Weihnachten ohne Circus?

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Mi, 13. Mai 2020

Offenburg

Das 25. Gastspiel im kommenden Winter steht angesichts der Corona-Pandemie auf der Kippe.

OFFENBURG. Das erste Jubiläum stand vor der Tür: Doch ob der 25. Offenburger Weihnachtscircus ab dem 18. Dezember stattfinden wird, ist ungewiss: Dessen Träger, der Circus Charles Knie, ist derzeit coronabedingt zum Nichtstun verurteilt. Offen ist, ob die Sommersaison überhaupt noch eröffnet wird. Sollte nicht spätestens im Spätherbst Klarheit herrschen, wird wohl auch der Weihnachtscircus abgesagt werden müssen. Ohnehin, so Sprecher Thorsten Brandstätter, wäre bei zu strengen Abstandsregeln ein Gastspiel aus wirtschaftlichen Gründen kaum vertretbar.

Alles war längst in trockenen Tüchern: Am 18. Dezember sollte Premiere des 25. Offenburger Weihnachtscircus’ sein, er sollte bis einschließlich Dreikönig, 6. Januar 2021, dauern. Doch das Coronavirus lässt das geplante 25. Gastspiel auf dem Messegelände fraglich erscheinen. Der Circus Charles Knie, einer der großen Circusse in Deutschland, der seit einigen Jahren Träger des Offenburger Weihnachtscircus’ ist, wie auch des Weihnachtscircus’ in Heilbronn, bangt im Moment um die knapp dreiwöchige Wintersaison rund um Weihnachten und Neujahr. "Im Moment können wir nur abwarten – und hoffen", sagte Pressesprecher Thorsten Brandstätter am Dienstag auf Anfrage. Vorerst sei es halt so, dass vor dem 31. August Großveranstaltungen nicht erlaubt seien. Und für die Zeit danach rechne er vorerst nicht mit einer hilfreichen Lockerung. Auch der Offenburger Weihnachtscircus mit seinem 1400 Besucher fassenden Zelt gehöre zu dieser Event-Kategorie. Die Ungewissheit sei groß, aber dennoch wolle sein Unternehmen, so Brandstätter, die Hoffnung noch nicht aufgeben. Je früher Gewissheit herrsche, unter welchen Bedingungen Circusse ihre Gastspiele bestreiten dürfen, umso besser. "Im Zweifelsfall kämen wir auch vielleicht mit vier bis sechs Wochen Vorbereitungszeit noch aus." Doch selbst wenn im frühen Herbst grünes Licht käme, wäre dies kaum hilfreich, wenn auch dann noch das Abstandsgebot von 1,50 Metern zwischen einzelnen Besuchern beziehungsweise Familien gelten sollte: "Dann wären zu wenig Besucher im Zelt, so dass sich das nicht rechnen würde." Sollten also vielleicht nur höchstens 300 Menschen eine Vorstellung besuchen dürfen, wäre das wirtschaftlich nicht rentabel. Im Moment lebe der Circus Charles Knie vom Prinzip Hoffnung – "und davon, dass sich doch noch schnell ein Impfstoff findet".

Möglich, dass der Circus Charles Knie 2020 ohne Gastspiel bleiben wird. Am Donnerstag, 12. März, war Generalprobe für die Jahressaison, die tags darauf beginnen und bis November dauern sollte. Doch an jenem Freitag traf das Auftrittsverbot ein. Wie lange es dauert, wisse derzeit kein Mensch, so Brandstätter. Das Zelt wurde abgebaut, die Wagen zogen ins Winterquartier in Einbeck: Der Stammsitz, ein ehemaliger Gutshof, wurde 2012 vom früheren Circus Barum gekauft, er bietet Stallungen, Freiflächen, Büros, Werkstätten. Nur wenige Künstler, zum Beispiel aus Italien, blieben zunächst, aus Angst vor Corona im eigenen Land. Nur mit großer Mühe gelang es, einer Ballettgruppe aus Südamerika die Heimreise zu ermöglichen. Von den knapp 100 Mitarbeitern einer Saison sind derzeit nur 20 da, die meisten in Kurzarbeit. Zudem werden 60 Tiere betreut. Die Zeit werde auch genutzt, das Material zu warten oder das Circus-Logo auf die beiden neuen Zugmaschinen zu malen. Man könnte die Saison durchaus noch fortsetzen, "doch eine gewisse Vorlaufzeit von ein paar Wochen brauchen wir schon. Das Schlimme ist im Moment die Ungewissheit."

Viel finanzielle Hilfe vom Staat könne man derzeit nicht erhoffen, so Brandstätter: "Wir zählen nur als Gewerbebetrieb – und nicht, wie in Italien, als Kulturgut."