Fragen & Antworten

Warum sind Diesel und Benzin eigentlich gerade so teuer?

Christof Rührmair

Von Christof Rührmair (dpa)

Mo, 18. Oktober 2021 um 18:16 Uhr

Wirtschaft

Seit Monaten steigen die Spritpreise - doch was treibt sie und wie viel bekommt der Staat? Wann ist der beste Zeitpunkt zum Tanken? Welche Apps sind hilfreich? Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Diesel ist an der Zapfsäule so teuer wie noch nie, Superbenzin nähert sich seinem Allzeithoch. Doch wie kommen die Spritpreise zustande, welche Rolle spielt der CO2-Preis und kostet der Sprit jetzt bald 2 Euro? Antworten auf zentrale Fragen.



Warum wird Sprit derzeit immer teurer?

Die Ursache liegt vor allem im steigenden Erdölpreis. Binnen eines Jahres hat er sich in etwa verdoppelt und erreichte am Montag mehrjährige Höchststände. Die für Europa wichtige Sorte Brent lag bei Werten um 86 Dollar pro Barrel (159 Liter). Der langfristige Anstieg beim Öl liegt an der weltweiten wirtschaftlichen Erholung nach Corona. Seit einigen Wochen gibt es zudem Sorgen vor einem Angebotsdefizit. Bei Diesel gibt es zudem eine saisonale Komponente, da im Herbst typischerweise auch die Nachfrage nach dem sehr ähnlichen Heizöl anzieht.

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?

Ein großer Teil des Spritpreises sind Steuern und Abgaben. Die Energie- beziehungsweise Mineralölsteuer macht bei Superbenzin 65,45 Cent pro Liter aus, bei Diesel sind es 47,07 Cent. Dazu kommt die Mehrwertsteuer - beim aktuellen Preisniveau sind das knapp 27 Cent bei Super E10 und rund 25 Cent bei Diesel.

Der seit Jahresbeginn anfallende CO2-Preis sorgt für zusätzliche Kosten. Je nachdem, wie hoch der Biospritanteil ist, sind das - noch ohne Mehrwertsteuer - gut 5 Cent bei Super E10 und gut 6 Cent bei Diesel. Der Rest teilt sich auf in den Preis für Rohöl und Kosten für die Weiterverarbeitung, Transport, Tankstellen sowie den Gewinn der Mineralölwirtschaft. Diese hat zuletzt aber betont, dass ihre Margen nicht gestiegen seien.

Warum ist Diesel billiger als Benzin?

Der entscheidende Faktor ist der Unterschied bei Mineralöl- beziehungsweise Energiesteuer. Inklusive Mehrwertsteuer macht das theoretisch knapp 22 Cent aus. Weil die Preise für Diesel und Superbenzin im Großhandel aber je nach Nachfrage schwanken, weicht der Preisunterschied an der Tankstelle teilweise deutlich davon ab.

Kostet Benzin jetzt bald zwei Euro?

Das ist eher unwahrscheinlich - zumindest solange es keine zusätzlichen Preistreiber über den Ölpreis hinaus gibt. Bleibe der Wechselkurs des Dollar konstant, müsste der Ölpreis für einen durchschnittlichen E10-Preis von 2 Euro weit über 100 Dollar steigen, sagt ADAC-Experte Jürgen Albrecht. Ein solcher Anstieg sei aber unwahrscheinlich, sagt Albrecht: Die Vereinigung Opec+ habe kaum Interesse daran, die Preise noch weiter steigen zu lassen. Zudem würde dies auch die Fördermethode Fracking attraktiver machen, was die Preise durch ein dann steigendes Angebot zusätzlich bremsen würde.



Dass an einzelnen Tankstellen zu gewissen Zeiten mehr als zwei Euro pro Liter Super verlangt werden, ist damit aber nicht ausgeschlossen. Zum einen gibt es über das vom ADAC beobachtete Super E10 hinaus zahlreiche andere, in der Regel teurere Sorten. Zudem schwanken die Spritpreise je nach Uhrzeit, Region und Tankstelle teils deutlich. Am günstigsten tankt es sich typischerweise abends, am teuersten im morgendlichen Berufsverkehr.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Tanken?

