherr in der Pose eines Terminators oder John Waynes über ein Trümmerfeld.

"Noli me tangere" ("Berühre mich nicht") heißt eine Strichätzung von Fauck. Laut Johannesevangelium richtete Christus nach seiner Auferstehung diesen Ausspruch bei einer Erscheinung an Maria Magdalena. In Faucks Interpretation ist es eine nackt in einem Blumentopf sitzende Frau mit Kakteenstacheln.

Der "Stromanbieter" wird zu einem neuen Prometheus, der dem Menschen zwar nicht das Feuer, aber eine Glühbirne bringt.

In Waldkirch sind ab kommendem Sonntag 50 Werke des Künstlers zu sehen, die mit ihrem Witz, ihrer Vielfalt und Originalität den Ausstellungsbesuch zu einem anregenden Vergnügen machen. Wer möchte, kann eines oder mehrere der Werke auch erwerben.