Offen bleiben

Was Schulleiter im Kreis Lörrach vom Schulstart erwarten

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Do, 09. September 2021 um 08:01 Uhr

Kreis Lörrach

Am Montag geht die Schule wieder los. Erneute Schulschließungen will die Politik vermeiden, der Schulalltag soll so normal wie möglich sein. Was sagen Rektorinnen und Rektoren im Kreis Lörrach dazu?

Korrektur am Absatz "Quarantäne und Tests" am Donnerstag, 9. September 2021, 9.34 Uhr

Regina Höfler, Direktorin am Schulamt Lörrach, will sich mit Äußerungen zum Schulstart noch zurückhalten. Für diesen Donnerstag ist eine Pressekonferenz mit der baden-württembergischen Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) angekündigt, der sie nicht Vorgreifen will. Sie betont allerdings, dass das Ministerium bereits am 27. August eine Corona-Verordnung für die Schulen vorgelegt habe. Damit will Schopper einem der größten Kritikpunkte an ihrer Vorgängerin Susanne Eisenmann begegnen: Dass weitreichende Verordnungen so kurzfristig erlassen werden, dass sie nur dann zu erfüllen sind, wenn die Verantwortlichen an den Schulen das Wochenende durcharbeiten. Fest steht, dass das Tragen medizinischer Masken zentraler Bestandteil des neuen Schulalltags sein wird – auch während des Unterrichts, was zum Ende letzten Schuljahres nicht der Fall war. Höfler geht davon aus, dass dies bei einigen Eltern auf Missfallen stoßen wird.

"Der Preis wird sein, dass einzelne Kinder schwer erkranken werden. Und da ist jeder Einzelfall einer zu viel." Volker Habermaier, Georg-Büchner-Gymnasium Rheinfelden
Davon kann etwa Reiner Kaiser, Rektor der Grundschule Vorderes Kandertal in Binzen berichten. Per Anwaltspost verlangten Eltern von ihm, dass er sich gegen die Maskenpflicht für Grundschüler stellt. Das findet Kaiser absurd: Von einem Finanzbeamten erwarte schließlich auch keiner, dass er sich gegen ein von einzelnen Bürgern als ungerecht empfundenes Steuergesetz stelle. Elfi Simon, die im kommenden Schuljahr neu als Rektorin der August-Macke- Gemeinschaftsschule in Kandern beginnt, erhofft sich vom neuen Schuljahr so viel Normalität wie möglich. Dazu gehört auch, dass die Mensa wieder regulär öffnet.

Schulen sollen offenbleiben

"Der politische Wille ist definitiv erklärt: Die Schulen bleiben offen", sagt Volker Habermaier, Rektor des Georg-Büchner-Gymnasiums in Rheinfelden. "Das tut nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern gut", sagt er. Dass Impfungen für Unter-12-Jährige nicht empfohlen und die Impfquote von Über-12-jährigen Schülern niedrig sei, bedeute, dass sich mehr Kinder infizieren werden. "Der Preis wird sein, dass einzelne Kinder schwer erkranken werden. Und da ist jeder Einzelfall einer zu viel."

Dem gegenüber stünden die sozialen und psychologischen Auswirkungen von Schulschließungen. Er beneide die politischen Akteure um diese Abwägung nicht, sagt Habermaier. Das trifft Grundschulen ganz besonders. Der Binzener Rektor Reiner Kaiser ist dennoch der Ansicht, dass gerade Grundschulen unbedingt offenbleiben müssen. Digitaler Unterricht sei an Grundschulen besonders schwierig, das Erlernen der Regeln des soziales Miteinanders besonders wichtig. Dass dies im Fernunterricht gelitten habe, habe man im vergangenen Schuljahr feststellen müssen.

