Eklat

Wer darf unter dem Motto "Woche der Brüderlichkeit" auftreten?

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Do, 14. März 2019 um 20:36 Uhr

Freiburg

Die Woche der Brüderlichkeit soll den Dialog zwischen Juden und Christen fördern. Veranstaltet wird sie von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Eine Parallelveranstaltung unter diesem Motto sorgt jetzt für Streit.

Der Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Freiburg (GCJZ) spricht von einem Eklat und beschwert sich öffentlich: Die Jüdische Einheitsgemeinde unter Vorsitz von Irina Katz kündige eine Veranstaltung am Sonntag an als "Beitrag der Israelitischen Gemeinde Freiburg zur Woche der Brüderlichkeit". Diese Veranstaltung sei jedoch weder mit der GCJZ abgestimmt noch genehmigt worden. Nur die GCJZ aber sei berechtigt, Veranstaltungen zur Woche der Brüderlichkeit durchzuführen. Irina Katz hält dagegen: "Alle jüdischen Gemeinden machen ihre eigenen Beiträge zur Woche der Brüderlichkeit."

Zwischen GCJZ und Einheitsgemeinde knirscht es seit einiger Zeit

In der Regel werden diese eigenen Beiträge mit den Veranstaltern der Woche der Brüderlichkeit abgesprochen – so wie das auch in Freiburg jahrzehntelang Usus war und noch sein könnte. Hier jedoch knirscht es zwischen GCJZ und Einheitsgemeinde seit einiger Zeit. Vor drei Jahren wurden sowohl die Jüdische Einheitsgemeinde als auch deren Vorsitzende Katz von der formalen Mitgliedschaft in der GCJZ ausgeschlossen, nachdem beide mehr als zwei Jahre lang ihre Mitgliedsbeiträge schuldig geblieben waren (Einzelmitgliedschaften kosten 21 Euro jährlich, die Gemeinde hatte 100 Euro zu zahlen).

Empört zeigt sich die hiesige GCJZ jedoch nicht so sehr darüber, dass Gemeinde und Vorsitzende nach mehrfacher Zahlungsaufforderung schließlich satzungsgemäß von der Mitgliedschaft ausgeschlossen werden mussten. Es sei vielmehr seit längerem höchst belastend, dass die jahrzehntelange selbstverständliche und freundliche Zusammenarbeit mit der Jüdischen Einheitsgemeinde nicht mehr wie dringend erwünscht stattfinde, so Ossi Pink vom Vorstand der GCJZ.

Die zentrale Veranstaltungsreihe der GCJZ – die alljährliche Woche der Brüderlichkeit – werde von der Einheitsgemeinde nicht mitbedacht. Vielmehr packe sie deren Label über ihre eigenen Vorträge, so Pink. Zum Beispiel feierte man dort vor wenigen Jahren schon vor der traditionell montäglichen Veranstaltung an einem Sonntag die eigene "Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit". Ohne Absprache.

Solistischer Ansatz im Alleingang

Der offiziellen Eröffnung in diesem Jahr blieb Irina Katz nun fern. Sie boykottiere die gemeinsame Veranstaltung, kommentiert das Ossi Pink. Das gemeinsame Bedenken und Planen des Programms der Woche der Brüderlichkeit und das transparente und vernetzte Arbeiten in der Vorbereitung gehöre zur verbindenden Absicht der GCJZ. Dazu scheint das unabgesprochene Veranstalten von Parallelereignissen nicht zu passen – oder wie es aus GCJZ-Sicht wahrgenommen wird: das Organisieren von "Gegenveranstaltungen" zum offiziellen Programm der Woche der Brüderlichkeit.

Das Problem beschäftigt die GCJZ schon länger. Deshalb habe man schließlich vor drei Jahren in großer Runde mit Irina Katz besprochen, was da nicht mehr rund lief. Vorstandsmitglied Wilhelm Schwendemann berichtet von diesem Treffen mit Dompfarrer Wolfgang Gaber, Dekan Markus Engelhardt, Rivka Hollaender und Heike Jansen: "Frau Katz versprach, nichts mehr gegen die Woche der Brüderlichkeit zu unternehmen."

Dass zur offiziellen Eröffnung am Montag die "zweite Garnitur" Redner beim Festakt im SWR auflief, schmerzt umso mehr, als nun Irina Katz mit ihrer im Alleingang geplanten Veranstaltung sechs Tage später sowohl den neuen OB als auch den evangelischen Landesbischof verpflichten konnte. Irina Katz’ solistischer Ansatz also geht auf, wenn auch fernab der GCJZ. Dass diese sich über den Mangel an Absprache und Kooperation beschwert, wundert Katz: "Wie eine Gesellschaft für die Christlich-Jüdische Zusammenarbeit es kritisieren kann, dass die jüdische Gemeinde ihren Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog macht, ist für uns unerklärlich."

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