Interview mit Albrecht Ziervogel

Warum Papstgegner den Pontifex nicht in Freiburg sehen wollen

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Fr, 15. Juli 2011 um 12:16 Uhr

Freiburg

"Freiburg ohne Papst" heißt eine Gruppe von Bürgern, die den Besuch von Papst Benedikt XVI. ablehnen. Was sind ihre Motive? Der 71-jährige Sozialarbeiter und Jurist Albrecht Ziervogel, Sprecher der Gruppe, gibt Auskunft.



BZ: In Leserbriefen haben sich Bürger sehr verärgert über Ihr Logo, ein über das Münster gezogenes Kondom, geäußert, sie fanden das niveau- und geschmacklos. Wollen Sie provozieren?
Albrecht Ziervogel: Ein gewisses Maß an Provokation ist natürlich beabsichtigt. In unserer Gesellschaft ist man so daran gewöhnt, alles auf die Gefühlslage und Empfindsamkeit der katholischen Kirche abzustellen. Die Menschen sind bei der kleinsten kritischen Bemerkung schnell verletzt, ihnen ist es aber ganz egal, wie die katholische Kirche mit ihren moralischen "Positionen" andere Leute am laufenden Band verletzt, zum Beispiel die Schwulen und die Frauen, die nicht Priesterinnen werden dürfen und in keiner Weise gleichberechtigt sind. Wir wollen durch diese kleinen Nadelstiche deutlich machen: "Seht her, so geht es einem, wenn man auf der anderen Seite sitzt." Ich frage die Kritiker des Kondomlogos: Können Sie sich vorstellen, warum uns genau das eingefallen ist? Es geht uns nicht um die Person des Joseph Ratzinger, sondern darum, dass er das Oberhaupt einer Gemeinschaft ist, die eine verquere Geschlechterpolitik betreibt, welche menschenverachtend im Hinblick auf Schwule und Lesben ist.

BZ: Sie können also mit dem Vorwurf leben, geschmacklos zu sein?
Ziervogel: Oh ja, sehr gut. Wir haben so viel Munition für ...

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