Die Preise an Tankstellen schwanken tagtäglich. Das Bundeskartellamt verzeichnet tägliche Schwankungen an ein und derselben Tankstelle um die zwölf Cent. Bei Tankstellen in Städten sind es im Schnitt sogar bis zu 22 Cent. Laut einer Auswertung des ADAC gilt grundsätzlich: Abends zu tanken ist günstiger als morgens. Wer billig tanken will, der sollte die Tankstelle zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr ansteuern.

Ab circa 6.00 Uhr morgens beginnt laut ADAC ein Preisanstieg, der um kurz nach 7 Uhr morgens seinen Höhepunkt erreicht. Zwar sinkt der Preis anschließend wieder ab, es folgen aber weitere Preisspitzen gegen 10 Uhr, 13 Uhr, 16 Uhr, vor 18 Uhr, vor 20 Uhr und schließlich ab 22 Uhr.

Welche digitalen Angebote gibt es für Autofahrer?

Eine Reihe von Apps ermöglicht es Autofahrern, die aktuellen Spritpreise an Tankstellen in ihrer Nähe abzufragen. Ermöglicht wird dies durch die Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts. Auf seiner Internetseite hat das Bundeskartellamt insgesamt 56 solcher Verbraucher-Anwendungen aufgelistet.

Der ADAC bietet auf seiner Internetseite eine Suchfunktion für günstige Tankstellen. Die Tankstellensuche gibt es unter dem Namen "ADAC Spritpreise" auch als App für IOS- und Android-Smartphones.

Die App "Clever Tanken", erhältlich für IOS, Android, und Windows-Phone, zeigt ebenfalls die günstigste Tankstelle in der Umgebung an. Nutzer können außerdem einen Alarm aktivieren, der sie bei einem festgelegten Tiefpreis per Nachricht alarmiert. Die App kooperiert mit den HEM-Tankstellen - wer bei einer anderen Tankstelle einen günstigeren Preis findet, kann mit einem Screenshot des billigeren Angebots zu einer HEM-Tankstelle gehen und dort exklusiv zu dem günstigeren Preis tanken.


Wo ist der Sprit entlang der Autobahn am günstigsten?

Abseits der Autobahn sind die Spritpreise oft deutlich günstiger als auf den Raststätten. Laut einer Erhebung des ADAC gibt es bedeutende Preisunterschiede zwischen Raststätten und Autohöfen: Der Liter E10 ist auf Autohöfen abseits der Autobahn im Schnitt 26 Cent günstiger, bei Diesel liegt die Differenz bei 25 Cent. In einzelnen Fällen beträgt die Differenz sogar 39 Cent pro Liter Benzin und 34 Cent pro Liter Diesel.

Wie lässt sich Sprit sparen?

Eine sparsame Fahrweise ist gut für Umwelt und Geldbeutel. Der ADAC empfiehlt rechtzeitiges Hochschalten bei einer Drehzahl von circa 2000 Umdrehungen pro Minute und allgemein das Fahren mit niedriger Drehzahl. Zurückschalten sollten Autofahrer erst dann, wenn der Motor ruckelt oder zu brummen beginnt. Autofahrer sollten außerdem auf den richtigen Reifendruck achten.

Auch vorausschauendes Fahren kann helfen, denn Bremsen vergeudet Energie. Die Motorbremse sollte deshalb so lange wie möglich genutzt werden, vor einer Ortschaft sollten Fahrer etwa frühzeitig vom Gas gehen und nicht abrupt abbremsen. Wer voraussichtlich länger als 20 Sekunden stillsteht, beispielsweise an einer roten Ampel, sollte außerdem den Motor abschalten.

Außerdem kann das Abschalten der elektronischen Geräte im Auto Sprit sparen, denn auch Klimaanlage und Standheizung verbrauchen Sprit. Allgemein gilt: Kurze Strecken sollten nicht mit dem Auto zurückgelegt werden.