Polen

Was nach einem radikalen Protest bleibt

Cedric Rehman

Von Cedric Rehman

Mi, 14. Februar 2018 um 12:51 Uhr

Ausland

BZ Plus Aus Protest gegen Polens Regierung zündete sich Piotr Szczesny selbst an. Die junge Generation beeindruckt solches Märtyrertum wenig. Szczesnys Kinder hingegen wollen Verleumdungen entgegentreten.

Einen Augenblick, ehe Piotr Szczesny am Nachmittag des 19. Oktober 2017 ein Feuerzeug an seine mit Lösungsmittel getränkte Kleidung hielt, muss es still gewesen sein auf dem Platz vor dem Warschauer Kulturpalast. Szczesny spielte eine Aufnahme seines Lieblingslieds Kocham Wolnosc ab: "Ich kann so wenig machen/ Ich liebe und verstehe die Freiheit/ Ich kann sie nicht aufgeben". Erst als der antikommunistische Protestsong verstummt war, griff er zu dem Behälter neben sich. Dann plätscherte Brandbeschleuniger auf Haut, Haare und Kleidung. Ein Feuerzeug klickte. Die Fußgänger haben es in der herbstlichen Dämmerung nicht wahrgenommen, sagen sie später. Sie hätten nur das Lied gehört und dann den Schrei.

Piotr Szczesnys Kinder Sophia und Krzysztof sind sich sicher, dass nichts, was an jenem Oktobertag geschah, Zufall gewesen ist. Der Vater habe "Ich liebe die Freiheit", wie Kocham Wolnosc auf Deutsch heißt, in den 80er Jahren als Chemiestudent gehört. Damals kämpfte er im Untergrund gegen die Kommunisten. Später, in der Demokratie, arbeitete er für Initiativen, die sich für lokale Mitbestimmung einsetzten. "Der Song war so etwas wie sein Lebensmotto", meint der 25-jährige Softwareingenieur Krzysztof.

Die Szczesnys fanden nach dem Tod ihres Vaters in dessen Haus in der Kleinstadt Niepolomice bei Krakau ein politisches Manifest mit 19 Forderungen. Jede fängt an mit: "Ich protestiere..." Dann geht Szczesny jeweils auf einen Missstand ein, mit dem er seine ...

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