Warnung vor Hitzestress in der Kurstadt

Frank Schoch

Von Frank Schoch

Fr, 02. Juli 2021

Bad Krozingen

Wissenschaftler skizzieren die Folgen des Klimawandels in Bad Krozingen / Anstieg von 4 Grad bis 2100.

. Klimaschutz ist in aller Munde. "Dieser muss prioritär behandelt werden", sagte auch Hartmut Fünfgeld vom Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie an der Universität Freiburg, in der jüngsten Sitzung des Bad Krozinger Gemeinderats. Da die Folgen der Klimaveränderung aber bereits vielerorts spürbar sind, gelte es auch für kleinere und mittlere Kommunen, sich an diesen Wandel anzupassen. Dies ist der Ansatz des Uni-Projekts LoKlim – Lokale Strategien zur Klimawandelanpassung –, bei dem die Stadt Bad Krozingen seit einem Jahr eine von drei Modellkommunen in Baden-Württemberg ist. Gemeinsam mit Stefanie Lorenz gab Hartmut Fünfgeld einen Zwischenstand.

Im Kern des Projekts stehen Austausch, die Entwicklung von anwendungsorientierten Instrumenten und die Begleitung kommunaler Akteure und Institutionen bei der planerischen Umsetzung lokal-spezifischer Anpassungsprozesse, wie es zunächst relativ unkonkret hieß. Klarer wurde es, als Fünfgeld gemeinsam mit Co-Projektleiterin Stefanie Lorenz die bereits sichtbaren und die noch drohenden Folgen des Klimawandels für Bad Krozingen skizzierte.

Laut aktueller Daten werde sich die mittlere Jahrestemperatur in der Kurstadt bis 2050 um ein Grad auf etwa 12 Grad Celsius erhöhen. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde dieser Mittelwert bei der jetzigen Entwicklung um sogar vier Grad ansteigen. "Das spricht Bände", so Fünfgeld. "Noch wichtiger aber ist die Anzahl der heißen Tage." Derzeit gebe es null bis fünf Tage mit Tropennächten über 20 Grad. Ab 2050 sollen es zwischen 15 und 20 Tagen sein. "Dies hat massive gesundheitliche Auswirkungen, die gerade in einer Gesundheitsstadt berücksichtigt werden sollten", so Lorenz. Bei Daten, die speziell den "Hitzestress" für Menschen über 65 Jahren berücksichtigen, liegt Bad Krozingen im höchsten Bereich.

Daneben gebe es bereits heute Folgen für Natur, Landwirtschaft und Infrastruktur. Beispielhaft wurden genannt: erhöhter Bewässerungsbedarf für Grünanlagen mit den damit verbundenen Mehrkosten für Gerät, Arbeitsstunden und Wasser; längeres Austrocknen des Neumagen; Straßenbäume sind stark von Hitze betroffen, verbunden mit Mehraufwand für die Verkehrssicherung; erhöhter Kühlungs- und Beschattungsbedarf in sozialen Einrichtungen wie Kindergärten; und auch die Gefahr von Waldbränden steigt. "Der Oberrhein ist Hotspot der Klimafolgen", so Fünfgeld.

Genaue Daten zur Klimaentwicklung nicht nur in Bad Krozingen, sondern in allen Kommunen in Baden-Württemberg hat das LoKlim-Projekt zusammengestellt und vor zwei Wochen für jedermann zugänglich online präsentiert. In diesen Klimasteckbriefen finden sich etwa Angaben zu Temperatur, Niederschlag, heißen und frostigen Tagen und deren prognostizierter Entwicklung bis ins Jahr 2100.

In den seit Jahresbeginn regelmäßig stattfindenden Treffen von Mitarbeitern der Uni Freiburg und der Stadtverwaltung Bad Krozingen wurden lokale Herausforderungen thematisiert. Daran anschließend entstanden drei prioritär zu behandelnde Themenbereiche: erstens Stadt- und Raumplanung, Bauen und Wohnen, Verkehr; zweitens Gesundheit, Tourismus, Wirtschaft; drittens Naturschutz und Biodiversität, Landwirtschaft, Wasser. Zu diesen – groß gefassten – Themenbereichen sollen in mehreren Workshops, auch mit Teilnahme von Gemeinderäten und des Arbeitskreises Klimaschutz, bis Frühjahr 2022 die Ausgangslagen analysiert und klimaschützende Entwicklungen vorangetrieben werden.

Klimasteckbriefe der Gemeinden im Land unter mehr.bz/klimasteckbrief