Essay

Wenn Fakten mit Gefühlen konkurrieren müssen

Klaus Leisinger

Von Klaus Leisinger

Fr, 16. Februar 2018 um 22:00 Uhr

Bildung & Wissen

BZ-Plus Die Wissenselite hat es nicht leicht heute: Fakten und Beweise konkurrieren mit Gefühlen und Interessen. Wer hat Recht? Ein Essay über den Kampf um die Wahrheit:

Dieser Satz ist ziemlich genau 30 Jahre alt: "Je größer die Gefahr, desto mehr brauchen die Menschen den Verstand und das Vertrauen in den Verstand derjenigen, die als ausgewiesene Experten urteilsfähig sind. Aber ein Naturwissenschaftler erkennt mit Bestürzung, dass, während die Gefahren wachsen, das Vertrauen in den naturwissenschaftlichen Experten abnimmt." Geschrieben haben ihn die Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann und der Physiker Heinz Maier-Leibnitz. Kürzlich veröffentlichte Tom Nichols, Professor für Angelegenheiten der Nationalen Sicherheit am US Naval War College und Harvard Dozent, ein Buch, das sich mit demselben Sachverhalt beschäftigt: Der Tod der Fachkompetenz (The Death of Expertise). Im Zuge einer wachsenden Abneigung gegen "Eliten", auch wissenschaftliche, gelte Widerspruch gegen akademische Expertisen schon fast als Tugend – nicht nur beim Klimawandel.

Wie kann es sein, dass das Urteil von wissenschaftlichen Experten, die durch ihre Veröffentlichungen einem permanenten kritischen Diskurs mit anderen ausgewiesenen Fachleuten ausgesetzt sind, in öffentliche Debatten oft mit demselben Gewicht eingeht wie emotional vorgetragene Laienmeinungen von Rocksängern oder Schauspielern? Warum verliert in Gesellschaften, die ihr hohes Wohlstandsniveau der Arbeitsteilung, der Spezialisierung und dem wissenschaftlichen Fortschritt verdanken, die wissenschaftliche Expertise allzu oft an Überzeugungskraft? Wo doch die heute zur Lösung anstehenden Probleme ohne wissenschaftliche Durchbrüche gar nicht lösbar sind.

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