Wechsel an der Spitze von "60 plus"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 22. Oktober 2019

Freiburg

Bei der SPD-Arbeitsgemeinschaft folgt Jürgen Kießling als Vorsitzender auf Wilfried Nagel.

FREIBURG (BZ). In der Jahreshauptversammlung der Freiburger SPD-Arbeitsgemeinschaft (AG) "60 plus" ist Jürgen Kießling als Nachfolger von Wilfried Nagel zum Vorsitzenden gewählt worden. Das teilt "60 plus" mit. Nagel, der sich, wie später auch sein Nachfolger, als "Alt-68er" geoutet habe, habe in seinen Rechenschaftsbericht seine gesamte achtjährige Amtszeit einbezogen. Für ihn sei die SPD eine "lernende Organisation": Monatlich seien aktuelle Themen von der Kommunal- bis zu Europapolitik mit interessanten Experten in Themenblöcken erörtert und diskutiert worden. Außer halbtägigen Exkursionen gehörten auch die jährlichen viertägigen Studienfahrten zum Programm, die etwa zum Thema Europa nach Brüssel oder zum Thema Kultur nach Weimar führten. Nagel: "Da kam sicher bei mir ab und zu der Gemeinschaftskundelehrer durch."

Leitidee sei für ihn immer gewesen, sozialpolitische Rahmenbedingungen zu schaffen, so dass man im Alter möglichst lang ein eigenständiges Leben in Würde führen könne und nicht auf Almosen angewiesen sei. Dem neuen Vorstand gehöre er nicht mehr an, aber: "Ihr müsst trotzdem jederzeit in Zukunft mit meiner kritischen und aktiven Mitarbeit rechnen."

In seiner Bewerbungsrede habe der später einstimmig gewählte neue Vorsitzende Jürgen Kießling darauf hingewiesen, dass er sich in den 46 Jahren seiner SPD-Mitgliedschaft auf die Basisarbeit konzentriert habe. Seit er mehrfach von den Vertretern von "60 plus" angesprochen worden sei, ob er nicht den Vorsitz übernehmen wolle, fühle er sich hochmotiviert: "Wenn ich gewählt werde, habe ich schließlich auch Karriere in der SPD gemacht." Er werde er sich zunächst darum bemühen, Kontinuität zu garantieren, auch wenn er in Zukunft sicher eigene Akzente setzen werde. Inhaltlich zeigte er sich überzeugt, dass die SPD besonders dafür prädestiniert ist, sozialverträgliche Lösungen für den Übergang der Arbeitswelt zur "Industrie 4.0" und für einen sinnvollen Klimaschutz zu entwickeln.

Im Anschluss an die Wahlen berichtete der Freiburger SPD-Vorsitzende und Stadtrat Julien Bender aus dem Gemeinderat. Schwerpunkt sei dabei der Freiburger Wohnungsmarkt gewesen. Bender habe insbesondere die Politik der Freiburger Stadtbau kritisiert, weil diese nicht genügend preiswerten Wohnraum in der Stadt bereitgestellt habe. In den vergangenen zwölf Jahren seien bei der Stadtbau nur rund 300 Wohnungen im Bestand hinzugekommen. Das sei "ein Armutszeugnis" – die Geschäftspolitik der Stadtbau müsse neu ausgerichtet werden.

In der anschließenden Diskussion habe der frühere Bundesvorsitzende der Gewerkschaft IG Bau Steine Erden, Bruno Köbele, die Entwicklung der Pachtzinsen bei Erbbauverträgen der Stadt kritisiert. Er wisse von einer Familie, die in Landwasser 13 500 Euro Pachtzins im Jahr für ein 450 Quadratmeter großes Grundstück in Landwasser zahlen müsse. Der frühere Erste Bürgermeister Freiburgs, Hansjörg Seeh, habe betont, dass der der Erbpachtzins für viele Familien zu einer zweiten Miete geworden sei. Die SPD-Gemeinderatsfraktion solle sich für einkommensabhängige Senkungen des Erbpachtzinses einsetzen.
Wahlergebnisse: Vorsitzender Jürgen Kießling (für Wilfried Nagel), stellvertretende Vorsitzende: Karin Rees und Anna-Christin Ludwig (beide wie bisher), Beisitzerinnen und Beisitzer: Dietrich Güsewell, Margareta Golder, Siegfried Hänsel, Hansjörg Seeh (alle wie bisher) sowie Uwe Pridöhl (für Hanna Rosahl-Theunissen).
Mitgliederzahl: rund 350.
Kontakt: Jürgen Kießling, Tel.  0761/ 278398, juergenkiessling@t-online.de.