Quarantäne und Tests

Dass das Kultusministerium um Planungssicherheit für die Schulen bemüht ist, stößt im Kreis Lörrach auf Anerkennung. Monika Mareis, Schulleiterin der Mathilde-Planck-Schule in Lörrach und geschäftsführende Schulleiterin der beruflichen Schulen im Kreis Lörrach, sagt, dass diese Bemühungen spürbar seien. Entgegen des gemeinsamen Beschlusses der Landesgesundheitsminister am Montag will die Landesregierung in Baden-Württemberg darauf verzichten,neben nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Schülern auch deren enge Kontaktpersonen (etwa die Sitznachbarn) in Quarantäne zu schicken. Wie Gesundheitsminister Manfred Lucha am Mittwochabend mitteilte, sollen stattdessen die Kontaktpersonen fünf Tage lang täglich getestet werden. Im vergangenen Schuljahr wurden ganze Klassen in Quarantäne geschickt, wenn ein Schüler infiziert war.

"Schüler lernen zuhause nicht so wie in der Schule." Monika Mareis, Mathilde-Planck-Schule in Lörrach
Die Kanderner Rektorin Elfi Simon hält das für konsequent im Bestreben, den Schulalltag so normal wie möglich zu gestalten. Dem Binzener Grundschulrektor Reiner Kaiser bereitet das Vorgehen hingegen einige Bauchschmerzen: Er sieht die Gefahr, dass das Virus schneller ist als die Tests und man einen möglichen Infektionsherd am Laufen hält. Das bisherige Testregime soll ab dem 27. September insoweit ausgeweitet werden, dass alle Schüler zweimal statt dreimal pro Woche getestet werden sollen. Die Schüler testen sich dabei unter Aufsicht selbst.

Impfungen und Homeschooling

Wer eine der beruflichen Schulen besucht, dem stehe ein Impfung offen. Noch vor den Ferien habe man eine Impfaktion für Schülerinnen und Schüler organisiert, die gut angenommen sei, sagt die Lörracher Schulleiterin Monika Mareis. Dieses Angebot wolle man zu Beginn des neuen Schuljahrs erneut machen. Eine Abfrage des Impfstatus ist zwar nach einem entsprechenden Beschluss auf Bundesebene möglich, betrifft aber nur das Personal, nicht die Schülerschaft. Aber auch davon wollen die befragten Schulleiterinnen und Schulleiter erst dann Gebrauch machen, wenn sie per Erlass dazu verpflichtet werden. Die meisten Lehrkräfte seien ohnehin geimpft.


Die Chancen der durch die Pandemie erzwungenen Digitalisierung des Schulalltags nutzen wollen alle befragten Schulleiterinnen und Schulleiter. Dies aber lediglich als Ergänzung des Präsenzunterrichts, dauerhaften Fernunterricht will keiner. "Ich hoffe, dass Homeschooling im neuen Schuljahr keine Rolle spielen wird", sagt Monika Mareis. "Es ist so klar geworden wie nie zuvor, wie wichtig das Beziehungsgeflecht zwischen Schülern und Lehrerschaft ist," sagt sie. Schulschließungen vertieften die soziale Kluft zwischen Schülern unterschiedlichen familiären Hintergrunds.

Co2-Ampeln statt Luftfilter

Und: "Schüler lernen zuhause nicht so wie in der Schule", ist Mareis überzeugt. Im vergangenen Schuljahr durften Eltern ihre Kinder auch ohne Attest vom Präsenzunterricht fernhalten. Dies soll nun nur noch mit Attest möglich sein. Das verringert den Druck auf die Schulen, Homeschooling Angebote zu machen, deutlich – und wird daher von den Befragten auch begrüßt. Der Rheinfelder Rektor Volker Habermaier ist sich aber sicher: "Wir werden mehr Fake-Atteste bekommen."Apropos Präsenz: Mobile Luftfilter wurden an Schulen im Kreis Lörrach nur vereinzelt angeschafft. Flächendeckend zum Einsatz kommen sogenannte Co2-Ampeln, die signalisieren, wann gelüftet werden sollte. Die Erfahrungen damit seien gut, sagen die befragten Schulleiterinnen und Schulleiter.